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- 31.05.2002 -


 

Russland: Bedrohte Tiger erholen sich in der Tierklinik am Taigarand

Eine private Tierklinik im Südosten Russlands an der Grenze zu China nimmt verletzte Wildtiere auf, pflegt sie gesund und setzt sie wieder aus. Es ist eine der wenigen Initiativen zum Schutz der letzten frei lebenden Tiger in Russland.

Von Friedemann Kohler, dpa

Chabarowsk (dpa) - Nachmittags will Ljuty immer spielen. Ruhelos läuft der achtjährige Amurtiger mit dem goldenen Eckzahn am Zaun seines Geheges hin und her, bis Wladimir Kruglow erscheint. Der 62- Jährige leitet das «Zentrum für die Rehabilitation von Wildtieren» bei Chabarowsk im Fernen Osten Russlands.

«Zeig das Näschen!», ruft Kruglow seinem Liebling zu, den er einst als schwer verletztes Tigerbaby in der Taiga fand und aufpäppelte. Der «Grimmige» streckt ganz brav die Nase durch den Maschendrahtzaun und wird zum Lohn am Kinn gekrault.

Selbst hier in der hintersten russischen Provinz, 6000 Kilometer östlich von Moskau, ist die scheinbar unerschöpfliche Natur nicht mehr intakt. Die 1994 von Kruglow gegründete Tierklinik nimmt verletzte Wildtiere auf, pflegt sie gesund und setzt sie wieder aus. Es ist eine der wenigen Initiativen zum Schutz der letzten frei lebenden Tiger in Russland.

In der privaten Tierklinik bekommen auch andere Raubtiere eine Überlebenschance. In diesem Frühling balgen sich 22 Braunbär- und Kragenbär-Babys in den Käfigen. «Die wurden entweder verwaist im Wald gefunden oder sollten als Haustiere gehalten werden», sagt eine Mitarbeiterin des Zentrums. «Die Leute kommen von weit her, um die Tiere bei uns abzugeben.»

Auf etwa 450 wird in der Tierklinik die Zahl der frei lebenden Amurtiger geschätzt, der größten Tigerart, die im äußersten südöstlichen Winkel Russlands an der Grenze zu China lebt. Andere Experten vermuten nur noch etwa 250 Tiger in den russischen Wäldern.

Nach der Öffnung der Grenze zu China vor zehn Jahren schossen Wilderer viele Tiger ab, um sie als angeblich potenzsteigernde Zutaten für die traditionelle chinesische Medizin ins Nachbarland zu schmuggeln. «Die Wilderei hat aber deutlich abgenommen, seit China den Schmuggel toter Tiger mit der Todesstrafe belegt», meint Kruglow.

Als Hauptbedrohung sieht er nun, dass die Forstwirtschaft immer größere Schneisen in die dichten Wälder der Taiga schlägt und den Lebensraum der Tiger, die riesige Jagdreviere brauchen, einschränkt. Darum häufen sich die Zusammenstöße mit Holzfällern, Jägern oder Bauern.

«Wir haben in den vergangenen Jahren drei Tiger ausgewildert», erzählt Kruglow. Die Tiere wurden in einem Gehege abseits im Wald gehalten, um so wenig Kontakt zu Menschen wie möglich zu haben. In den Monaten vor der Freilassung wurden sie mit lebendem Wild gefüttert, um sich wieder an das Schlagen von Beute zu gewöhnen.

Zur Zeit warten in einem Käfig zwei zweijährige Braunbären auf ihre Freiheit. «Sie werden im Juni ausgesetzt», sagt Kruglow. «Dann gibt es frische Kiefernzapfen, und sie haben genug zu fressen.»

Nur für den verspielten Tiger «Ljuty» wird es wohl keinen Weg in die Freiheit mehr geben. «Er hat das Jagen nie gelernt», meint Kruglow. Weil Wilderer dem kleinen Tigerbaby den Kiefer zertrümmert hatten, musste «Ljuty» bereits mehrere Operationen über sich ergehen lassen.

Den Eckzahn setzte ihm vor zwei Jahren Viktor Hoppe ein, ein deutschstämmiger Professor für Kieferchirurgie von der Universität Chabarowsk. «Ich habe drei Mal mit dem Stock überprüft, ob er auch wirklich schläft», erzählt Hoppe in Chabarowsk. Aber sonst sei «Ljuty» ein Patient wie jeder andere gewesen.

Als Star der Rehabilitations-Klinik in der Taiga hilft der gefangene Tiger seinen Kameraden in Freiheit. «Ljuty» zieht Besucher an, die sich über die großen Raubkatzen informieren und für den Unterhalt des Zentrums spenden. Immer mehr Menschen verstehen, dass die Tiger als Stolz der Region in ihrem Fortbestand gefährdet sind.


© dpa

Amurtiger: Warum "Ljuty", der hier durch den Zaun mit Wladimir Kurglow schmust, "Der Grimmige" genannt wird, wird nicht ganz klar, wenn man dieses Bild sieht.

 Mehr Informationen:

WWF: Tiger

Markus Kappeler: Sibirischer Tiger

 

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