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- 19.06.2002 -

 


 

Tourismus: Fäkalien lösen Korallen-Krankheit aus

Innerhalb von nur zehn Jahren sind über 90 Prozent der einst am weitesten verbreiteten Korallenart der Karibik abgestorben. Amerikanische Forscher haben nun einen weiteren Auslöser für das Korallensterben gefunden.

(jkm) - Wie die Wissenschatler in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, können menschliche Fäkalbakterien aus Abwässern bei Korallen zu den Weißen Pocken führen. Betroffen sind die so genannten Elchgeweih-Korallen (Acropora palmata). Diese Spezies aus der Familie der Steinkorallen war einst die am weitesten verbreitete Koralle der Karibik.

Innerhalb von nur zehn Jahren sind über 90 Prozent der Elchgeweih-Korallen abgestorben. Verantwortlich sind die Weißen Pocken, die sich täglich bis zu zehn Quadratzentimeter weit über die Korallen ausbreiten können.

"Das Gewebe scheint regelrecht wegzuschmelzen; übrig bleibt nur das Skelett", berichtet der Meeresökologe James Porter von der University of Georgia. Warum die Krankheit so verheerende Ausmaße annehmen konnte, war bisher unklar.
 


© University of Georgia

Gesunde Elchgeweih-Koralle:
Bis zum Ausbruch der Seuche
gehörten diese Korallen
zu den häufigsten Arten
der Karibik.

 

 


© University of Georgia

Rechts eine gesunde, links eine
von
"Weißen Pocken" befallene
Koralle.

Mehrere Faktoren treffen zusammen

Porter und seine Kollegen glauben jetzt im Darmbakterium Serratia marcescens einen Mittäter identifiziert zu haben. Bisher galt das in allen menschlichen Fäkalien anzutreffende Bakterium als harmlos, nur vereinzelt löste es bei Mensch und Fisch Krankheiten aus. Mit den Korallen sind erstmals wirbellose Tiere von dem Bakterium betroffen.

Serratia marcescens sei wohl nicht allein verantwortlich, vermuten die Forscher. Die globale Erwärmung und der geschwächte Zustand der Korallen könnten ebenso wichtige Faktoren sein. Wahrscheinlich werde die schädigende Wirkung der Bakterien durch die Begleitumstände begünstigt.

Dass die Darmbakterien überhaupt zum Problem wurden, liegt am stetig wachsenden Tourismus: Mittlerweile kommen jährlich vier Millionen Besucher in die Karibik. Die Abwasserentsorgung sei dem Bedarf nicht angepasst worden, kritisieren die Forscher. Sie fordern, die hygienischen Zustände zu verbessern und Abwässer nicht länger ungeklärt ins Meer abzulassen.

 Mehr Informationen:

Nature Science Update

University of Georgia

The Coral Disease Page

WCMC Global Coral Disease Database

Elchgeweih-Korallen

 

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