vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   N a t u r   &   T i e r e

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 17.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Kaulquappen: Andere Körperform bei Gefahr

Erstaunliches geht auf Mallorca vor sich: Die Kaulquappen einer im Norden der Insel lebenden Kröte reagieren auf räuberische Schlangen, indem sie von eher pummeligen zu stromlinienförmigen Körperformen übergehen.

(jkm) - Sobald die Schlange aber einige Zeit nicht auftaucht, wird wieder der unsportliche Typ bevorzugt, berichten englische Biologen auf einem Fachkongress in Canterbury.

Kaulquappen sind wahre Anpassungskünstler, die Wachstum und Entwicklung nach den jeweiligen Bedingungen ausrichten. Beispielsweise beschleunigen sie ihre Entwicklung zum erwachsenen Lurch, wenn ihr Tümpel auszutrocknen droht.

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel für diese "phänotypische Plastizität" fanden Robin Moore und Richard Griffiths von der University of Kent nun bei der Mallorca-Geburtshelferkröte (Alyetes muletensis).

Bis vor etwa 2.000 Jahren waren die Lurche, deren die Männchen den Laich bis zum Schlüpfen der Kaulquappen mit sich herumtragen, auf der Insel weit verbreitet. Dann verschwanden sie jedoch plötzlich - vermutlich, weil die Römer die bei fruchtbarkeitsfördernden Bädern eingesetzte Vipernnatter (Natrix maura) auf die Insel gebracht hatten. Erst im Jahr 1980 wurde entdeckt, dass einige Krötenpopulationen in Kalksteinschluchten im Norden der Insel überlebt hatten.

Der Schlüssel dazu war wiederum die Anpassungsfähigkeit der Geburtshelferkröte, berichten die Forscher auf dem Jahrestreffen der Society for Conservation Biology. Ihnen war aufgefallen, dass die Kaulquappen in häufig von Vipernnattern heimgesuchten Tümpeln schmalere Flossen und eine stärkere Schwanzmuskulatur aufwiesen.

Der Grund dafür war aber nicht etwa, dass die weniger wendigen Kaulquappen von den Schlangen weggefressen worden waren. Schon die von den Räubern abgegebenen Duftstoffe reichten aus, um aus einer eher pummeligen Kaulquappen-Population binnen 30 Tagen eine Riege fähiger Schwimmer zu machen. Wurden die Schlangen von den Tümpeln ferngehalten, schalteten die Krötenlarven wieder auf die alte Körperform um.

Bereits früher hatten Moore und Griffiths festgestellt, dass die chemischen Signale der Vipernnattern bei den Kaulquappen eine Verhaltensänderung auslösen. In Abwesenheit der Schlangen sind die Krötenlarven recht aktiv und schwimmen unbekümmert umher.

Wittern sie dagegen ihre Räuber, schwimmen sie nur langsam und halten sich meist in Verstecken auf. Wenn die Kaulquappen dennoch ins Visier der Schlange geraten, könnte der schlanke und muskulöse Körperbau die Fluchtchancen deutlich steigern, glauben die Forscher.

Interessanterweise reagierten die Kaulquappen ausschließlich auf mallorquinische Vipernnattern und nicht etwa auf solche, die vom spanischen Festland stammten. Bei den Veränderungen in Körperbau und Verhalten scheint es sich also um keine allgemeine Schutzreaktion zu handeln, sondern um einen speziell entwickelten Mechanismus.

 Mehr Informationen:

Mallorcan Midwife Toad

Vipernnatter

 

 Lesen Sie auch:

Frosch-Rätsel gelöst: Pestizide und Parasiten schuld an Missbildungen

Amphibien: Chinas musikalische Frösche

Stadtfrösche: Besser mehr kleinere Eier

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2002
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung