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Erstaunliche Schlangen: Ein Bissen nach
dem anderen
Mit einem erstaunlichen Trick
zerlegt eine asiatische Wasserschlange ihre Beute: Anstatt ihre
Opfer als Ganzes zu verschlingen, formt sie ihren Körper
zu einer Schlinge und reißt das Beutetier in Stücke.
(jkm) - Bislang dachte man, dass
Schlangen ihre Beute stets als Ganzes verschlingen. Zumindest eine
Schlangenart kann unter Einsatz ihres ganzen Körpers aber auch
einzelne Bissen nehmen, berichten amerikanische und singapurianische
Biologen im Magazin "Nature". Dieser Trick funktioniert
nur bei Krabben als Beute, die sich gerade erst gehäutet haben
und deren Haut noch nicht wieder ausgehärtet ist.
Bruce Jayne von der University
of Cincinnati, Ohio, und seine Kollegen untersuchten das Fressverhalten
zweier Schlangenarten, die in den Mangrovensümpfen Singapurs
leben. Beide Arten, Fordonia leucobalia und Gerarda prevostiana,
ernähren sich von Krabben, was bereits ungewöhnlich
genug ist.
In den Mägen von Fordonia
fanden die Forscher ausschließlich Reste von hartschaligen
Krabben. Gerarda schien dagegen nur frisch gehäutete Krebse
zu fressen, die zum Teil eigentlich nicht durch ihr Maul hätten
passen dürfen.
Um das Rätsel zu lösen,
brachten die Forscher einige Tiere ins Labor und filmten ihr Fressverhalten.
"Das sind etwas schüchterne Arten", erläutert
Jayne. "Wenn ich ihnen zusah, wollten sie nicht fressen.
Als ich aber eine Infrarotkamera benutzte, fand ich dieses stereotype
Verhalten."
Krabben mit einem ausgehärteten
Panzer ließ Gerarda in allen Versuchen unberührt. Bekam
sie dagegen eine frisch gehäutete Krabbe zu fassen, formte
sie mit ihrem Körper eine enge Schlinge. Dann zog sie ihren
Kopf durch diese Schlinge, bis die Beute in der engen Öffnung
stecken blieb. Die Schlange zog und zerrte jedoch immer weiter
an ihrer Beute, bis deren Körper schließlich nachgab.
"Die Schlange reißt
den Körper der Krabbe förmlich in Stücke",
so Jaynes Kommentar. Dagegen begnügte Fordonia sich damit,
vor dem Verschlucken der Beute erst die störenden Beine zu
entfernen.
Die Spezialisierung auf ausgehärtete
bzw. frisch gehäutete Krabben erleichtert es den zwei Schlangenarten,
die gleiche Ressource zu nutzen, so Jayne und seine Kollegen.
Und noch eine andere Einsicht
könne man gewinnen: "Das neuartige Fressverhalten von
G. pervostiana ist überraschend, da die Schlange eine relativ
unauffällige Anatomie besitzt", schreiben die Forscher.
"Dies sollte uns eine Mahnung sein, nicht allein aufgrund
der Anatomie und ohne Verhaltensstudien Schlüsse über
die Funktion zu ziehen."
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