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- 16.08.2002 -

 

 

 

 

 


 

Vögel: Kinderfreundliche Nistgegend bevorzugt

Bevor Vögel sich für einen Nistplatz entscheiden, sammeln sie Informationen. So werfen die Tiere einen Blick in die Nester anderer Brutpaare und schätzen anhand deren Fortpflanzungserfolg die Qualität der jeweiligen "Wohngegend" ein.

(jkm) - Die französische Biologin Blandine Doligez und ihre Kollegen von der Université Pierre et Marie Curie in Paris führten ihre Experimente auf der schwedischen Insel Gotland durch, wo mit bunten Bändern individuell markierte Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis) brüten. Die Forscherin hatte bemerkt, dass die Vögel gelegentlich einen Blick in die Nester anderer Paare riskierten. Anscheinend wollten sie sich über deren Nachwuchs informieren, berichtet sie im Magazin "Science".

Um diese Hypothese zu überprüfen, manipulierten Doligez und ihr Team die Information. Dazu entnahmen sie in einigen Gegenden wenige Tage alte Küken aus den Nestern und stockten damit die Brutgrößen in anderen Gegenden auf. Dies veränderte aber nicht nur die Zahl der Küken pro Nest.

Paare mit einer künstlich vergrößerten Nachkommenschar hatten nun weniger Futter für jedes Küken über, so dass die Jungtiere von relativ kümmerlicher Statur waren. Umso besser entwickelten sich die Küken in den "ausgeraubten" Nestern.

Die Forscher beobachteten, dass sich im Folgejahr deutlich mehr Neuankömmlinge in den Gegenden mit den künstlich aufgestockten Nestern niederließen. Anscheinend hatten die Tiere nur einen flüchtigen Blick in die Nester werfen können und sich von der schieren Zahl der Küken beeindrucken lassen.

Dagegen erlebten sowohl die aufgestockten als auch die ausgeraubten Gegenden im dritten Jahr eine Auswanderungswelle. Die ansässigen Tiere hatten außer der Zahl der Küken anscheinend auch deren körperlichen Zustand registriert.

Zusätzlich spielte ihre "persönliche" Erfahrung eine wichtige Rolle: Wer beraubt worden war, zog im nächsten Jahr häufig in eine aufgestockte Gegend um.

Doligez und ihre Kollegen sehen in diesen Resultaten eine Bestätigung für die so genannte "Public Information"-Hypothese. Demnach lassen sich Tiere beispielsweise bei der Wahl eines Nistplatzes auch vom Wohlergehen und Erfolg bereits ansässiger Artgenossen leiten.

 Mehr Informationen:

Ficedula albicollis

 

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