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Ökologische Invasionen: Den Feind
kennen
Eingeschleppte Arten verursachen
hohe Kosten - sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer
Sicht. Ein neues Modell soll helfen, schädliche Eindringlinge
rechtzeitig zu erkennen.
(jkm) - Ist eine Tier- oder Pflanzenart
in einem neuen Lebensraum ansässig geworden, lässt sie
sich kaum wieder entfernen. Mit einem neuen mathematischen Modell
haben zwei amerikanische Biologen nun fünf europäische
Fischarten ausgemacht, die eine besondere Gefahr für die
nordamerikanischen Großen Seen darstellen. Durch entsprechende
Gegenmaßnahmen könnten schwere ökologische und
finanzielle Schäden verhindert werden, schreiben die Forscher
im Magazin "Science".
"Die jüngste Geschichte
zeigt, dass einige dieser Arten mit hoher Wahrscheinlichkeit in
die Region der Großen Seen verschleppt werden", so
Cynthia Kolar und David Lodge von der University of Notre Dame,
Indiana. Dies könne verhindert werden, indem man die absichtliche
Einfuhr für die Aquakultur oder als Zier- oder Köderfische
unterbinde. Und die Gefahr eines unbeabsichtigten Einschleppens
im Ballastwasser von Schiffen könne minimiert werden, indem
man die Ballasttanks je nach Saison an unterschiedlichen Stellen
oder aus unterschiedlichen Tiefen befülle.
Eingeschleppte Arten verursachen
in den Vereinigten Staaten jährlich Kosten in Milliardenhöhe.
Allein für die Bekämpfung des in die Großen Seen
eingedrungenen Meerneunauges wenden die Vereinigten Staaten und
Kanada pro Jahr 15 Millionen US-Dollar auf. Zwar wisse man seit
langem, dass manche Arten besonders gute Invasoren seien, schreiben
die Forscher. Bislang habe man jedoch quer über alle systematischen
Gruppen nach entsprechenden Eigenschaften gesucht und nicht berücksichtigt,
dass die Invasion vom Einschleppen über Vermehrung und Ausbreitung
bis zum Verursachen der Schäden in mehreren Phasen ablaufe.
Kolar und Lodge entwickelten nun
ein entsprechendes mathematisches Modell und testeten es am Beispiel
von 45 in die Großen Seen verschleppten Fischarten. Von
diesen Arten haben sich 24 zu Plagegeistern oder Schädlingen
entwickelt, 21 konnten sich nicht etablieren. Indem das Modell
die Eigenschaften der Arten mit den einzelnen Invasionsphasen
verknüpfte, stufte es die Arten in rund 90 Prozent der Fälle
korrekt als gefährlich oder ungefährlich ein, berichten
die Biologen. Für jede Phase seien höchstens vier Eigenschaften
wie Temperaturansprüche oder Vermehrungsrate der Art jeweiligen
von Bedeutung gewesen.
Die Forscher wandten ihr Modell
schließlich auf 66 Fischarten aus dem Schwarzen und dem
Kaspischen Meer an, um deren Gefährdungspotenzial für
die Großen Seen zu ermitteln. Fünf dieser Arten - Elritze,
Flussbarsch, Flussgrundel, ein Zahnkärpfling und ein Donauhering
- würden sich nach einer Verschleppung in die Seen rasch
zu einem Problem entwickeln, prognostizieren sie. Das Modell sei
aber nicht auf Fische beschränkt. Auch andere Tier- oder
Pflanzengruppen könnten nach dem gleichen Schema auf ihr
Gefahrenpotenzial überprüft werden.
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