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Kaulquappen: Andere Körperform bei
Gefahr
Erstaunliches geht auf Mallorca
vor sich: Die Kaulquappen einer im Norden der Insel lebenden Kröte
reagieren auf räuberische Schlangen, indem sie von eher pummeligen
zu stromlinienförmigen Körperformen übergehen.
(jkm) - Sobald die Schlange aber
einige Zeit nicht auftaucht, wird wieder der unsportliche Typ
bevorzugt, berichten englische Biologen auf einem Fachkongress
in Canterbury.
Kaulquappen sind wahre Anpassungskünstler,
die Wachstum und Entwicklung nach den jeweiligen Bedingungen ausrichten.
Beispielsweise beschleunigen sie ihre Entwicklung zum erwachsenen
Lurch, wenn ihr Tümpel auszutrocknen droht.
Ein weiteres beeindruckendes Beispiel
für diese "phänotypische Plastizität"
fanden Robin Moore und Richard Griffiths von der University of
Kent nun bei der Mallorca-Geburtshelferkröte (Alyetes muletensis).
Bis vor etwa 2.000 Jahren waren
die Lurche, deren die Männchen den Laich bis zum Schlüpfen
der Kaulquappen mit sich herumtragen, auf der Insel weit verbreitet.
Dann verschwanden sie jedoch plötzlich - vermutlich, weil
die Römer die bei fruchtbarkeitsfördernden Bädern
eingesetzte Vipernnatter (Natrix maura) auf die Insel gebracht
hatten. Erst im Jahr 1980 wurde entdeckt, dass einige Krötenpopulationen
in Kalksteinschluchten im Norden der Insel überlebt hatten.
Der Schlüssel dazu war wiederum
die Anpassungsfähigkeit der Geburtshelferkröte, berichten
die Forscher auf dem Jahrestreffen der Society for Conservation
Biology. Ihnen war aufgefallen, dass die Kaulquappen in häufig
von Vipernnattern heimgesuchten Tümpeln schmalere Flossen
und eine stärkere Schwanzmuskulatur aufwiesen.
Der Grund dafür war aber
nicht etwa, dass die weniger wendigen Kaulquappen von den Schlangen
weggefressen worden waren. Schon die von den Räubern abgegebenen
Duftstoffe reichten aus, um aus einer eher pummeligen Kaulquappen-Population
binnen 30 Tagen eine Riege fähiger Schwimmer zu machen. Wurden
die Schlangen von den Tümpeln ferngehalten, schalteten die
Krötenlarven wieder auf die alte Körperform um.
Bereits früher hatten Moore
und Griffiths festgestellt, dass die chemischen Signale der Vipernnattern
bei den Kaulquappen eine Verhaltensänderung auslösen.
In Abwesenheit der Schlangen sind die Krötenlarven recht
aktiv und schwimmen unbekümmert umher.
Wittern sie dagegen ihre Räuber,
schwimmen sie nur langsam und halten sich meist in Verstecken
auf. Wenn die Kaulquappen dennoch ins Visier der Schlange geraten,
könnte der schlanke und muskulöse Körperbau die
Fluchtchancen deutlich steigern, glauben die Forscher.
Interessanterweise reagierten
die Kaulquappen ausschließlich auf mallorquinische Vipernnattern
und nicht etwa auf solche, die vom spanischen Festland stammten.
Bei den Veränderungen in Körperbau und Verhalten scheint
es sich also um keine allgemeine Schutzreaktion zu handeln, sondern
um einen speziell entwickelten Mechanismus.
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