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Insekten: Wespen erkennen einander am
Aussehen
Auch Insekten können das
Gesicht verlieren. Sie werden von Artgenossen nicht mehr erkannt,
wenn man sie mit zusätzlichen gelben oder schwarzen Streifen
"maskiert", fand eine Biologin in Versuchen mit Feldwespen
heraus.
(jkm) - Nicht nur bei Menschen
und anderen Säugetieren, auch bei Reptilien oder Fischen
ist das gegenseitige Erkennen einzelner Individuen die Basis für
soziale Beziehungen. Zwar sind auch Insekten zur Ausbildung solcher
Beziehungen fähig. Bislang ging man jedoch davon aus, dass
sie kaum zwischen einzelnen Individuen unterscheiden können
- und wenn, dann höchstens aufgrund chemischer Signale.
Elizabeth Tibbetts von der Cornell
University, New York, untersuchte nun Feldwespen der Art Polistes
fuscatus. Viele Kolonien dieser Art gehen nicht auf eine, sondern
auf mehrere Königinnen zurück. Während des Nestbaus
im Frühjahr fechten diese Gründerinnen zunächst
eine Rangordnung untereinander aus, in die sich auch die später
schlüpfenden Arbeiterinnen einfügen. Nach einigen Tagen
kehrt wieder Ruhe im Nest ein und jedes Individuum verhält
sich gemäß seines Status.
Tibbetts vermutete, dass diese
stabile Hierarchie auf der Erkennung einzelner Tiere beruhen müsse,
beispielsweise anhand des individuellen Punkt- und Streifenmusters
im Gesicht und am Hinterleib der Tiere. Um ihre Hypothese zu testen,
nahm die Forscherin einige Königinnen und Arbeiterinnen aus
ihren Nestern und fügte mit gelber Farbe neue Streifen hinzu
oder überdeckte bestehende Streifen mit schwarzer Farbe.
Als Kontrolle dienten Tiere, bei denen sie schwarze Farbe auf
ohnehin schon schwarze Körperstellen auftrug.
Nach der Rückkehr in ihr
Nest wurden Tiere mit einer veränderten Zeichnung deutlich
häufiger von ihren Artgenossinnen attackiert als Kontrolltiere.
Im Verlauf von zwei Stunden ging das Anspringen, Beißen
und Herumstoßen jedoch wieder auf das normale Maß
zurück, vermutlich, weil die Kolleginnen der "geschminkten"
Tiere sich das neue Muster eingeprägt hatten. Weitere Experimente
bestätigten diese Annahme, berichtet die Biologin in den
"Proceedings of the Royal Society".
Für Tibbets ist damit erwiesen,
dass die Wespen ihre Nestgenossinnen - seien es nun Gründerinnen
oder Arbeiterinnen - anhand der Zeichnung als Individuen erkennen.
Vielleicht könnte man eine Arbeiterin wie ihre Königin
schminken, schlägt George Gamboa von der Oakland University
in Rochester, Michigan, vor. Würde die Arbeiterin daraufhin
von ihren Nestgenossinnen wie eine Königen behandelt, wäre
dies die überzeugendste Bestätigung für Tibbetts
Theorie.
Die Forscherin ist jedoch nicht
sicher, ob ihre künstlerischen Fähigkeiten für
diese Aufgabe ausreichen. "Es ist eine Sache, eine Wespe
so zu anzumalen, dass sie ungewöhnlich aussieht", so
Tibbetts gegenüber der Online-Ausgabe des Magazins "Science".
"Eine gänzlich andere ist es jedoch, eine Wespe so zu
schminken, dass sie wie eine andere Wespe aussieht."
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