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Eine Wespe stürzt Ameisen in den
Bürgerkrieg
Um an die Larven eines Schmetterlings
zu gelangen, stürzt eine Schlupfwespe ein Ameisenvolk ins
Chaos - ein Musterbeispiel hoch spezialisierter Abhängigkeiten
im Tierreich.
(jkm) - Die Schlupfwespe Ichneumon
eumerus macht es sich selbst schwer, wenn es um ihre Fortpflanzung
geht. Sie hat sich darauf spezialisiert, ihre Eier in den Raupen
eines seltenen Schmetterlings abzulegen.
Dessen Raupen wiederum verstecken
sich in Ameisenbauten, wobei sie gezielt den Geruch der Gastgeber
verströmen, um von ihnen wie eigener Nachwuchs umsorgt zu
werden.
Auch die Schlupfwespe trickst
die Ameisen mit Gerüchen aus, um zur Raupe vordringen zu
können. Sie nimmt aber nicht den Duft der Insekten an, sondern
verströmt einen Chemie-Cocktail, der den Ameisenstaat in
den Bürgerkrieg treibt. Klingt kompliziert? Ist es auch.
Das Zusammenspiel zwischen Schlupfwespe,
Schmetterling und Ameisen ist ein Musterbeispiel hoch spezialisierter
Abhängigkeiten. Im Mittelpunkt steht der Kreuzenzian-Bläuling
(Maculinea rebeli), ein inzwischen vom Aussterben bedrohter Schmetterling,
der seine Eier auf dem Enzian ablegt und hofft, dass die jungen
Raupen dort von Ameisen gefunden werden. Weil die Raupen wie Ameisenlarven
durften, tragen die Insekten ihren vermeintlichen Nachwuchs ins
heimische Nest und versorgen und schützen ihn.
Trotzdem gelingt es Schlupfwespen,
die ihre Eier nur in den Schmetterlingsraupen ablegen können,
in die Ameisenbauten einzudringen. Biologen hatten beobachtet,
dass beim Eintritt der Wespen in den Bau eine regelrechte Panik
unter den Ameisen einsetzt, die in aggressive Kämpfe gegeneinander
ausartet. In diesem Chaos kann sich die Wespe ungestört nach
den Raupen des Falters umsehen.
Britische Insektenforscher um
Graham Elmes vom Centre of Ecology and Hydrology in Dorchester
haben jetzt den Chemie-Cocktail, der die Ameisen so stark beeinflusst,
entschlüsselt. Im Magazin "Nature" berichten sie,
das Gemisch bestehe aus sechs verschiedenen Chemikalien. Vier
der Substanzen waren bisher völlig unbekannt.
Sie ähneln jenen Stoffen,
mit denen Ameisen Warnungen weitergeben. Doch während die
Ameisen-Botenstoffe nach Sekunden verflogen sind, können
die Substanzen der Wespen sich noch Monate nach Schlüpfen
ihres Nachwuchses im Umfeld der leeren Puppe halten.
Kommen die Ameisen mit den Duftstoffen
der Schlupfwespe in Berührung, werden sie zur Absonderung
der eigenen Alarmstoffe angeregt, die zur Verwirrung im Bau führen.
"Eine Kettenreaktion von Alarmsignalen geht dann durch die
Kolonie", berichtet Jeremy Thomas, Co-Autor des "Nature"-Berichts.
Die Forscher hoffen, aus dem Chemie-Cocktail der Wespe neue Insektizide
gegen Ameisen entwickeln zu können.
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