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Kahlschlag trotz CITES:
Armut treibt Abholzung des Kongo-Beckens
an
Solange Armut und Korruption
die Herkunftsländer prägen, können Artenschutzbestimmungen
am Ausverkauf der Wälder im Kongo-Becken wenig ändern.
Von Antje Passenheim, dpa
Nairobi (dpa) - In Kenia ist
der Regenwald so gut wie verschwunden. Nur zwei Prozent des ostafrikanischen
Staates sind noch bewaldet. Dennoch bieten Möbelhändler
in der Hauptstadt Nairobi Esszimmer aus Mahagoni für weniger
als 1000 Euro an. Ebenholz und Zypresse wird zu Spottpreisen verhökert.
«Wie billig muss ein Händler da das Holz beziehen?»,
fragt UN-Experte Bai-Mass Taal. Der Mitarbeiter des UN-Umweltprogramms
(UNEP) weiß: «Die Hälfte der edlen Hölzer
kommt illegal aus Kongo-Brazzaville. Und das ist nur ein Bruchteil
von dem, was aus dem Kongo-Becken nach Europa oder Asien gelangt.»
Seit Montag beraten mehr als
2500 Experten bei der 12. Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner
Artenschutzabkommen (CITES) über Änderungen beim Schutz
von Tier- und Pflanzenarten. Die Vertreter von 160 Regierungen
und unabhängigen Organisationen debattieren und streiten
in Santiago de Chile. Am Ausverkauf der Wälder im Kongo-Becken
haben die Bestimmungen bislang wenig geändert.
«Solange Armut und Korruption
die Herkunftsländer prägen, bleibt das zweitgrößte
Tropenwaldgebiet der Welt die verwundbarste Region», sagt
der Experte des UNEP-Waldprogramms. «Es gibt zu wenig Personal,
um die Wälder zu bewachen, und da, wo es jemanden gibt, ist
immer wieder Korruption im Spiel.» Mit umgerechnet 25 Euro
im Monat könne ein Ranger kaum seine Familie ernähren.
«Wenn dann eine große Holzfirma kommt und ihm 250
Euro bietet, um die Augen zuzumachen...»
Allein zwischen 1995 und 2000
wurden in Afrika nach einer Studie der UN-Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation FAO rund 40.000 Quadratkilometer Wald
zerstört - das entspricht in der Fläche der Niederlande.
«Das Gebiet von der Zentralafrikanischen Republik über
Gabun, Kongo, Kongo-Brazzaville bis nach Kamerun ist so groß,
dass dort jeder reingehen kann, ohne erfasst zu werden.»
Oft stecken Regierungen selbst
hinter der Rodung. Das westafrikanische Bürgerkriegsland
Liberia etwa bezahlt seine Waffen einem UN-Bericht zufolge mit
Diamanten und in erster Linie Tropenholz. Seit die UN liberianische
«Blutdiamanten» mit einem Embargo belegt hat, sucht
Präsident Charles Taylor verstärkt in asiatischen und
ukrainischen Holzfirmen Rüstungssponsoren, ermittelte die
Umweltschutzorganisation Global Witness. Demnach erkaufen sich
einige Händler mit direkten Waffenlieferungen Holzkonzessionen.
«Aber auch legaler Holzschlag
ist leicht an der Grenze zum Illegalen», weiß UN-Waldexperte
Taal. «Wer kontrolliert etwa, ob sich die Holzfäller
an ihr erlaubtes Limit halten?» Um einen einzigen Baum zu
fällen, müssen viele andere sterben, wenn sich Bulldozer
und Kettensägen ihren Weg durch das Gehölz bahnen. «Dabei
sterben viele Tier- und Pflanzenarten, die durch CITES geschützt
werden sollen.»
Die Auftraggeber warten fernab
von der Umweltzerstörung. «Die reichen Händler
bleiben lieber in bequemen Hotels.» Kamerun etwa sei einer
der beliebtesten Umschlagplätze. Mehr als die Hälfte
des in Zentralafrika geschlagenen Holzes wird nach Asien exportiert.
Auch in Europa gebe es nach wie vor viele Abnehmer. «Viele
legale deutsche Holzfirmen hinterlassen ihren Fingerabdruck überall
im Kongo-Becken», sagt der UN-Experte.
Von mehr als 21.000 weltweit
vorkommenden Baumarten sind nach Warnungen des WWF mehr als 8750
akut bedroht. Handelsbeschränkungen für Edelhölzer
wie Mahagoni, Rosenholz oder Afrikanisches Stinkholz haben daran
bislang nichts geändert. Ihr Export ist nur mit einer Ausfuhrgenehmigung
des Herkunftslands möglich. Die EU verlangt darüber
hinaus sogar eine Importgenehmigung.
Das Problem der grünen Urwaldriesen
sei das gleiche wie das der Elefanten: «Eine kontrollierte
Vermarktung der Produkte könnte den Ländern Geld für
den Schutz der Arten sichern», sagt Taal. Doch ob Elfenbein
oder Ebenholz: «Solange es kein Kontrollsystem gibt, um
legale von illegaler Ware zu unterscheiden, gibt es auch keinen
Schutz.» Und bei der CITES-Konferenz träfen nun mal
Regierungsvertreter die Entscheidungen.
vista verde special: Artenschutzkonferenz
CITES
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