|
USA: Hungrige Wühlmäuse helfen
Ranchern
US-Ökologen haben unfreiwillige
Verbündete im Kampf gegen einen widerspenstigen Strauch gefunden.
Treibt man das Vieh erst spät im Jahr auf die Weide, können
sich Nager in der Zwischenzeit derart vermehren, dass sie mangels
Gras schließlich das Gehölz fressen.
(jkm) - Viehwirtschaft und Feuerbekämpfung
haben weite Grasflächen im Westen der USA derart verändert,
dass sich Sträucher und Büsche dort immer weiter ausbreiten.
Rancher fürchten besonders Chrysothamnus nauseosus, einen
bis zu zwei Meter hohen Strauch mit goldgelben Blütenständen.
Der Korbblütler produziert
ein stechend riechendes Harz und dient Kaninchen und anderen Tieren
als Unterschlupf, was ihm den Namen "Stinkendes Kaninchengestrüpp"
eingehandelt hat. Er ist resistent gegenüber einer ganzen
Reihe von Pestiziden und auch mit mechanischen Mitteln kaum zu
bekämpfen.
Dennis und Jean Bramble, Biologen
an der University of Utah in Salt Lake City, begannen daher mit
Experimenten auf ihrem eigenen Weideland. Beispielsweise ließen
sie das Vieh erst im Herbst auf die Weide und nicht wie sonst
üblich bereits im Frühling. Der Effekt war beeindruckend,
berichten die Forscher auf dem Jahrestreffen der "Ecological
Society of America" in Tucson, Arizona.
Nicht mehr länger durch grasende
Kühe klein gehalten, gedieh das Weidegras prächtig -
und mit ihm ganz besonders Gebirgswühlmäuse (Microtus
montanus) und Kaninchen. Kam im Herbst das Vieh auf die Weide
und fraß die grüne Pracht weg, sahen Nager und Langohren
sich mit einer plötzlichen Nahrungsknappheit konfrontiert
und hielten sich wohl oder übel an Rinde und Wurzeln der
Sträucher schadlos. Binnen weniger Jahre sank die Bestandesdichte
von Chrysothamnus von 3.000 auf etwa 200 Pflanzen pro Hektar.
"Archäologische Daten
lassen vermuten, dass es in den letzten Jahrtausenden keine großen
Weidetiere in dieser Region Utahs gegeben hat", so die Biologen.
"Wir vermuten, dass kleine pflanzenfressende Säuger
die Sträucher in der Vergangenheit vom Grasland ferngehalten
haben. Die gegenwärtige Art der Landnutzung scheint jedoch
zu verhindern, dass dieser natürliche Eindämmungsmechanismus
greift."
|