|
Vogelzug: Der Kompass liegt im rechten
Auge
Rotkehlchen orientieren sich
beim Vogelzug mit Hilfe des rechten Auges am Magnetfeld der Erde.
Das haben Frankfurter und Bochumer Wissenschaftler herausgefunden.
(jkm) - Rotkehlchen tragen ihren
Magnetkompass im rechten Auge, berichten die Biowissenschaftler
im Magazin "Nature". Wird den Tieren das rechte Auge
verbunden, verlieren sie vollkommen die Orientierung, ein Abdecken
des linken Auges hat dagegen keine Folgen. Die Befunde könnten
helfen, Licht in die Funktionsweise des rätselhaften Magnetsinns
zu bringen.
Zugvögel nutzen das Magnetfeld
der Erde, um sich zu orientieren und ihren Weg zu finden. Man
geht davon aus, dass der Magnetsinn mit dem Sehsinn verknüpft
ist. Einer Theorie zufolge entstehen beim Lichteinfall im Vogelauge
energetisch angeregte Verbindungen, deren Abregung von der Orientierung
im umgebenden Magnetfeld abhängt.
Um mehr über den Magnetsinn
der Vögel zu erfahren, fingen Wolfgang Wiltschko von der
Universität Frankfurt und seine Kollegen Rotkehlchen (Erithacus
rubecula) ein, die gerade auf dem Weg gen Norden waren. Die Forscher
sperrten die Tiere über Nacht in mit Papier ausgekleidete
Trichter. Die unruhigen Vögel hinterließen Kratzspuren
auf diesem Papier, die sich in ihrer bevorzugten Wanderungsrichtung
konzentrierten.
Rotkehlchen, denen die Forscher
eine undurchsichtige Kappe auf das linke Auge gesetzt hatten,
wollten - wie die Kontrolltiere - nach Norden. Trugen die Tiere
die Kappe jedoch auf dem rechten Auge, waren die Kratzspuren rein
zufällig auf dem Papier verteilt. Offenbar konnten diese
Vögel das Magnetfeld nicht mehr wahrnehmen.
"Das Magnetorientierungssystem
findet Eingang über das rechte Auge der Tiere", erläutert
Onur Güntürkün von der Universität Bochum,
einer der Forscher, "es benutzt quasi das visuelle System,
um sich Zugang zur Wahrnehmung zu verschaffen". Er und seine
Kollegen schließen daher, dass die Tiere den magnetischen
Norden tatsächlich über die Augen wahrnehmen, in diesem
Fall über das rechte Auge und der linken Hirnhälfte.
|