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"Gefangenen-Mentalität":
Zuchtlachse
schwächen natürlichen Bestand
Die Versuche, den pazifischen
wilden Lachs durch Zuchtlachse zu verstärken, bringen mehr
Schaden als Nutzen. Davon ist ein amerikanischer Meeresforscher
überzeugt.
(jkm) - Michael Ford meint, der
Zuchtlachs habe sich schon zu stark an die Gefangenschaft gewöhnt;
er könne sich nicht mehr den Lebensbedingungen in Freiheit
anpassen. Schlimmer noch: Bei der Paarung übertrüge
sich sein "Zucht-Charakter" auf die natürlichen
Bestände.
"Haben sich die Tiere erst
einmal an die Gefangenschaft, dann sinkt ihre Überlebensrate
in freier Natur", weiß Ford vom Northwest Fisheries
Science Center in Seattle. Seine Untersuchung zum Verhalten der
Lachse erscheint in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift "Conservation
Biology".
Dass in die Natur entlassene Fische
ihren Fressfeinden schneller zum Opfer fallen, konnte bereits
mehrfach nachgewiesen werden. Mit der genetischen Verbreitung
dieses Mankos unter wilden Beständen haben sich aber bislang
die wenigsten Forscher beschäftigt.
Ford fand in Beobachtungen und
mit Hilfe von Evolutionsmodellen heraus, dass die Fische ihre
"Gefangenen-Mentalität" tatsächlich an ihre
halbwilden Nachkommen weitergeben. "Wenn sich die Zuchtbedingungen
zu stark von den natürlichen Lebensbedingungen der Lachse
unterscheiden, dann verlieren die Tiere innerhalb von 20 Generationen
ihre Überlebensfähigkeit in Freiheit", ist Ford
überzeugt.
Den Charakter des Zuchtlachses
könne man auch nicht kurzfristig umpolen, indem man ihn gezielt
mit wilden Exemplaren paare. Nur die langfristige Umstellung auf
eine möglichst natürliche Aufzucht der Tiere hält
Ford für Erfolg versprechend.
Die Auswilderung gelinge außerdem
um so eher, je mehr Lebensraum dem Lachs zur Verfügung stehe.
Aufzuchtprogramme sollten daher mit Naturschutzmaßnahmen
einher gehen.
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