|
Single-Treffs: Antilopenweibchen kämpfen
um Männchen
Die Weibchen einer Art und
ihr kritischer Blick haben bei der Säugerevolution vermutlich
eine stärkere Rolle gespielt als bislang angenommen.
(jkm) - Zu diesem Schluss kommt
ein britischer Zoologe in den "Proceedings of the National
Academy of Sciences". Demnach versammeln sich Antilopenweibchen
nur deshalb an bestimmten Plätzen, um sich mit besonders
attraktiven Männchen zu paaren. Dafür nehmen sie sogar
Kämpfe mit Rivalinnen und weitere Nachteile in Kauf.
Auch bei Huftieren gibt Single-Treffs,
etwa bei den afrikanischen Topis oder Leierantilopen (Damaliscus
lunatus). Nach dem schwedischen Wort für "Spiel"
werden diese Plätze, in denen Männchen ohne Territorium
und Harem sowie "herrenlose" Weibchen zusammenkommen,
als Leks bezeichnet.
Frühere Untersuchungen hatten
keine klaren Hinweise dafür erbracht, dass die an einem Lek
versammelten Weibchen eine Auswahl unter den Männchen treffen.
Daher war vermutet worden, die Weibchen würden durch ein
besseres Futterangebot, weniger Belästigung durch männliche
Territorialherren oder Schutz vor Räubern angelockt.
Nach zweijährigen Beobachtungen
in der ostafrikanischen Serengeti glaubt Jakob Bro-Jørgensen
von der Zoological Society of London, diese Vermutungen widerlegen
zu können. Wie der Forscher berichtet, wurden empfängnisbereite
Weibchen an einem Lek sogar sehr viel häufiger von paarungswilligen
Männchen verfolgt als in von einzelnen Männchen beherrschten
Territorien.
Auch fanden sich in der Nähe
eines Leks deutlich mehr Tüpfelhyänen ein als in den
umliegenden Gebieten. Und das Futterangebot konnte die Weibchen
ebenfalls nicht locken, denn auf dem Boden der Leks fand sich
meist kaum noch ein grüner Halm.
"Im Gegenteil zeigen meine
Daten, dass die Weibchen sich ihre Partner aktiv aussuchen",
schreibt Bro-Jørgensen. Die Weibchen paarten sich demnach
besonders oft und schnell mit älteren, größeren
und kräftiger gezeichneten Männchen.
Entscheidend seien jedoch weniger
die physischen Merkmale der Männchen gewesen, sondern die
Tatsache, dass die stattlichsten Exemplare sich meist im Zentrum
eines Leks aufhielten, ihre weniger beeindruckenden Geschlechtsgenossen
dagegen an der Peripherie.
In schöner Regelmäßigkeit
gerieten die Weibchen einander in die Hörner, wenn es um
"zentrale" Männchen ging, und häufig störte
eine Verehrerin sogar die Kopulation eines bevorzugten Männchens
mit anderen Weibchen.
Nach Ansicht des Forschers schließen
die weiblichen Antilopen allein aus der Position eines Männchens
in einer Gruppe auf dessen Qualitäten. Das wiederum habe
die Tendenz zur Gruppenbildung bei den Männchen gefördert,
und im Laufe der Zeit habe diese Rückkopplungsschleife zur
Bildung der heutigen Leks geführt.
"Diese Ergebnisse lassen
vermuten, dass die Auswahl durch Weibchen bei der sexuellen Selektion
unter Säugetieren ein stärkerer Faktor ist, als bislang
vermutet", schließt Bro-Jørgensen.
|