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- 10.10.2002 -

 

 

 

 

 


 

Vögel:

Verleiten die Gene zum Seitensprung?

Obwohl sich Männchen und Weibchen bei vielen Vogelarten zu festen Paaren zusammenfinden, gehen die Partner gelegentlich fremd. Warum sie das tun, haben Biologen jetzt untersucht.

(jkm) - Ein internationales Biologenteam hat jetzt entdeckt, dass die Häufigkeit der Seitensprünge mit der genetischen Ähnlichkeit zwischen den Partnern steigt. Vielleicht wollen die Tiere durch die "außerehelichen" Paarungen Inzuchteffekte vermeiden, schreiben die Forscher im Magazin "Nature".

Mehrere Studien hätten gezeigt, dass der Fortpflanzungserfolg mit der genetischen Verschiedenheit der Eltern steige, schreiben die Forscher um Bart Kempenaers von der Max-Planck-Forschungsstelle für Ornithologie in Seewiesen. Daher sollte die natürliche Auslese eigentlich dazu geführt haben, dass die Tiere Paarungen mit genetisch ähnlichen Partnern vermeiden. Bei einer eingeschränkten Auswahl an potenziellen Partnern, beispielsweise in Brutkolonien, könne es aber dennoch zu solchen Paarungen kommen.

Das Team ging nun der Vermutung nach, dass Vögel sich unter diesen Umständen besonders häufig mit fremden Individuen paaren. Die Forscher untersuchten insgesamt 105 Gelege des Bergstrandläufers (Calidris mauri), des Flussuferläufers (Actitis hypoleuca) und des Seeregenpfeifers (Charadrius alexandrinus).

Die genetischen Fingerabdrücke der Eltern und Küken zeigten, dass in acht Nestern mindestens ein Ei gelegen hatte, das aus einem Abenteuer des Männchens oder des Weibchens mit einem fremden Partner hervorgegangen war. Das Auszählen der gemeinsamen DNA-Banden ergab, dass diese Seitensprünge bevorzugt bei genetisch ähnlichen Partnern aufgetreten waren. Anscheinend können die Tiere erkennen, wie ähnlich ihr Erbgut ist, und haben gelernt, in solchen Fällen zur Vermeidung von Inzuchteffekten für "frisches Blut" zu sorgen.

"Diese große Frage ist nun, woher die Vögel wissen, mit wem sie sich paaren", kommentiert Arie van Noordwijk vom Niederländischen Institut für Ökologie, Heteren, in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift. Bei Nagetieren geschehe dies über den Geruchssinn, bei Vögeln sei dieser jedoch vergleichsweise unterentwickelt.

"Seit langem ist bekannt, dass Vögel in ihrem Verhalten schlau und anpassungsfähig sind", so der Forscher. "Aber anscheinend haben wir sie ernsthaft unterschätzt."

 


© ArtToday

Bergstrandläufer
(Calidris mauri)

 Mehr Informationen:

Kempenaers Forschungsgruppe

vista verde: Vögel

 

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