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Tourismus: Fäkalien lösen
Korallen-Krankheit aus
Innerhalb von nur zehn Jahren
sind über 90 Prozent der einst am weitesten verbreiteten
Korallenart der Karibik abgestorben. Amerikanische Forscher haben
nun einen weiteren Auslöser für das Korallensterben
gefunden.
(jkm) - Wie die Wissenschatler
in den "Proceedings of the National Academy of Sciences"
berichten, können menschliche Fäkalbakterien aus Abwässern
bei Korallen zu den Weißen Pocken führen. Betroffen
sind die so genannten Elchgeweih-Korallen (Acropora palmata).
Diese Spezies aus der Familie der Steinkorallen war einst die
am weitesten verbreitete Koralle der Karibik.
Innerhalb von nur zehn Jahren
sind über 90 Prozent der Elchgeweih-Korallen abgestorben.
Verantwortlich sind die Weißen Pocken, die sich täglich
bis zu zehn Quadratzentimeter weit über die Korallen ausbreiten
können.
"Das Gewebe scheint regelrecht
wegzuschmelzen; übrig bleibt nur das Skelett", berichtet
der Meeresökologe James Porter von der University of Georgia.
Warum die Krankheit so verheerende Ausmaße annehmen konnte,
war bisher unklar.

©
University of Georgia
Gesunde
Elchgeweih-Koralle:
Bis zum Ausbruch der Seuche
gehörten diese Korallen
zu den häufigsten Arten
der Karibik.
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© University of Georgia
Rechts
eine gesunde, links eine
von "Weißen
Pocken" befallene
Koralle.
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Mehrere Faktoren treffen zusammen
Porter und seine Kollegen glauben
jetzt im Darmbakterium Serratia marcescens einen Mittäter
identifiziert zu haben. Bisher galt das in allen menschlichen
Fäkalien anzutreffende Bakterium als harmlos, nur vereinzelt
löste es bei Mensch und Fisch Krankheiten aus. Mit den Korallen
sind erstmals wirbellose Tiere von dem Bakterium betroffen.
Serratia marcescens sei wohl nicht
allein verantwortlich, vermuten die Forscher. Die globale Erwärmung
und der geschwächte Zustand der Korallen könnten ebenso
wichtige Faktoren sein. Wahrscheinlich werde die schädigende
Wirkung der Bakterien durch die Begleitumstände begünstigt.
Dass die Darmbakterien überhaupt
zum Problem wurden, liegt am stetig wachsenden Tourismus: Mittlerweile
kommen jährlich vier Millionen Besucher in die Karibik. Die
Abwasserentsorgung sei dem Bedarf nicht angepasst worden, kritisieren
die Forscher. Sie fordern, die hygienischen Zustände zu verbessern
und Abwässer nicht länger ungeklärt ins Meer abzulassen.
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