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- 05.07.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Duftende Orchideen verdammen Wespenweibchen zur Jungfräulichkeit

Die Beziehung zwischen Blütenpflanzen und ihren Bestäubern ist nicht immer so harmlos, wie üblicherweise angenommen. Eine Orchideenart imitiert den Duft paarungsbereiter Wespenweibchen derart gut, dass diese ihre Attraktivität für die Wespenmännchen verlieren.

(jkm) - Manche Orchideenblüten ahmen Duft und Aussehen von Insektenweibchen nach, um deren Männchen zur Bestäubung anzulocken. Teilweise ähneln sie dem Vorbild sogar in den Oberflächeneigenschaften, so dass auf den Blüten gelandete Männchen ernsthafte Kopulationsversuche unternehmen.

Bisherige Studien hätten sich jedoch ausschließlich auf die männlichen Insekten konzentriert, schreiben Bob Wong und Florian Schiestl von der Australien National University in Canberra. Daher untersuchten sie die sexuelle Täuschung nun aus Sicht der Weibchen.

Als Studienobjekte dienten die australische Orchidee Chiloglottis trapeziformis und deren Bestäuberin, die Rollwespe Neozeleboria cryptoides. Die Forscher setzten ein Wespenweibchen und eine Orchideenblüte in zwei undurchsichtige Plastikbehälter, in die sie feine Luftlöcher gebohrt hatten.

Platzierten sie die Behälter nebeneinander auf einem Waldboden, wurden beide gleich oft von interessierten Wespenmännchen besucht. Die Verehrer konnten den Duft der Weibchen und den der Blüten also nicht unterscheiden.

Wong und Schiestl legten nun Kolonien aus fünf beziehungsweise zehn Orchideen an. Zunächst wurden diese auch von zahlreichen Wespenmännchen umschwirrt und untersucht, mit der Zeit schienen diese aber zu erkennen, dass hier ein falsches Spiel mit ihnen getrieben wurde und mieden die Orchideen fortan.

Wurde nun ein Wespenweibchen in eine Orchideen-Kolonie gesetzt, konnte es trotz allen Werbens kein Männchen anlocken, berichten die Biologen in den "Proceedings of the Royal Society".

Dies zeige, dass eine sexuell trügerische Orchidee einen negativen Einfluss auf ihre Bestäuber haben könne, schreiben Wong und Schiestl. Nicht nur erschwere sie es den Weibchen, ein Männchen auf sich aufmerksam zu machen.

Zudem hätten die Blüten auch eine abschreckende Wirkung auf die Männchen, so dass ein unglücklicherweise in ihrer Mitte sitzendes Wespenweibchen ernsthafte Schwierigkeiten bekommen könnte.

Die Weibchen von Neozeleboria cryptoides sind nämlich flügellos und außer zur Paarung auch zur Nahrungssuche und zum Auffinden einer geeigneten Stelle für die Eiablage auf die Männchen angewiesen.


© F. Schiestl

Die Orchidee Chiloglottis trilabra, eine nah verwandte Art, mit
ihrem Bestäuber Neozeleboria proxima.


 Mehr Informationen:

Schiestl: Pseudocopulation and what it's all about

Mimicry: The Orchid and the Bee

Orchideen

GEO.de: Nichts als Lug und Trug

 

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