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Südafrika: Am Kap blasen Umweltschützer
zur Jagd auf seltene Bergziegen
Sie sind vom Aussterben bedroht,
stehen unter Naturschutz und sind die Lieblinge der Touristen.
Nun sollen ausgerechnet sie aus Umweltschutzgründen abgeschossen
werden.
Von Stefan Rychlak, dpa
Kapstadt/Johannesburg (dpa) -
Den aus dem Himalaya stammenden indischen Tahr-Bergziegen in Südafrikas
Touristenmetropole Kapstadt droht ein blutiges Ende. Die zotteligen
Tiere leben seit Jahrzehnten auf Kapstadts Wahrzeichen, dem Tafelberg,
und fressen für ihr Leben gern Fynbos oder «Feinbusch»
- genau das ist ihr Problem. Denn was die Tahr so genussvoll finden,
ist ein einzigartiger Pflanzenarten-Reichtum, der weltweit nur
auf der Kap-Halbinsel und der Nachbarregion am Indischen Ozean
vorkommt.
«Und weil die Ziegen diese
seltene Vegetation Stück für Stück auffressen,
können wir das Unvermeidliche nicht weiter aufschieben»,
sagt Howard Langley, Direktor des Nationalparks Kap-Halbinsel
in dem die Tiere leben. «Das Unvermeidliche» heißt
Abschuss der Tiere, deren Geschichte auf dem Tafelberg vor 72
Jahren begonnen hatte.
1930 waren ein paar Tahr-Ziegen
aus dem Groote Schuur Zoo nahe Kapstadt ausgebrochen und hatten
sich auf dem benachbarten Bergzug nieder gelassen. «Früher
war es eine kleine Touristenattraktion, dass Tiere aus dem Himalaya
bei uns wild lebten. Alle haben sie gemocht, und auch die Behörden
und die Parkdirektion hatten nichts gegen sie», erzählt
Cecily Blumberg von der Organisation «Freunde der Tahr».
Das änderte sich schnell,
als die Ziegen in den 60er begannen, immer mehr Nachwuchs in die
Kapstädter Bergwelt zu setzen. Anfang der 70er Jahre wurden
rund 500 Tiere erschossen, ohne das die Massenjagd Tierschützer
auf den Plan rief. «Damals wollte man sie eigentlich ganz
ausrotten», sagt Blumberg. Doch einige wenige Tahrs entkamen
den Jägern und sorgten erneut für mehrere hundert Nachfahren.
Bis zum Jahr 1998. Dann breiteten sich die Ziegen auch auf die
benachbarte Kap-Halbinsel aus, die Parkranger gingen erneut auf
die Jagd.
Diesmal standen die gerade gegründeten
Freunde der Tahr bereit und protestierten gegen den Massenabschuss.
Die Parkdirektion stoppte die Jagd und gab der Organisation Zeit,
andere Lösungen für das Problem der Fynbos-fressenden
Tiere zu finden. Die Tahr-Freunde überflogen per Helikopter
den Berg und schmiedeten Pläne, die Tiere zu betäuben,
und aufwendig in ihre indische Heimat zu bringen. Blumberg: «Indien
hatte sich schon bereit erklärt, die Tahr aufzunehmen, aber
das Projekt scheiterte an der Finanzierung.»
Parkdirektor Langley sagt: «Inzwischen
ist unsere Geduld zu Ende, die Freunde der Tahr hatten Zeit genug.»
Er ließ zur Jagd blasen. Vergangene Woche wurden die Ranger
wieder auf die Pirsch geschickt. «Die Ziegen sind enorm
schädlich fürs Ökosystem des Parks. Bisher hatte
die Fynbos-Vegetation keine Chance, sich wie geplant zu entwickeln»,
sagt Langley, meint aber: «Wir können die Jagd nicht
weiter verschieben, aber wenn uns jemand eine machbare Lösung
zeigt, wie wir die Tiere lebend vom Berg kriegen, werden wir's
versuchen.»
Ein Hoffnungsschimmer kam von
einem auf «Skalpell-Tourismus» spezialisierten Reisebüros,
das wohlhabende Übersee-Patientinnen zum preisgünstigen
Liften ans Kap bringt. Für jede zehnte Kundin will das Büro
nun einen namhaften Betrag für die Rettung der Tahr spenden.
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