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- 23.04.2003 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Mexiko: Ein Wort des Papstes soll Meeresschildkröten retten

Mexikos Umweltschützer haben den Papst um Beistand gebeten. Sein Wort soll den Katholiken des Landes klar machen, dass Meeresschildkröten keine Fische sind - und die geschützten Tiere daher auch nicht als Fastenspeise erlaubt sind.

Von Klaus Blume, dpa

Mexiko-Stadt (dpa) - Mexikos Katholiken nehmen es mit der Biologie manchmal nicht so genau. Zur Fastenzeit, wenn die religiösen Regeln den Fleischverzehr verbieten, essen sie gerne Schildkröten - in dem Glauben, dass es sich dabei um Fisch handele. Mexikos Umweltschützer haben daher jetzt Papst Johannes Paul II. persönlich um Aufklärung gebeten. Dieser soll öffentlich klarstellen, dass Schildkröten Reptilien aus Fleisch sind. Auf diese Weise wollen sie die mexikanischen Meeresschildkröten, deren Bestände von Wilderern dezimiert werden, vor dem Aussterben retten.

«Wenn der Papst den Schildkrötenkonsum verböte, könnten tausende Schildkröten gerettet werden, denn sie werden vor allem zu religiösen Festen verspeist», sagt der Schriftsteller Homero Aridjis. Er ist Vorsitzender der mexikanischen Umweltorganisation Grupo de los Cien (Gruppe der 100) und hat zusammen mit Ökologen und Fischern von der mexikanischen Halbinsel Baja California (Niederkalifornien) und aus dem US-Staat Kalifornien eine Kampagne zur Rettung der Reptilien gestartet. Denn auch wenn die Jagd auf Schildkröten, das Sammeln ihrer Eier und der Handel mit Fleisch, Häuten und Schildpatt seit 1990 in Mexiko verboten sind, werden Jahr für Jahr schätzungsweise 35.000 Exemplare illegal geschlachtet.

Der kalifornischen Tierschutzorganisation Wildcoast zufolge verbringen fünf der bekannten sieben Meeresschildkrötenarten einen großen Teil ihres Lebens in mexikanischen Gewässern. Die größte von ihnen ist die bis zu 1,65 Meter lange und 400 Kilogramm schwere Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). Deren Bestände schrumpften Wildcoast zufolge in den vergangenen zehn Jahren um 90 Prozent, während die Zahl der Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) um die Hälfte fiel.
 


© dpa

Umweltschützer aus Mexiko und den USA kämpfen um die Rettung der mexikanischen Meeresschildkröten, die trotz Schutzgesetzen weiter illegal gejagt werden. Hier die Tierschützerin Louise Brooks, die ein Exemplar der Schwarzen Schildkröte frei lässt.


Örtliche Fischer für den Tierschutz gewinnen

Die mexikanische Regierung hat nach Ansicht der Umweltschützer in der vergangenen Dekade zwar gute Arbeit zum Schutz der Schildkröteneier an den Pazifikstränden geleistet. Sie tue aber zu wenig gegen die illegale Jagd auf die ausgewachsenen Tiere, findet Aridjis.

In Punta Abreojos, rund 800 Kilometer südlich von Los Angeles an der Pazifikküste der Halbinsel Niederkalifornien, ist es der Grupo Tortuguero de las Californias (Schildkrötengruppe der beiden Kalifornien) gelungen, die örtlichen Fischer für den Tierschutz zu gewinnen. Seit diese ihre Strände bewachen, haben sich dort die Bestände deutlich erholt.

«Die Meeresschildkröten sind lebend mehr wert als tot», sagt Aridjis und spielt damit auf die Chancen des Ökotourismus an. Es sei ein unvergesslicher Anblick, wenn tausende der gepanzerten Kriechtiere gleichzeitig dem Meer entkrabbelten und den Strand emporklömmen. Der Staat müsse die Schutzgesetze auch durchsetzen und ertappte Wilderer tatsächlich bestrafen, fordert Aridijis.

Die aktuelle Kampagne zielt aber, wie die Wildcoast-Aktivistin Fay Crevoshay erläutert, in erster Linie darauf ab, die Nachfrage nach Schildkrötenfleisch zu bekämpfen. Dieses wird in Mexiko auch außerhalb der Fastenzeit gerne zu religiösen Festen gegessen.

Doch auf die päpstlichen Biologiestunden warten die Tierschützer bisher vergebens. «Die Kirche könnte uns wirklich sehr helfen, aber sie hat uns noch nicht einmal geantwortet», klagt Aridjis.

 

 Mehr Informationen:

Wildcoast

Meeresschildkröten- Links

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