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Vögel: Kinderfreundliche Nistgegend
bevorzugt
Bevor Vögel sich für
einen Nistplatz entscheiden, sammeln sie Informationen. So werfen
die Tiere einen Blick in die Nester anderer Brutpaare und schätzen
anhand deren Fortpflanzungserfolg die Qualität der jeweiligen
"Wohngegend" ein.
(jkm) - Die französische
Biologin Blandine Doligez und ihre Kollegen von der Université
Pierre et Marie Curie in Paris führten ihre Experimente auf
der schwedischen Insel Gotland durch, wo mit bunten Bändern
individuell markierte Halsbandschnäpper (Ficedula albicollis)
brüten. Die Forscherin hatte bemerkt, dass die Vögel
gelegentlich einen Blick in die Nester anderer Paare riskierten.
Anscheinend wollten sie sich über deren Nachwuchs informieren,
berichtet sie im Magazin "Science".
Um diese Hypothese zu überprüfen,
manipulierten Doligez und ihr Team die Information. Dazu entnahmen
sie in einigen Gegenden wenige Tage alte Küken aus den Nestern
und stockten damit die Brutgrößen in anderen Gegenden
auf. Dies veränderte aber nicht nur die Zahl der Küken
pro Nest.
Paare mit einer künstlich
vergrößerten Nachkommenschar hatten nun weniger Futter
für jedes Küken über, so dass die Jungtiere von
relativ kümmerlicher Statur waren. Umso besser entwickelten
sich die Küken in den "ausgeraubten" Nestern.
Die Forscher beobachteten, dass
sich im Folgejahr deutlich mehr Neuankömmlinge in den Gegenden
mit den künstlich aufgestockten Nestern niederließen.
Anscheinend hatten die Tiere nur einen flüchtigen Blick in
die Nester werfen können und sich von der schieren Zahl der
Küken beeindrucken lassen.
Dagegen erlebten sowohl die aufgestockten
als auch die ausgeraubten Gegenden im dritten Jahr eine Auswanderungswelle.
Die ansässigen Tiere hatten außer der Zahl der Küken
anscheinend auch deren körperlichen Zustand registriert.
Zusätzlich spielte ihre "persönliche"
Erfahrung eine wichtige Rolle: Wer beraubt worden war, zog im
nächsten Jahr häufig in eine aufgestockte Gegend um.
Doligez und ihre Kollegen sehen
in diesen Resultaten eine Bestätigung für die so genannte
"Public Information"-Hypothese. Demnach lassen sich
Tiere beispielsweise bei der Wahl eines Nistplatzes auch vom Wohlergehen
und Erfolg bereits ansässiger Artgenossen leiten.
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