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Studie: Verkehrsnetze zerschneiden Lebensräume
Freie unzerschnittene Landschaften
werden in Deutschland immer seltener. Im Gegenzug wird das Netz
aus Verkehrswegen und Siedlungen immer enger. Wildtiere leiden
darunter, weil unzerschnittene Flächen von zentraler Bedeutung
für ihr Leben sind.
(jkm) - Wie sehr die Verkehrsnetze
Landschaften verändern, wurde jetzt erstmals am Beispiel
Baden-Württembergs im Detail untersucht. Die Akademie für
Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg, das Institut
für Landschaftsplanung und Ökologie der Universität
Stuttgart und der Landesanstalt für Umweltschutz legten eine
gemeinsame Studie zur Problematik vor.
Demnach ist die "effektive
Maschenweite" als Maß für die unzerschnittenen
Flächen in den vergangenen 70 Jahren um 40 Prozent zurückgegangen.
Statt 22,92 Quadratkilometer im Jahr 1930 liegt sie heute nur
noch bei 13,66 Quadratkilometer.
Die "effektive Maschenweite"
gibt an, wie groß die verbliebenen "Maschen" im
Netz der Verkehrswege und Siedlungsflächen noch sind. "Je
mehr Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete die Landschaft zerschneiden,
umso kleiner wird der Wert", erklärt Ortwin Renn, Leitender
Direktor der Akademie für Technikfolgenabschätzung.
"Die Ergebnisse zeigen, dass die Landschaftszerschneidung
in Baden-Württemberg seit 1930 stark zugenommen hat und weiter
zunimmt."
Renn fordert deshalb den Erhalt
der letzten unzerschnittenen Räume im Land. "Täglich
werden in Deutschland 129 Hektar freie Landschaft in Siedlungs-
und Verkehrsfläche umgewandelt, das entspricht einer Fläche
von 175 Fußballfeldern. In den Jahren 1993 und 1997 waren
es noch 120 Hektar täglich. Eine Änderung dieses negativen
Trends erfordert Änderungen in der Verkehrs- und Siedlungspolitik."
Für viele Tierarten wirken
die Verkehrswege als Barrieren. Sie verhindern die Ausbreitung
der Jungtiere, wenn diese sich ein eigenes Revier oder einen Partner
zur Fortpflanzung suchen. "Wenn eine Population in einem
Habitat erst einmal erloschen ist, kann die Fläche nicht
mehr wiederbesiedelt werden, wenn die Tiere aus den Nachbarpopulationen
die Barrieren nicht überqueren können", warnt Renn.
Auch die steigende Verkehrsdichte
auf den Straßen habe für viele Tierarten eine zusätzliche
Lebensraumeinbuße zur Folge. "Die Störungsbänder
entlang der Verkehrsstrecken werden immer breiter und damit schwerer
zu überqueren", erklärt Heide Esswein, Mitarbeiterin
im Projekt.
Ausgestorben oder akut gefährdet
sind in Baden-Württemberg heute unter anderem 75 Prozent
der Amphibienarten, 47 Prozent der freilebenden Säugetiere,
38 Prozent der Vogelarten und 38 Prozent der Schmetterlinge. Die
Landschaftszerschneidung und die Verinselung der verbliebenen
Habitate gelten als eine wesentliche Ursache dieses Artenverlustes.
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