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- 15.08.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Studie: Verkehrsnetze zerschneiden Lebensräume

Freie unzerschnittene Landschaften werden in Deutschland immer seltener. Im Gegenzug wird das Netz aus Verkehrswegen und Siedlungen immer enger. Wildtiere leiden darunter, weil unzerschnittene Flächen von zentraler Bedeutung für ihr Leben sind.

(jkm) - Wie sehr die Verkehrsnetze Landschaften verändern, wurde jetzt erstmals am Beispiel Baden-Württembergs im Detail untersucht. Die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg, das Institut für Landschaftsplanung und Ökologie der Universität Stuttgart und der Landesanstalt für Umweltschutz legten eine gemeinsame Studie zur Problematik vor.

Demnach ist die "effektive Maschenweite" als Maß für die unzerschnittenen Flächen in den vergangenen 70 Jahren um 40 Prozent zurückgegangen. Statt 22,92 Quadratkilometer im Jahr 1930 liegt sie heute nur noch bei 13,66 Quadratkilometer.

Die "effektive Maschenweite" gibt an, wie groß die verbliebenen "Maschen" im Netz der Verkehrswege und Siedlungsflächen noch sind. "Je mehr Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete die Landschaft zerschneiden, umso kleiner wird der Wert", erklärt Ortwin Renn, Leitender Direktor der Akademie für Technikfolgenabschätzung. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Landschaftszerschneidung in Baden-Württemberg seit 1930 stark zugenommen hat und weiter zunimmt."

Renn fordert deshalb den Erhalt der letzten unzerschnittenen Räume im Land. "Täglich werden in Deutschland 129 Hektar freie Landschaft in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt, das entspricht einer Fläche von 175 Fußballfeldern. In den Jahren 1993 und 1997 waren es noch 120 Hektar täglich. Eine Änderung dieses negativen Trends erfordert Änderungen in der Verkehrs- und Siedlungspolitik."

Für viele Tierarten wirken die Verkehrswege als Barrieren. Sie verhindern die Ausbreitung der Jungtiere, wenn diese sich ein eigenes Revier oder einen Partner zur Fortpflanzung suchen. "Wenn eine Population in einem Habitat erst einmal erloschen ist, kann die Fläche nicht mehr wiederbesiedelt werden, wenn die Tiere aus den Nachbarpopulationen die Barrieren nicht überqueren können", warnt Renn.

Auch die steigende Verkehrsdichte auf den Straßen habe für viele Tierarten eine zusätzliche Lebensraumeinbuße zur Folge. "Die Störungsbänder entlang der Verkehrsstrecken werden immer breiter und damit schwerer zu überqueren", erklärt Heide Esswein, Mitarbeiterin im Projekt.

Ausgestorben oder akut gefährdet sind in Baden-Württemberg heute unter anderem 75 Prozent der Amphibienarten, 47 Prozent der freilebenden Säugetiere, 38 Prozent der Vogelarten und 38 Prozent der Schmetterlinge. Die Landschaftszerschneidung und die Verinselung der verbliebenen Habitate gelten als eine wesentliche Ursache dieses Artenverlustes.

 

 Mehr Informationen:

Akademie für Technikfolgen- abschätzung in Baden- Württemberg

Bericht als Download (PDF)

NABU: Flächenfraß stoppen

Zukunftsforum Migration

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