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- 12.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Einmal Kanada und zurück:
Lachse wandern über den Fischpass Iffezheim

Der Fischpass Iffezheim ist der größte Europas und ermöglicht tausenden Fischen den Aufstieg über die Staustufe in ihre Geburtsgewässer und damit an ihre Laichplätze.

Von Sarah Renner, dpa

Karlsruhe (dpa) - 800 Meter lang, 60 Meter breit, vier Turbinen und eine Leistung von 108 000 Kilowatt, was etwa dem Verbrauch der Stadt Heidelberg entspricht: Das sind die technischen Daten der Staustufe Iffezheim. Aber auch diese Zahlen gehören dazu: 162 Lachse, über 700 Meerforellen, mehrere Tausend Barben.

So lautet die Bilanz von Ingo Nöthlich von der Bundesanstalt für Gewässerkunde, Abteilung Tierökologie. Er betreut die Untersuchungen am Fischpass Iffezheim südlich von Karlsruhe, dem bisher größten Europas. Die rund 300 Meter lange Betonröhre ermöglicht Fischen den Aufstieg über die Staustufe in ihre Geburtsgewässer und damit an ihre Laichplätze.

Rund elf Meter Höhendistanz gilt es an der Staustufe Iffezheim zu überwinden. Im Unterschied zu einer Fischtreppe müssen die Fische beim Pass nicht springen. Forellen, Barben, Lachse und Nasen, aber auch Egel oder Schnecken bewegen sich gegen den Strom und erreichen so über 37 Aufstiegsbecken das so genannte Oberwasser, also den Rhein oberhalb der Staustufe. Ohne diese Aufstiegsmöglichkeit wäre nicht nur ihre Fortpflanzung, sondern auch das Gleichgewicht im Ökosystem Rhein gefährdet.

Schon gut zwei Stunden nach Eröffnung des rund 7 Millionen Euro teuren Passes im Juli 2000 hatte der erste Fisch das Oberwasser erreicht. 23.000 sind ihm seit Beginn der Untersuchung gefolgt.

Ingo Nöthlich freut sich jedes Mal, wenn ein weißes Rechteck im Bild der Videokamera anzeigt, dass ein Fisch geortet wurde. Diesmal ist es eine kleine Barbe, die sich erst einmal an den Algen an der Glasscheibe, die die Forschungsstelle vom Fischpass trennt, zu schaffen macht. Aufsteigen macht offenbar hungrig.

Ein Bewegungsmelder startet automatisch die Videoaufnahme. So erhalten die Wissenschaftler von der Bundesanstalt für Gewässerkunde wertvolle Daten über Menge, Arten und Wanderverhalten. Regelmäßig fischen die Wissenschaftler Stichproben aus dem Wasser des Passes.

Diese Fische werden dann untersucht, gewogen und markiert, bevor sie wieder in den Rhein entlassen werden. Da kann es schon mal passieren, dass man auf alte Bekannte trifft. Ein in Rotterdam markierter Lachs am Rheinkraftwerk Iffezheim ist keine Seltenheit.

Vor allem um «Langdistanzwanderfische» wie Lachse und Meerforellen geht es den Wissenschaftlern. Es wäre für sie ein Jammer, wenn ein Lachs, der etwa in der Acher geboren wurde und innerhalb von drei Jahren bis an die nordamerikanische Ostküste oder Island gewandert ist, kurz vor dem Ziel durch die Staustufe an der Rückkehr in die Laichgewässer in Breusch, Acher oder Rench gehindert würde.

Aber nicht jeder der Fische wandert so weit. 32 Arten hat der Fischfilmer Nöthlich bisher gezählt. Darunter auch viele kleinere, regionale Fischarten. Unterhalb der Staustufe herrscht durch die Turbinen des Rheinkraftwerks eine starke, verwirbelte Strömung. Über einen Lockstrom werden die Fische zu den drei Eingängen des Passes geleitet.

Denn Fische, die zu ihrem Geburtsort wandern, haben nur eine Richtungsangabe: immer gegen den Strom. In jedem Becken verweilen die Fische ein bisschen, um wieder die Orientierung finden. Das wiederholt sich 37 Mal - dann ist das Oberwasser erreicht.

Übrigens könnte Iffezheim Schule machen: Demnächst soll in Gambsheim bei Straßburg der nächste Fischpass gebaut werden.


© dpa

Das Archivbild aus dem Jahr 2001 zeigt einen Anlagenteil am Fischpass an der Staustufe Iffezheim.

 Mehr Informationen:

Bundesanstalt für Gewässerkunde

vista verde: Fische

 

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