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- 01.11.2002 -

 

 

 

 


 

Begehrtes «weißes Gold»:

Entscheidung über Elfenbeinhandel

Naturschutzorganisationen blicken voll Sorge auf die Zukunft der grauen Dickhäuter. Bei der Artenschutzkonferenz in Santiago de Chile wollen fünf afrikanische Länder eine teilweise Freigabe des Elfenbeinhandels erreichen.

Von Arno Schütze, dpa

Hamburg (dpa) - Auf einem Fischerboot nahe einer kleinen Insel bei Hongkong schlugen die chinesischen Zollbeamten Mitte Oktober zu. In Kisten verpackt fanden sie 80 Elefantenstoßzähne - der größte Fund seit zehn Jahren. Der Kapitän wurde verhaftet, ihm drohen zwei Jahre Haft. Den lukrativen Elfenbeinschmuggel von Afrika nach China wird das nach Befürchtung von Artenschützern aber nicht lange aufhalten.

Naturschutzorganisationen blicken voll Sorge auf die Zukunft der grauen Dickhäuter. Bei der Artenschutzkonferenz in Santiago de Chile vom 3. bis 15. November wollen fünf afrikanische Länder - Südafrika, Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe - eine teilweise Freigabe des Elfenbeinhandels erreichen. «Allein die Aussicht auf eine mögliche Teil-Liberalisierung des Handels motiviert Wilderer und Schmuggler, ihre blutigen Aktivitäten auszubauen», sagt Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.
 


© ArtToday

Elefanten im Etosha-Nationalpark in Namibia.


Der Handel mit dem «weißen Gold» aus Afrika war von 1990 an komplett verboten. 1997 setzten Namibia, Botswana und Simbabwe eine Sonderregelung durch: Sie durften fortan Elfenbein aus Lagerbeständen oder aus kontrolliertem Abschuss verkaufen. Südafrika erhielt zwei Jahre später die gleichen Privilegien.

Will Travers von der britischen Artenschutz-Organisation «Born Free» sagt über die Folgen der Sonderregelungen: «Seit 1996 schrumpft die Elefantenpopulation um 4 Prozent im Jahr, unmittelbar nach dem Handelsverbot 1990 hatte sich der Rückgang auf 1,2 Prozent verringert.» Nach Schätzungen der internationalen Naturschutzorganisation IUCN gibt es derzeit 290.000 bis 500.000 afrikanische Elefanten.

Die Länder aus dem südlichen Afrika wollen die Konferenz in Santiago de Chile zu weiteren Zugeständnissen bewegen: Sie fordern die Erlaubnis für den Handel mit je 2 bis 5 Tonnen Rohelfenbein jährlich. Darüber hinaus wollen sie grünes Licht für einmalige Verkäufe von insgesamt 87 Tonnen. Auch Sambia möchte künftig von den Sonderregelungen profitieren.

«Die Elefantenpopulationen überschreiten die Kapazitäten der Nationalparks», erklärt Moshibudi Rampedi vom südafrikanischen Umweltministerium. Tatsächlich sind die Herden der Dickhäuter im südlichen Afrika seit dem Tiefstand 1987 um knapp 30 Prozent auf eine Viertelmillion Tiere angewachsen. Die Zahlen beruhen auf Schätzungen von IUCN.

«Für Dorfbewohner können Elefanten zur Bedrohung werden. Wenn die Tiere in der Savanne nicht genügend zu Fressen finden, gehen sie in die Gärten», erklärt Roland Melisch von der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF).

Doch die Antragsteller müssen mit Gegenwind rechnen, unter anderem von Kenia und Indien, die das totale Handelsverbot wieder herstellen wollen. «Wir sind sehr besorgt über eine Öffnung des Handels mit Elfenbein», sagt der Direktor des Kenya Wildlife Service Joseph Kioko. «Der Markt für Elfenbein ist vorhanden. Wir verlieren immer noch Elefanten durch Wilderer, in diesem Jahr allein 70 Tiere. Wir haben keine ausreichende Kapazität, um das Wildern zu kontrollieren.»

Ein Kontrollsystem müsse geschaffen werden, mit dem man natürlich gewonnenes Elfenbein von gewildertem unterscheiden kann, fordert der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP) und ehemalige deutsche Umweltminister, Klaus Töpfer. «Wir sind noch nicht soweit, den Handel mit Elfenbein zu lockern, denn wir provozieren damit einen illegalen Elfenbeinmarkt».

Die Zukunft der Elefanten hängt nach Ansicht des WWF maßgeblich von der Bekämpfung des Elfenbeinschmuggels ab. Besonders Staaten wie China, Thailand oder Nigeria müssten endlich den illegalen Handel mit Elfenbein in ihren Ländern in den Griff bekommen, fordert Melisch. «Wird der Elfenbeinhandel jetzt teilweise frei gegeben, kann man die Zukunft der Elefanten nicht garantieren.»

 

   vista verde special: Artenschutzkonferenz CITES

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