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Deiche weg und Kurven rein:
Fluss erfolgreich renaturiert
Deiche werden abtragen und
das Wasser soll fließen, wo es will. Was vor dem Hintergrund
des Jahrhunderthoch- wassers nach Katastrophe klingt, ist die
Kurzformel für die erfolgreiche Renaturierung des Flusses
Hase im Emsland - und gleichzeitig Hochwasserschutz.
Von Jutta Steinhoff, dpa
Meppen/Osnabrück (dpa) -
Jahre hat es gedauert, bis der zuvor begradigte Fluss auf einem
Abschnitt von rund 15 Kilometern vor der Mündung in die Ems
wieder in sein früheres Bett zurückgekehrt ist. Seit
die Altarme wieder kurvenreich durchflossen werden, muss dem Landkreis
Emsland zufolge bei Hochwasser kein Landwirt mehr um seine Ernte
fürchten. Auch der Biber fühle sich wieder wohl im größten
Nebenfluss der Ems.
Die Renaturierung der Hase begann
1995 und wurde 2001 abgeschlossen. «Verzögert wurden
die Arbeiten vom extremen Hochwasser 1998, als statt sonst 30
Kubikmeter Wasser pro Stunde mit rund 190 Kubikmetern mehr als
das Sechsfache durch die Hase floss - und über die Ufer trat»,
berichtet Sturm. «Da hatten wir zur Katastrophenhilfe THW
und Bundeswehr hier», erinnert sich der Leiter des Kreisamtes
für Naturschutz in Meppen, Ludger Pott.
Mittlerweile sind solche Hochwasserprobleme
unwahrscheinlich geworden: Die Auen bieten als natürliches
Überlaufbecken Platz und die Fließgeschwindigkeit der
Hase ist wegen der Windungen gebremst. «Wir haben 17 Kilometer
Deiche abgetragen», berichtet Pott. Neu aufgeschüttete
Wälle schützen nun die Dörfer im Hasetal - falls
das Wasser doch mal wieder extrem steigt. Für das Flussufer
gilt «Finger weg» - die Natur und nicht der Mensch
herrscht. «Wenn irgendwo das Ufer abrutscht, wird es nicht
wieder aufgebaut - der Fluss sucht sich schon seinen Weg»,
erläutert Pott das System echter Renaturierung.
Insgesamt zehn Millionen Euro
Fördergeld kamen für die Renaturierung zusammen. Neben
dem Bundesamt für Naturschutz beteiligten sich die Europäische
Union, das Land Niedersachsen und der Kreis Emsland. Der Großteil
wurde in den Kauf landwirtschaftlicher Flächen - das alte
und neue Auenland - investiert.

©
dpa
Der
größte Nebenfluss der Ems, die 165 km lange
Hase im Emsland, hier bei Haselünne. Nach dem der
Fluss in den 70er Jahren begradigt wurde, ist er nun auf
dem letzten Abschnitt, 15 Kilometer vor der Mündung
in die Ems, wieder in sein früheres Flussbett zurückgekehrt.
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Biber und Eisvögel sind zurück
Bei Flora und Fauna haben die
Auenlandschaft und die Rückkehr des Hase-Wassers in das frühere
Flussbett bereits Wirkung gezeigt. «Wir beobachten eine
überraschend schnelle Wiederansiedlung der Pflanzen»,
berichtet Prof. Rüdiger Schröpfer. Geglückt sei
auch die Wiederansiedlung des Bibers, sagt der Verhaltensbiologe
von der Universität Osnabrück, der die Folgen der Renaturierung
wissenschaftlich begleitet.
Inzwischen lebten an Hase und
Emsmündung wieder rund 80 Biber. Eisvögel und die Sumpfmaus
kehrten zurück. Ermutigt von dem Erfolg haben die Biologen
auch mit der Wiederansiedlung des vom Aussterben bedrohten Europäischen
Nerzes begonnen - nicht zu verwechseln mit dem aus Amerika stammenden
Mink, dem so genannten Farmnerz für Pelzmäntel.
«In den 70er Jahren ist
die Hase an vielen Stellen, vor allem dem Ober- und Mittellauf
kanalisiert worden», berichtet Pott. In den 80er Jahren
wurde die Begradigung gestoppt, doch ein großer Teil war
bereits kanalisiert. Anfang der 90er Jahre begann im Emsland mit
einer Voruntersuchung das spätere «Erprobungs- und
Entwicklungsvorhaben Hasetal», gefördert vom Bundesamt
für Naturschutz. «Wir haben 80 Landwirte, Wasserwirtschaft,
Naturschutz und Tourismus der Region an einen Tisch geholt»,
berichtet Pott.
Insgesamt ist die Hase 165 Kilometer
lang und hat ein Einzugsgebiet von 3000 Quadratkilometern. Sie
entspringt bei Melle im Wiehengebirge nahe Osnabrück und
mündet bei Meppen in die Ems. Zumindest auf dem Teilstück
ab Haselünne ist der Fluss nun wieder in naturnahem Zustand.
Das Ziel ist für Emsland-Sprecher Dieter Sturm jedoch klar:
Die Renaturierung von der Quelle bis zur Mündung.
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