|
NABU-Report: Schneeleopard von Ausrottung
bedroht
Durch illegalen Handel und
Wilderei ist der seltene Schneeleopard akut von der Ausrottung
bedroht.
Berlin (dpa) - In den Hochgebirgsregionen
Zentralasiens gebe es nur noch 3500 bis 7000 der Großkatzen,
sagte Birga Dexel vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) am Mittwoch
in Berlin bei der Vorstellung des ersten Schneeleoparden- Reports.
Weltweit werden laut NABU jährlich illegal Wildtiere und
Pflanzen im Wert von rund 164 Milliarden Euro gehandelt.
Obwohl der «König
der Berge» seit 1976 unter höchstem Schutz steht, sei
auch die organisierte Kriminalität in das lukrative Geschäft
mit Fellen, Knochen und lebenden Exemplaren eingestiegen. «Der
Schneeleopard war noch nie so bedroht wie heute. Es ist noch nicht
zu spät für den Schneeleo, aber kurz vor zwölf»,
sagte Dexel. Beim Handel mit bedrohten Arten würden die zweithöchsten
Gewinne nach dem Drogenhandel erzielt.
Der NABU hat nach eigenen Angaben
als erster international agierender Naturschutzverband eine Studie
über die Tiere erstellt. Der Bericht soll den Vertragsstaaten
des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA) auf ihrer Konferenz
in Santiago de Chile Anfang November offiziell übergeben
werden. «Bislang steht der Schutz nur auf dem Papier»,
sagte Dexel, die in Kirgisistan ein NABU-Projekt zum Erhalt des
Tieres mit dem getupften, hellen Fell leitet. Dort versucht eine
mobile Wildhüter-Einheit, illegale Jäger zu stellen.
Beheimatet ist der Schneeleopard
in zwölf Ländern, darunter neben China Afghanistan,
Indien, Mongolei, Russland und Usbekistan. Nach NABU-Erkenntnissen
gibt es in China den größten Markt für den kriminellen
Handel mit der Großkatze, die in Gebirgshöhen von 3000
bis 6000 Meter lebt. «Es ist das einzige Land, in dem sowohl
Felle, Knochen, lebende Tiere als auch Fleisch gehandelt werden.
Eine Mahlzeit mit Schneeleopardenfleisch kostet 16 US-Dollar.»
Die höchsten Preise für
Felle werden in den Handelsmetropolen Russlands sowie den USA
erzielt. Ein Mantel kostet auf dem Schwarzmarkt laut NABU bis
zu 60.000 US-Dollar. Felle aus den früheren Sowjetrepubliken
landeten durch lasche Grenzkontrollen auch in Ländern der
Europäischen Union. Westliche Trophäenjäger könnten
zudem in der Mongolei eine Safari samt Abschuss eines Schneeleoparden
für 25.000 US-Dollar kaufen. In Pakistan werden die Tiere
auch lebend gefangen und an Zirkusse oder Privatinteressenten
für bis zu 11.000 US-Dollar verkauft.
In europäischen Zoos läuft
ein Erhaltungszuchtprogramm für den Schneeleoparden, beteiligt
ist auch der Berliner Tierpark in Friedrichsfelde. Hier wurden
in diesem Jahr zwei Jungtiere geboren.
|