|
Mexiko: Ein Wort des Papstes soll Meeresschildkröten
retten
Mexikos Umweltschützer
haben den Papst um Beistand gebeten. Sein Wort soll den Katholiken
des Landes klar machen, dass Meeresschildkröten keine Fische
sind - und die geschützten Tiere daher auch nicht als Fastenspeise
erlaubt sind.
Von Klaus Blume, dpa
Mexiko-Stadt (dpa) - Mexikos
Katholiken nehmen es mit der Biologie manchmal nicht so genau.
Zur Fastenzeit, wenn die religiösen Regeln den Fleischverzehr
verbieten, essen sie gerne Schildkröten - in dem Glauben,
dass es sich dabei um Fisch handele. Mexikos Umweltschützer
haben daher jetzt Papst Johannes Paul II. persönlich um Aufklärung
gebeten. Dieser soll öffentlich klarstellen, dass Schildkröten
Reptilien aus Fleisch sind. Auf diese Weise wollen sie die mexikanischen
Meeresschildkröten, deren Bestände von Wilderern dezimiert
werden, vor dem Aussterben retten.
«Wenn der Papst den Schildkrötenkonsum
verböte, könnten tausende Schildkröten gerettet
werden, denn sie werden vor allem zu religiösen Festen verspeist»,
sagt der Schriftsteller Homero Aridjis. Er ist Vorsitzender der
mexikanischen Umweltorganisation Grupo de los Cien (Gruppe der
100) und hat zusammen mit Ökologen und Fischern von der mexikanischen
Halbinsel Baja California (Niederkalifornien) und aus dem US-Staat
Kalifornien eine Kampagne zur Rettung der Reptilien gestartet.
Denn auch wenn die Jagd auf Schildkröten, das Sammeln ihrer
Eier und der Handel mit Fleisch, Häuten und Schildpatt seit
1990 in Mexiko verboten sind, werden Jahr für Jahr schätzungsweise
35.000 Exemplare illegal geschlachtet.
Der kalifornischen Tierschutzorganisation
Wildcoast zufolge verbringen fünf der bekannten sieben Meeresschildkrötenarten
einen großen Teil ihres Lebens in mexikanischen Gewässern.
Die größte von ihnen ist die bis zu 1,65 Meter lange
und 400 Kilogramm schwere Lederschildkröte (Dermochelys coriacea).
Deren Bestände schrumpften Wildcoast zufolge in den vergangenen
zehn Jahren um 90 Prozent, während die Zahl der Unechten
Karettschildkröten (Caretta caretta) um die Hälfte fiel.

©
dpa
Umweltschützer
aus Mexiko und den USA kämpfen um die Rettung der
mexikanischen Meeresschildkröten, die trotz Schutzgesetzen
weiter illegal gejagt werden. Hier die Tierschützerin
Louise Brooks, die ein Exemplar der Schwarzen Schildkröte
frei lässt.
|
Örtliche Fischer für den Tierschutz gewinnen
Die mexikanische Regierung hat
nach Ansicht der Umweltschützer in der vergangenen Dekade
zwar gute Arbeit zum Schutz der Schildkröteneier an den Pazifikstränden
geleistet. Sie tue aber zu wenig gegen die illegale Jagd auf die
ausgewachsenen Tiere, findet Aridjis.
In Punta Abreojos, rund 800 Kilometer
südlich von Los Angeles an der Pazifikküste der Halbinsel
Niederkalifornien, ist es der Grupo Tortuguero de las Californias
(Schildkrötengruppe der beiden Kalifornien) gelungen, die
örtlichen Fischer für den Tierschutz zu gewinnen. Seit
diese ihre Strände bewachen, haben sich dort die Bestände
deutlich erholt.
«Die Meeresschildkröten
sind lebend mehr wert als tot», sagt Aridjis und spielt
damit auf die Chancen des Ökotourismus an. Es sei ein unvergesslicher
Anblick, wenn tausende der gepanzerten Kriechtiere gleichzeitig
dem Meer entkrabbelten und den Strand emporklömmen. Der Staat
müsse die Schutzgesetze auch durchsetzen und ertappte Wilderer
tatsächlich bestrafen, fordert Aridijis.
Die aktuelle Kampagne zielt aber,
wie die Wildcoast-Aktivistin Fay Crevoshay erläutert, in
erster Linie darauf ab, die Nachfrage nach Schildkrötenfleisch
zu bekämpfen. Dieses wird in Mexiko auch außerhalb
der Fastenzeit gerne zu religiösen Festen gegessen.
Doch auf die päpstlichen
Biologiestunden warten die Tierschützer bisher vergebens.
«Die Kirche könnte uns wirklich sehr helfen, aber sie
hat uns noch nicht einmal geantwortet», klagt Aridjis.
|