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Kenia:
Die Löwen ohne Mähne
Forscher untersuchen mähnenlose
Löwen in Kenia. Ihre Verhaltensexperimente bringen aufschlussreiche
Ergebnisse.
Hamburg (vv) - Sie sind die Majestäten
der Tiere: Löwen mit dichter Mähne - so kennen und lieben
Millionen von Touristen und Zoobesuchern die Könige der Savanne.
Die Löwen aus dem Nationalpark Tsavo-Ost in Kenia jedoch
geben den Wissenschaftlern seit Jahren Rätsel auf: Die hier
lebenden Raubkatzen haben nämlich im Gegensatz zu ihren Artgenossen
aus der Serengeti keine Mähne.
Das Magazin "National Geographic
Deutschland" widmet in seiner Ausgabe vom Juni 2002 den kahlen
Herrschern eine umfangreiche Bild-Reportage und berichtet über
die neuesten Erkenntnisse ihrer Erforschung.
Der Tsavo-Park ist das älteste
und mit knapp 22 000 Quadratkilometern das größte geschützte
Ökosystem Kenias. Die hier lebenden Raubkatzen sind bisher
kaum erforscht, einem Mythos zufolge gelten sie als listig und
aggressiv - bislang unbewiesene Vermutungen. Sicher ist jedoch,
dass die Tsavo-Löwen größer sind als ihre Artgenossen
und aus Ermangelung reicher Jagdgründe selbst große
Beutetiere wie Kaffernbüffel erlegen, die zu den stärksten
und aggressivsten Tieren auf der Welt zählen.
Unterschiedliche Theorien versuchten
bisher, die Stärke und Mähnenlosigkeit der Löwen
zu erklären. So gibt es u.a. die These, die Tsavo-Löwen
seien nahe Verwandte der Höhlenlöwen aus dem Pleistozän.
Die amerikanischen Wissenschaftler Craig Packer und Peyton West
bezweifeln dies. Sie glauben, dass die große Hitze im Ostteil
des Nationalparks einer der Gründe ist, warum die Löwen
keine Mähnen haben.
Um dieses zu untersuchen, gingen
die Amerikaner mit Verhaltensexperimenten zu Werk: Sie bauten
zwei lebensgroße Löwenattrappen mit unterschiedlicher
Mähnenlänge und -farbe und konfrontierten die Löwen
mit den unechten Artgenossen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis,
dass sowohl die Löwen aus Tsavo als auch der Serengeti sich
zunächst der Attrappe mit der kürzeren und helleren
Mähne näherten. Die Wissenschaftler schlussfolgerten
daraus, dass die Mähne ein wichtiges Statussymbol sein muß,
hellere Mähnen Schwäche und dunkle Mähnen Stärke
signalisieren.
Warum aber haben die Tsavo-Löwen
keine Mähne, wenn dies so ein wichtiges Merkmal der Stärke
ist? Peyton West vermutet, dass der fehlende Kopfschmuck mit der
großen Hitze zu tun hat. Die Biologin glaubt, dass die Löwen
einen großen Teil ihrer Energie aufwenden müssen, um
sich kühl zu halten. Für das Wachstum der Mähne
bliebe daher nicht mehr viel Körperenergie übrig und
ohne Kopfschmuck sei die Hitze außerdem leichter zu ertragen.
"Die Männchen stehen dauernd unter Hitze- und Futterstress.
Vermutlich wächst ihre Mähne daher erst gar nicht",
erklärt die Amerikanerin.
Weitere Untersuchungen in den
nächsten Jahren sollen die Richtigkeit dieser These belegen
und die mystischen Raubkatzen stärker in das Interesse der
Öffentlichkeit rücken.
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