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- 09.11.2002 -

 

 

 

 


 

Kahlschlag trotz CITES:

Armut treibt Abholzung des Kongo-Beckens an

Solange Armut und Korruption die Herkunftsländer prägen, können Artenschutzbestimmungen am Ausverkauf der Wälder im Kongo-Becken wenig ändern.

Von Antje Passenheim, dpa

Nairobi (dpa) - In Kenia ist der Regenwald so gut wie verschwunden. Nur zwei Prozent des ostafrikanischen Staates sind noch bewaldet. Dennoch bieten Möbelhändler in der Hauptstadt Nairobi Esszimmer aus Mahagoni für weniger als 1000 Euro an. Ebenholz und Zypresse wird zu Spottpreisen verhökert. «Wie billig muss ein Händler da das Holz beziehen?», fragt UN-Experte Bai-Mass Taal. Der Mitarbeiter des UN-Umweltprogramms (UNEP) weiß: «Die Hälfte der edlen Hölzer kommt illegal aus Kongo-Brazzaville. Und das ist nur ein Bruchteil von dem, was aus dem Kongo-Becken nach Europa oder Asien gelangt.»

Seit Montag beraten mehr als 2500 Experten bei der 12. Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) über Änderungen beim Schutz von Tier- und Pflanzenarten. Die Vertreter von 160 Regierungen und unabhängigen Organisationen debattieren und streiten in Santiago de Chile. Am Ausverkauf der Wälder im Kongo-Becken haben die Bestimmungen bislang wenig geändert.

«Solange Armut und Korruption die Herkunftsländer prägen, bleibt das zweitgrößte Tropenwaldgebiet der Welt die verwundbarste Region», sagt der Experte des UNEP-Waldprogramms. «Es gibt zu wenig Personal, um die Wälder zu bewachen, und da, wo es jemanden gibt, ist immer wieder Korruption im Spiel.» Mit umgerechnet 25 Euro im Monat könne ein Ranger kaum seine Familie ernähren. «Wenn dann eine große Holzfirma kommt und ihm 250 Euro bietet, um die Augen zuzumachen...»

Allein zwischen 1995 und 2000 wurden in Afrika nach einer Studie der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO rund 40.000 Quadratkilometer Wald zerstört - das entspricht in der Fläche der Niederlande. «Das Gebiet von der Zentralafrikanischen Republik über Gabun, Kongo, Kongo-Brazzaville bis nach Kamerun ist so groß, dass dort jeder reingehen kann, ohne erfasst zu werden.»

Oft stecken Regierungen selbst hinter der Rodung. Das westafrikanische Bürgerkriegsland Liberia etwa bezahlt seine Waffen einem UN-Bericht zufolge mit Diamanten und in erster Linie Tropenholz. Seit die UN liberianische «Blutdiamanten» mit einem Embargo belegt hat, sucht Präsident Charles Taylor verstärkt in asiatischen und ukrainischen Holzfirmen Rüstungssponsoren, ermittelte die Umweltschutzorganisation Global Witness. Demnach erkaufen sich einige Händler mit direkten Waffenlieferungen Holzkonzessionen.

«Aber auch legaler Holzschlag ist leicht an der Grenze zum Illegalen», weiß UN-Waldexperte Taal. «Wer kontrolliert etwa, ob sich die Holzfäller an ihr erlaubtes Limit halten?» Um einen einzigen Baum zu fällen, müssen viele andere sterben, wenn sich Bulldozer und Kettensägen ihren Weg durch das Gehölz bahnen. «Dabei sterben viele Tier- und Pflanzenarten, die durch CITES geschützt werden sollen.»

Die Auftraggeber warten fernab von der Umweltzerstörung. «Die reichen Händler bleiben lieber in bequemen Hotels.» Kamerun etwa sei einer der beliebtesten Umschlagplätze. Mehr als die Hälfte des in Zentralafrika geschlagenen Holzes wird nach Asien exportiert. Auch in Europa gebe es nach wie vor viele Abnehmer. «Viele legale deutsche Holzfirmen hinterlassen ihren Fingerabdruck überall im Kongo-Becken», sagt der UN-Experte.

Von mehr als 21.000 weltweit vorkommenden Baumarten sind nach Warnungen des WWF mehr als 8750 akut bedroht. Handelsbeschränkungen für Edelhölzer wie Mahagoni, Rosenholz oder Afrikanisches Stinkholz haben daran bislang nichts geändert. Ihr Export ist nur mit einer Ausfuhrgenehmigung des Herkunftslands möglich. Die EU verlangt darüber hinaus sogar eine Importgenehmigung.

Das Problem der grünen Urwaldriesen sei das gleiche wie das der Elefanten: «Eine kontrollierte Vermarktung der Produkte könnte den Ländern Geld für den Schutz der Arten sichern», sagt Taal. Doch ob Elfenbein oder Ebenholz: «Solange es kein Kontrollsystem gibt, um legale von illegaler Ware zu unterscheiden, gibt es auch keinen Schutz.» Und bei der CITES-Konferenz träfen nun mal Regierungsvertreter die Entscheidungen.

 

   vista verde special: Artenschutzkonferenz CITES

vista verde special: Artenschutzkonferenz

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