vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   N a t u r   &   T i e r e

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 24.06.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

Bolaspinnen: Mit Leimkugel und Sex auf Nahrungssuche

Viele Raubtiere locken ihre Beute an, indem sie deren Paarungssignale nachahmen. Über einen besonders durchtriebenen Räuber berichten jetzt amerikanische Biologen.

(jkm) - Eine nordamerikanische Bolaspinne produziert nicht nur die Pheromone gleich zweier Falterarten, sondern stimmt die Zusammensetzung des verhängnisvollen Duftcocktails auch auf die nächtlichen Aktivitäten ihrer Opfer ab, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Chemoecology.

Bolaspinnen verdanken ihren Namen ihrer Fangtechnik. Statt eines kunstvollen Netzes spinnen sie lediglich einen schlichten Seidenfaden, an dessen Ende eine Leimkugel hängt. Mit diesem an eine südamerikanische Bola erinnernden Fanggerät legen sie sich auf die Lauer, stets bereit, die an ihren Vorderbeinen baumelnde Leimkugel nach einem vorbeifliegenden Insekt zu schleudern. Um nicht allzu lange warten zu müssen, imitieren sie die Duftstoffe, mit denen weibliche Falter die Männchen zur Paarung locken.

Verschiedene Falterarten produzieren unterschiedliche Pheromone. Ist eine Bolaspinne auf mehr als eine Beuteart aus, muss sie daher mehrere Duftstoffe produzieren. Das Problem: Die Pheromone einer Falterart können auf die Männchen einer anderen Art abstoßend wirken.

Kenneth Haynes von der University of Kentucky, Lexington, und seine Kollegen wollten nun herausfinden, wie die nordamerikanische Bolaspinne Mastophora hutchinsoni dieses Problem löst. Die Spinne fängt Männchen zweier Nachtfalterarten, die zu unterschiedlichen Zeiten aktiv sind. Lacinipolia renigera schwirrt bis etwa 22.30 Uhr umher, während Tetanolita mynesalis erst ab 23 Uhr unterwegs ist.

Wie die Forscher entdeckten, kann die Bolaspinne während der ganzen Nacht beide Arten anlocken. Daraus schließen sie, dass M. Hutchinsoni stets beide Pheromone produziert. Eine chemische Analyse zeigte jedoch, dass die Spinne die Zusammensetzung ihres Duftcocktails zumindest graduell an die Nachtzeit anpasst, indem sie die Produktion von L. renigera-Pheromonen im Laufe einer Nacht immer weiter reduziert.

"Die Spezialisierung auf verschiedene Falter zu unterschiedlichen Nachtzeiten ist verblüffend", so Thomas Eisner von der Cornell University in Ithaca, New York, gegenüber der Online-Ausgabe des Magazins "Nature".

Dennoch hat sich die Spinne mit ihrer raffinierten Fangtaktik in eine gefährliche Lage manövriert, glaubt Haynes. Die bolaschwingenden Räuber seien auf Gedeih und Verderb lediglich zwei Beutearten ausgeliefert. Dementsprechend seien sie auch deutlich seltener als andere Spinnen, die mit ihren Netzen eine breite Palette von Insekten fangen können.

 Mehr Informationen:

Nature Science Update

Homepage von Kenneth Haynes

Bolas Spiders

vista verde: Spinnen

 

 Lesen Sie auch:

Spinnen: Prächtige Farben locken ins Netz

Wahrnehmung: Das Tarnkleid der Krabbenspinnen

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung