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- 31.08.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Deiche weg und Kurven rein:

Fluss erfolgreich renaturiert

Deiche werden abtragen und das Wasser soll fließen, wo es will. Was vor dem Hintergrund des Jahrhunderthoch- wassers nach Katastrophe klingt, ist die Kurzformel für die erfolgreiche Renaturierung des Flusses Hase im Emsland - und gleichzeitig Hochwasserschutz.

Von Jutta Steinhoff, dpa

Meppen/Osnabrück (dpa) - Jahre hat es gedauert, bis der zuvor begradigte Fluss auf einem Abschnitt von rund 15 Kilometern vor der Mündung in die Ems wieder in sein früheres Bett zurückgekehrt ist. Seit die Altarme wieder kurvenreich durchflossen werden, muss dem Landkreis Emsland zufolge bei Hochwasser kein Landwirt mehr um seine Ernte fürchten. Auch der Biber fühle sich wieder wohl im größten Nebenfluss der Ems.

Die Renaturierung der Hase begann 1995 und wurde 2001 abgeschlossen. «Verzögert wurden die Arbeiten vom extremen Hochwasser 1998, als statt sonst 30 Kubikmeter Wasser pro Stunde mit rund 190 Kubikmetern mehr als das Sechsfache durch die Hase floss - und über die Ufer trat», berichtet Sturm. «Da hatten wir zur Katastrophenhilfe THW und Bundeswehr hier», erinnert sich der Leiter des Kreisamtes für Naturschutz in Meppen, Ludger Pott.

Mittlerweile sind solche Hochwasserprobleme unwahrscheinlich geworden: Die Auen bieten als natürliches Überlaufbecken Platz und die Fließgeschwindigkeit der Hase ist wegen der Windungen gebremst. «Wir haben 17 Kilometer Deiche abgetragen», berichtet Pott. Neu aufgeschüttete Wälle schützen nun die Dörfer im Hasetal - falls das Wasser doch mal wieder extrem steigt. Für das Flussufer gilt «Finger weg» - die Natur und nicht der Mensch herrscht. «Wenn irgendwo das Ufer abrutscht, wird es nicht wieder aufgebaut - der Fluss sucht sich schon seinen Weg», erläutert Pott das System echter Renaturierung.

Insgesamt zehn Millionen Euro Fördergeld kamen für die Renaturierung zusammen. Neben dem Bundesamt für Naturschutz beteiligten sich die Europäische Union, das Land Niedersachsen und der Kreis Emsland. Der Großteil wurde in den Kauf landwirtschaftlicher Flächen - das alte und neue Auenland - investiert.
 


© dpa

Der größte Nebenfluss der Ems, die 165 km lange Hase im Emsland, hier bei Haselünne. Nach dem der Fluss in den 70er Jahren begradigt wurde, ist er nun auf dem letzten Abschnitt, 15 Kilometer vor der Mündung in die Ems, wieder in sein früheres Flussbett zurückgekehrt.


Biber und Eisvögel sind zurück

Bei Flora und Fauna haben die Auenlandschaft und die Rückkehr des Hase-Wassers in das frühere Flussbett bereits Wirkung gezeigt. «Wir beobachten eine überraschend schnelle Wiederansiedlung der Pflanzen», berichtet Prof. Rüdiger Schröpfer. Geglückt sei auch die Wiederansiedlung des Bibers, sagt der Verhaltensbiologe von der Universität Osnabrück, der die Folgen der Renaturierung wissenschaftlich begleitet.

Inzwischen lebten an Hase und Emsmündung wieder rund 80 Biber. Eisvögel und die Sumpfmaus kehrten zurück. Ermutigt von dem Erfolg haben die Biologen auch mit der Wiederansiedlung des vom Aussterben bedrohten Europäischen Nerzes begonnen - nicht zu verwechseln mit dem aus Amerika stammenden Mink, dem so genannten Farmnerz für Pelzmäntel.

«In den 70er Jahren ist die Hase an vielen Stellen, vor allem dem Ober- und Mittellauf kanalisiert worden», berichtet Pott. In den 80er Jahren wurde die Begradigung gestoppt, doch ein großer Teil war bereits kanalisiert. Anfang der 90er Jahre begann im Emsland mit einer Voruntersuchung das spätere «Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben Hasetal», gefördert vom Bundesamt für Naturschutz. «Wir haben 80 Landwirte, Wasserwirtschaft, Naturschutz und Tourismus der Region an einen Tisch geholt», berichtet Pott.

Insgesamt ist die Hase 165 Kilometer lang und hat ein Einzugsgebiet von 3000 Quadratkilometern. Sie entspringt bei Melle im Wiehengebirge nahe Osnabrück und mündet bei Meppen in die Ems. Zumindest auf dem Teilstück ab Haselünne ist der Fluss nun wieder in naturnahem Zustand. Das Ziel ist für Emsland-Sprecher Dieter Sturm jedoch klar: Die Renaturierung von der Quelle bis zur Mündung.

 

 Mehr Informationen:

Universität Osnabrück: Wiederherstellung der natürlichen Flussdynamik in der Haseaue

 

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