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"Biowaffen": Wenn Rüsselkäfer
die falschen Disteln fressen...
Wenn der Mensch meint, die
Natur mit Hilfe der Natur steuern zu können, geht das öfter
mal schief. Häufig werden die importierten Helfer selbst
zum Problem.
(jkm) - Jüngstes Beispiel:
ein europäischer Rüsselkäfer, der in die USA eingebürgert
wurde, um die Ausbreitung einer ebenfalls aus Europa stammenden
Distel zu begrenzen. Leider schmecken dem Einwanderer die amerikanischen
Disteln so gut, dass der vermeintliche Helfer jetzt selbst zum
Problem geworden ist.
Den fehlgeschlagenen Einsatz des
Insekts dokumentieren Svata Louda von der University of Nebraska
und Charles O'Brien von der Florida A & M University in der
Juni-Ausgabe des Magazins "Conservation Biology".
Der Rüsselkäfer Larinus
planus wurde vor zehn Jahren importiert, um die so genannte Kanadische
Distel zu bekämpfen. Die Pflanze stammt - ihrem irreführenden
Namen zum Trotz - ebenfalls aus Europa. Seit sie in den USA heimisch
geworden ist, verbreitet sie sich als lästiges Unkraut über
landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Der Rüsselkäfer schien
eine ideale Biowaffe gegen die Distel zu sein: Erwachsene Käfer
verspeisen ihre Blätter, die Larven machen sich über
Blüten und Samen her.
Im Jahr 1990 waren US-Forscher
nach Laborversuchen mit dem Käfer zu der Einschätzung
gelangt, die Insekten seien geeignet, amerikanische Naturschutzgebiete
von ortsfremden Disteln freizuhalten. In den Jahren 1992 und 1993
kam der Europäer erstmals im Gunnison National Forest, Colorado,
zum Einsatz.
Rückblickend war der Käfer-Import
eine Fehlentscheidung, sagen jetzt Louda und O'Brien. Sie ziehen
nicht nur die zwölf Jahre alten Laborversuche in Zweifel,
sie können auch auf die Misserfolge vor Ort verweisen: Hunderte
von Distel-Proben zeigen, dass der Käfer die amerikanische
Variante bevorzugt und die Kanadische Distel links liegen lässt.
Mittlerweile ist die natürliche
US-Distel stark unter Druck geraten. Die Larven des Rüsselkäfers
vernichten 98 Prozent der Distel-Samen, berichten die Forscher.
"Das ökologische Risiko
wurde deutlich unterschätzt", so die nüchterne
Bilanz von Svata Louda.
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