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Begehrtes «weißes
Gold»:
Entscheidung über Elfenbeinhandel
Naturschutzorganisationen blicken
voll Sorge auf die Zukunft der grauen Dickhäuter. Bei der
Artenschutzkonferenz in Santiago de Chile wollen fünf afrikanische
Länder eine teilweise Freigabe des Elfenbeinhandels erreichen.
Von Arno Schütze, dpa
Hamburg (dpa) - Auf einem Fischerboot
nahe einer kleinen Insel bei Hongkong schlugen die chinesischen
Zollbeamten Mitte Oktober zu. In Kisten verpackt fanden sie 80
Elefantenstoßzähne - der größte Fund seit
zehn Jahren. Der Kapitän wurde verhaftet, ihm drohen zwei
Jahre Haft. Den lukrativen Elfenbeinschmuggel von Afrika nach
China wird das nach Befürchtung von Artenschützern aber
nicht lange aufhalten.
Naturschutzorganisationen blicken
voll Sorge auf die Zukunft der grauen Dickhäuter. Bei der
Artenschutzkonferenz in Santiago de Chile vom 3. bis 15. November
wollen fünf afrikanische Länder - Südafrika, Namibia,
Botswana, Sambia und Simbabwe - eine teilweise Freigabe des Elfenbeinhandels
erreichen. «Allein die Aussicht auf eine mögliche Teil-Liberalisierung
des Handels motiviert Wilderer und Schmuggler, ihre blutigen Aktivitäten
auszubauen», sagt Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation
Pro Wildlife.

©
ArtToday
Elefanten
im Etosha-Nationalpark in Namibia.
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Der Handel mit dem «weißen
Gold» aus Afrika war von 1990 an komplett verboten. 1997
setzten Namibia, Botswana und Simbabwe eine Sonderregelung durch:
Sie durften fortan Elfenbein aus Lagerbeständen oder aus
kontrolliertem Abschuss verkaufen. Südafrika erhielt zwei
Jahre später die gleichen Privilegien.
Will Travers von der britischen
Artenschutz-Organisation «Born Free» sagt über
die Folgen der Sonderregelungen: «Seit 1996 schrumpft die
Elefantenpopulation um 4 Prozent im Jahr, unmittelbar nach dem
Handelsverbot 1990 hatte sich der Rückgang auf 1,2 Prozent
verringert.» Nach Schätzungen der internationalen Naturschutzorganisation
IUCN gibt es derzeit 290.000 bis 500.000 afrikanische Elefanten.
Die Länder aus dem südlichen
Afrika wollen die Konferenz in Santiago de Chile zu weiteren Zugeständnissen
bewegen: Sie fordern die Erlaubnis für den Handel mit je
2 bis 5 Tonnen Rohelfenbein jährlich. Darüber hinaus
wollen sie grünes Licht für einmalige Verkäufe
von insgesamt 87 Tonnen. Auch Sambia möchte künftig
von den Sonderregelungen profitieren.
«Die Elefantenpopulationen
überschreiten die Kapazitäten der Nationalparks»,
erklärt Moshibudi Rampedi vom südafrikanischen Umweltministerium.
Tatsächlich sind die Herden der Dickhäuter im südlichen
Afrika seit dem Tiefstand 1987 um knapp 30 Prozent auf eine Viertelmillion
Tiere angewachsen. Die Zahlen beruhen auf Schätzungen von
IUCN.
«Für Dorfbewohner können
Elefanten zur Bedrohung werden. Wenn die Tiere in der Savanne
nicht genügend zu Fressen finden, gehen sie in die Gärten»,
erklärt Roland Melisch von der Umweltstiftung World Wide
Fund for Nature (WWF).
Doch die Antragsteller müssen
mit Gegenwind rechnen, unter anderem von Kenia und Indien, die
das totale Handelsverbot wieder herstellen wollen. «Wir
sind sehr besorgt über eine Öffnung des Handels mit
Elfenbein», sagt der Direktor des Kenya Wildlife Service
Joseph Kioko. «Der Markt für Elfenbein ist vorhanden.
Wir verlieren immer noch Elefanten durch Wilderer, in diesem Jahr
allein 70 Tiere. Wir haben keine ausreichende Kapazität,
um das Wildern zu kontrollieren.»
Ein Kontrollsystem müsse
geschaffen werden, mit dem man natürlich gewonnenes Elfenbein
von gewildertem unterscheiden kann, fordert der Exekutivdirektor
des UN-Umweltprogramms (UNEP) und ehemalige deutsche Umweltminister,
Klaus Töpfer. «Wir sind noch nicht soweit, den Handel
mit Elfenbein zu lockern, denn wir provozieren damit einen illegalen
Elfenbeinmarkt».
Die Zukunft der Elefanten hängt
nach Ansicht des WWF maßgeblich von der Bekämpfung
des Elfenbeinschmuggels ab. Besonders Staaten wie China, Thailand
oder Nigeria müssten endlich den illegalen Handel mit Elfenbein
in ihren Ländern in den Griff bekommen, fordert Melisch.
«Wird der Elfenbeinhandel jetzt teilweise frei gegeben,
kann man die Zukunft der Elefanten nicht garantieren.»
vista verde special: Artenschutzkonferenz
CITES
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