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- 30.05.2002 -


 

Eine Wespe stürzt Ameisen in den Bürgerkrieg

Um an die Larven eines Schmetterlings zu gelangen, stürzt eine Schlupfwespe ein Ameisenvolk ins Chaos - ein Musterbeispiel hoch spezialisierter Abhängigkeiten im Tierreich.

(jkm) - Die Schlupfwespe Ichneumon eumerus macht es sich selbst schwer, wenn es um ihre Fortpflanzung geht. Sie hat sich darauf spezialisiert, ihre Eier in den Raupen eines seltenen Schmetterlings abzulegen.

Dessen Raupen wiederum verstecken sich in Ameisenbauten, wobei sie gezielt den Geruch der Gastgeber verströmen, um von ihnen wie eigener Nachwuchs umsorgt zu werden.

Auch die Schlupfwespe trickst die Ameisen mit Gerüchen aus, um zur Raupe vordringen zu können. Sie nimmt aber nicht den Duft der Insekten an, sondern verströmt einen Chemie-Cocktail, der den Ameisenstaat in den Bürgerkrieg treibt. Klingt kompliziert? Ist es auch.

Das Zusammenspiel zwischen Schlupfwespe, Schmetterling und Ameisen ist ein Musterbeispiel hoch spezialisierter Abhängigkeiten. Im Mittelpunkt steht der Kreuzenzian-Bläuling (Maculinea rebeli), ein inzwischen vom Aussterben bedrohter Schmetterling, der seine Eier auf dem Enzian ablegt und hofft, dass die jungen Raupen dort von Ameisen gefunden werden. Weil die Raupen wie Ameisenlarven durften, tragen die Insekten ihren vermeintlichen Nachwuchs ins heimische Nest und versorgen und schützen ihn.

Trotzdem gelingt es Schlupfwespen, die ihre Eier nur in den Schmetterlingsraupen ablegen können, in die Ameisenbauten einzudringen. Biologen hatten beobachtet, dass beim Eintritt der Wespen in den Bau eine regelrechte Panik unter den Ameisen einsetzt, die in aggressive Kämpfe gegeneinander ausartet. In diesem Chaos kann sich die Wespe ungestört nach den Raupen des Falters umsehen.

Britische Insektenforscher um Graham Elmes vom Centre of Ecology and Hydrology in Dorchester haben jetzt den Chemie-Cocktail, der die Ameisen so stark beeinflusst, entschlüsselt. Im Magazin "Nature" berichten sie, das Gemisch bestehe aus sechs verschiedenen Chemikalien. Vier der Substanzen waren bisher völlig unbekannt.

Sie ähneln jenen Stoffen, mit denen Ameisen Warnungen weitergeben. Doch während die Ameisen-Botenstoffe nach Sekunden verflogen sind, können die Substanzen der Wespen sich noch Monate nach Schlüpfen ihres Nachwuchses im Umfeld der leeren Puppe halten.

Kommen die Ameisen mit den Duftstoffen der Schlupfwespe in Berührung, werden sie zur Absonderung der eigenen Alarmstoffe angeregt, die zur Verwirrung im Bau führen. "Eine Kettenreaktion von Alarmsignalen geht dann durch die Kolonie", berichtet Jeremy Thomas, Co-Autor des "Nature"-Berichts. Die Forscher hoffen, aus dem Chemie-Cocktail der Wespe neue Insektizide gegen Ameisen entwickeln zu können.

 Mehr Informationen:

nature science update

Centre of Ecology and Hydrology: Ant/butterfly interactions

Der Kreuzenzian-Bläuling

 

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