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- 12.06.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Verhört: Spechte schießen nicht

Den in Louisiana bereits als ausgestorben geltenden Elfenbeinspecht meinten amerikanische Ornithologen auf Tonbandaufnahmen gehört zu haben - doch die Freude war nur von kurzer Dauer.

(jkm) - Um den Vogelbestand der Wälder zu erfassen, unternehmen Ornithologen regelmäßig Lauschangriffe. Sie zeichnen wochenlang das Gezwitscher in den Baumkronen auf und analysieren die Tonbänder anschließend am heimischen Rekorder.

Was sie zu hören bekommen, zerstört aber mitunter auch die Hoffungen von Vogelfreunden. So gab John Fitzpatrick von der Cornell University jetzt bekannt, dass die vermeintlichen Klopfgeräusche eines seltenen Spechtes als Hörfehler identifiziert wurden.

Zwischen Januar und März hatten Vogelkundler der Cornell University im Mündungsbereich des Pearl River im südlichen Louisiana zwölf Tonbandgeräte aufgestellt. Schon vor Ort meinten zwei Forscherteams, die kurzen, lauten Doppelschläge des Elfenbeinspechts (Campephilus principalis) gehört zu haben.

Unter Amerikas Vogelfreunden verbreitete sich die frohe Kunde schnell, galt doch der Elfenbeinspecht in Louisiana bereits als ausgestorben. Der Vogel würde heutzutage wieder gute Lebensbedingungen in den Sümpfen des Pearl River antreffen, wo sich die Bestände der bevorzugten Hartholzbäume in den letzten Jahrzehnten erholt haben. Zudem gilt der Elfenbeinspecht als Langstreckenflieger und könnte deshalb aus dem "Exil" nach Louisiana zurückgekehrt sein.

Zwei Monate lang wurde den Vögeln tontechnisch nachgespürt, 4.000 Stunden Naturgeräuschen kamen so zusammen. Beim Abhören der Bänder in der Cornell University machte sich dann aber Ernüchterung breit. Das vermeintliche Specht-Klopfen wurde als fernes Gewehrfeuer identifiziert. Der Nachhall der Schüsse klingt für das menschliche Ohr wie das Trommeln auf Holz.

Die Hoffnungen, in der Wildnis von Louisiana einen Elfenbeinspecht anzutreffen, haben die Ornithologen jetzt erst einmal begraben. Zumindest habe das Tonband seine Rolle als nützliches Hilfsmittel der Forschung bestätigt, tröstet sich Fitzpatrick.


© ArtToday

Elfenbeinspecht (Campephilus principalis)

 Mehr Informationen:

Cornell Laboratory of Ornithology: The Search for the Ivory-billed Woodpecker

Spechte online

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