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- 31.10.2002 -

 

 

 

 

 


 

Artenschutzkonferenz in Chile:

Geld oder Leben?

Geld oder Leben, auf diese Formel lassen sich die Argumente vor der internationalen Artenschutzkonferenz in Santiago de Chile reduzieren.

Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Santiago de Chile/Buenos Aires (dpa) - Die Schlachtordnung im Kampf um die Erhaltung bedrohter Arten steht. Geld oder Leben, auf diese Formel lassen sich die Argumente vor der nächsten internationalen Konferenz im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA) in Santiago de Chile reduzieren. Weltweit sind mittlerweile insgesamt 11.167 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, berichtete die internationale Umweltschutzorganisation IUCN vor kurzem.

Bereits im Vorfeld der Konferenz finden hinter den Kulissen heiße Schlachten um Elefanten, Schildkröten, Seepferdchen, Papageien und andere bedrohte Wildtiere statt. Vom 3. bis 15. November treffen sich dann in Santiago die Vertreter der Mitgliedsländer und Umweltschützer. Das Artenschutzabkommen («Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora», CITES) regelt den internationalen Handel mit bedrohten wild lebenden Tier- und Pflanzenarten.

Insgesamt 54 Anträge auf Änderung des Schutzstatus für bedrohte Wildtiere und -pflanzen liegen für die Konferenz vor. Beim Elfenbein, das bis zu 500 Euro pro Kilogramm einbringt, wollen Südafrika, Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe die Genehmigung, trotz des absoluten Handelsverbotes insgesamt 87 Tonnen Elfenbein aus Lagerbeständen verkaufen zu dürfen. Das entspreche etwa 7000 getöteten Tieren, berichtete die Umweltschutzorganisation Pro Wildlife. Während die Bestände in Afrika und Asien auf historische Tiefstände sanken, wurde die Menge beschlagnahmten Elfenbeins immer größer.

Darüber hinaus wollen diese Länder regelmäßige Jahres- Handelsquoten von 12 Tonnen Elfenbein durchsetzen. Umweltschützer wie der World Wildlife Fund for Nature (WWF) warnen jedoch, dies werde Wilderer wieder verstärkt auf den Plan rufen, weil legales nicht von illegalem Elfenbein zu unterscheiden sei.

Alarm schlagen Artenschützer auch für die asiatischen Schildkröten. Die Bestände fast aller Schildkröten Asien seien in den vergangenen 15 Jahren zusammengebrochen, warnt Pro Wildlife. Dies sei die Folge einer unkontrollierten Plünderung für die Fleischmärkte und Apotheken in China und seinen Nachbarländern. Die meisten der etwa 90 betroffenen Arten seien noch ungeschützt.

Ein absolutes Handelsverbot wird für vier Papageienarten angestrebt. Es geht dabei um Gelbnacken-Amazone, Gelbkopf-Amazone, Blaukopfara und Kap-Papagei, für die entsprechende Anträge vorliegen. Die Papageien werden außer durch den internationalen Handel auch durch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes bedroht. Deutschland, selbst Antragsteller für den Blaukopfara, war Abnehmer für mindestens zwei der genannten Arten und trägt damit Mitverantwortung am Schwund der Bestände.

Durch Überfischung sind auch die Seepferdchen Südostasiens gefährdet. Etwa 16 Millionen Seepferdchen werden jährlich allein für die traditionelle Chinesische Medizin gefischt. Hinzu kommen hunderttausende Tiere für den internationalen Aquarienhandel. Allein Deutschland importierte von 1996 bis 2000 knapp 18.000 lebende Seepferdchen sowie eine unbekannte Zahl getrockneter Tiere aus dem Souvenirhandel. Auf der Konferenz in Chile soll für alle 32 Arten der bizarren Fische der internationale Handel eingeschränkt und einer Kontrolle unterworfen werden.

Auch beim Thema Wale stehen die Gegner lange fest. Die Walfangnationen Japan und Norwegen machen seit Jahren Jagd zu vorgeblich wissenschaftlichen Zwecken auf die gefährdeten Meeressäuger. Bei der diesjährigen Konferenz will Japan die Aufhebung des Handelsverbotes für zwei Walarten beantragen. Island, dass seit Oktober wieder Mitglied der Internationalen Walfangkommission ist, hat bereits angekündigt, dass es in der kommenden Saison 250 Zwergwale, 200 Finnwale und 68 Seiwale zu wissenschaftlichen Zwecken töten wolle.

 

   vista verde special: Artenschutzkonferenz CITES

vista verde special: Artenschutzkonferenz

 


© NOAA

Etwa 16 Millionen Seepferdchen werden jährlich allein für die traditionelle Chinesische Medizin gefischt.

 Mehr Informationen:

vista verde special: Artenschutzkonferenz CITES

Hintergrund: Das Washingtoner Artenschutzüber- einkommen CITES

 

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