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Ungeliebte Allesfresser:
Ochsenfrösche machen sich am Rhein
breit
Fett, gefräßig,
unbeliebt - er vereinigt eine ganze Reihe von nicht eben positiven
Attributen auf sich: Der ursprünglich aus Nordamerika stammende
Ochsenfrosch, der sich seit geraumer Zeit am nördlichen Oberrhein
breit macht und die Umweltschützer Alarm schlagen lässt.
Von Roland Böhm, dpa
Karlsruhe (dpa) - In den Auen
bedroht der glitschige Vielfraß sehr selten gewordene einheimische
Amphibienarten und hat sich so laut Experten zu einem «echten
ökologischen Problem» entwickelt.
«Der Frosch frisst so ziemlich
alles, was er irgendwie bewältigen kann», berichtet
Christoph Aly von der Landesanstalt für Umweltschutz (LfU)
Baden-Württemberg. Krebse, Entenküken, Schnecken, Laubfrösche,
ja sogar Ringelnattern und Zauneidechsen - in Mägen von Ochsenfröschen
findet sich fast alles, was die heimische Fauna zu bieten hat.
Natürliche Feinde wie Schlangen,
Schildkröten oder besondere Raubfische hat der ausgestreckt
bis zu 45 Zentimeter große und bis zu 2,5 Kilogramm schwere
Nimmersatt in hiesigen Breiten nicht. Deshalb breitet er sich
am Rhein mit hohem Tempo aus.
Der «Rana catesbeiana»
zählt zu den weltweit größten Froscharten. Wohl
aus geschäftlichen Interessen wurde er einst aus Amerika
nach Europa gebracht und in Norditalien und Westfrankreich angesiedelt.
Seine Schenkel gelten als Delikatesse.
An den Oberrhein kam der Riesenfrosch
aber eher durch eine Dummheit: Die Behörden vermuten, dass
ein Zoohändler ihn an einem Seitenarm des Rheins «entsorgt»
hat. Seit Mitte der 90er gibt es ein internationales Handelsverbot
für Ochsenfrösche.
Seine einzigen Feinde sind die
Umweltschützer, die seit gut einem Jahr gegen die Ochsenfrösche
kämpfen. Recht einfach ist es noch, die ausgewachsenen Tiere
einzufangen, denn sie verraten sich mit ihrem unnachahmlichen
röhrenden Rufen meist selbst.
Bedeutend schwieriger ist die
Jagd nach den Jungtieren und nach den unzähligen Kaulquappen.
Ochsenfrösche legen Laichklumpen von bis 25.000 Eier auf
einmal. Gegen den Nachwuchs gehen die meist ehrenamtlichen Helfer
mit elektrischen Keschern vor. Eventuell vergeblich - denn dem
Frosch ist kaum noch beizukommen.
Zwar wurden im Laufe der Zeit
schon mehrere tausend Jungtiere und Kaulquappen getötet.
Hans-Martin Flinspach vom Umweltamt im Landratsamt Karlsruhe schätzt
aber, dass sich noch immer tausende kleine Ochsenfrösche
im Rhein und seinen Nebengewässern tummeln.
Ihre Zahl steigt von Jahr zu Jahr.
Den Umweltschützern bleibt fast nur die Hoffnung auf einen
strengen Winter: «Wenn uns die Natur nicht hilft, schaffen
wir es wohl nicht», sagt Flinspach.
Fatal ist, dass die Rheinaue
kein abgeschlossenes Gewässer ist wie etwa zwei Tümpel
bei Stuttgart oder in der Nähe von Bonn, in denen auch schon
mal Ochsenfrösche gesichtet wurden. Dort hatte man das Problem
schnell im Griff. Am Rhein aber reiht sich eine Wasserstelle an
die nächste und bietet den Tieren damit ein riesiges Ausbreitungspotenzial.
Als die Karlsruher Behörden
Ende der neunziger Jahre erstmals Hinweise auf Ochsenfrösche
erhielten, war zunächst auch nur ein kleiner See betroffen,
wenig später wurden in zehn verschiedenen Gewässern
größere Populationen von Ochsenfröschen in verschiedenen
Entwicklungsstadien gefunden. Flinspach: «Wie weit er sich
seither tatsächlich ausgebreitet hat, können wir nur
ahnen.»
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