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- 05.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Insekten: Wespen erkennen einander am Aussehen

Auch Insekten können das Gesicht verlieren. Sie werden von Artgenossen nicht mehr erkannt, wenn man sie mit zusätzlichen gelben oder schwarzen Streifen "maskiert", fand eine Biologin in Versuchen mit Feldwespen heraus.

(jkm) - Nicht nur bei Menschen und anderen Säugetieren, auch bei Reptilien oder Fischen ist das gegenseitige Erkennen einzelner Individuen die Basis für soziale Beziehungen. Zwar sind auch Insekten zur Ausbildung solcher Beziehungen fähig. Bislang ging man jedoch davon aus, dass sie kaum zwischen einzelnen Individuen unterscheiden können - und wenn, dann höchstens aufgrund chemischer Signale.

Elizabeth Tibbetts von der Cornell University, New York, untersuchte nun Feldwespen der Art Polistes fuscatus. Viele Kolonien dieser Art gehen nicht auf eine, sondern auf mehrere Königinnen zurück. Während des Nestbaus im Frühjahr fechten diese Gründerinnen zunächst eine Rangordnung untereinander aus, in die sich auch die später schlüpfenden Arbeiterinnen einfügen. Nach einigen Tagen kehrt wieder Ruhe im Nest ein und jedes Individuum verhält sich gemäß seines Status.

Tibbetts vermutete, dass diese stabile Hierarchie auf der Erkennung einzelner Tiere beruhen müsse, beispielsweise anhand des individuellen Punkt- und Streifenmusters im Gesicht und am Hinterleib der Tiere. Um ihre Hypothese zu testen, nahm die Forscherin einige Königinnen und Arbeiterinnen aus ihren Nestern und fügte mit gelber Farbe neue Streifen hinzu oder überdeckte bestehende Streifen mit schwarzer Farbe. Als Kontrolle dienten Tiere, bei denen sie schwarze Farbe auf ohnehin schon schwarze Körperstellen auftrug.

Nach der Rückkehr in ihr Nest wurden Tiere mit einer veränderten Zeichnung deutlich häufiger von ihren Artgenossinnen attackiert als Kontrolltiere. Im Verlauf von zwei Stunden ging das Anspringen, Beißen und Herumstoßen jedoch wieder auf das normale Maß zurück, vermutlich, weil die Kolleginnen der "geschminkten" Tiere sich das neue Muster eingeprägt hatten. Weitere Experimente bestätigten diese Annahme, berichtet die Biologin in den "Proceedings of the Royal Society".

Für Tibbets ist damit erwiesen, dass die Wespen ihre Nestgenossinnen - seien es nun Gründerinnen oder Arbeiterinnen - anhand der Zeichnung als Individuen erkennen. Vielleicht könnte man eine Arbeiterin wie ihre Königin schminken, schlägt George Gamboa von der Oakland University in Rochester, Michigan, vor. Würde die Arbeiterin daraufhin von ihren Nestgenossinnen wie eine Königen behandelt, wäre dies die überzeugendste Bestätigung für Tibbetts Theorie.

Die Forscherin ist jedoch nicht sicher, ob ihre künstlerischen Fähigkeiten für diese Aufgabe ausreichen. "Es ist eine Sache, eine Wespe so zu anzumalen, dass sie ungewöhnlich aussieht", so Tibbetts gegenüber der Online-Ausgabe des Magazins "Science". "Eine gänzlich andere ist es jedoch, eine Wespe so zu schminken, dass sie wie eine andere Wespe aussieht."

 Mehr Informationen:

Polistes fuscatus

Paper Wasps

Hymenoptera.de: Wespen

 

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