|
USA: Raben profitieren von Hirschjagd
Wenn im Herbst zur Hirschjagd
geblasen wird, finden die Raben in einem nordamerikanischen Wildreservat
einen reich gedeckten Tisch vor. Die aasfressende "Gesundheitspolizei"
kann sich dadurch aber so stark vermehren, dass sie selbst zur
ernsthaften Gefahr wird.
(jkm) - Im National Elk Refuge
bei Jackson Hole, Wyoming, dürfen von Oktober bis Dezember
Wapitis (Cervus elaphus nelsoni) geschossen werden. Doch in den
letzten Jahren ist nicht nur die Zahl der Jäger stetig gestiegen,
auch die Raben-Population hat um schätzungsweise 600 Prozent
zugenommen. Der amerikanische Biologe Crow White von der University
of Montana in Missoula vermutete hier einen Zusammenhang.
Gerade im Herbst fänden die
Vögel normalerweise nur wenig Nahrung, so dass viele Jungtiere
eingingen, sagt der Forscher. Die nach dem Ausweiden der Hirsche
zurückgebliebenen Eingeweide bildeten aber eine willkommene
Ressource für die Raben. Dies konnte White mit Zählungen
von Eingeweidehaufen und Raben belegen.
In Gebieten ohne Eingeweidehaufen
hielten sich im Schnitt zwei Raben pro Quadratkilometer, berichtete
der Biologe auf der Versammlung der Animal Behavior Society in
Bloomington, Indiana. Schon ein ausgeweideter Hirsch reichte aus,
um die Zahl der Raben auf 14 pro Quadratkilometer anschnellen
zu lassen, zwei Eingeweidehaufen lockten gar 84 Vögel an.
Während der herbstlichen
Jagd gibt es um Jackson Hole durchschnittlich 3,5 Eingeweidehaufen
pro Quadratkilometer, ermittelte White. Dies sei die einzige Erklärung
für die Vermehrung der Vögel, denn in einem benachbarten
Tal, in dem keine Jagd auf Hirsche stattfinde, sei ihre Zahl konstant
geblieben.
"Die hohe Populationsdichte
der Raben stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Biodiversität
in Jackson Hole dar", so White. Schließlich seien die
Vögel Allesfresser und machten sich beispielsweise über
die Brut anderer Vögel her.
Eine einfache Lösung könnte
sein, die Eingeweidehaufen mit Zweigen oder Erde zu bedecken oder
die Gedärme über eine größere Fläche
zu verteilen. Der Biologe will seine Theorie im nächsten
Herbst überprüfen.
|