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- 29.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

"Biowaffen": Wenn Rüsselkäfer die falschen Disteln fressen...

Wenn der Mensch meint, die Natur mit Hilfe der Natur steuern zu können, geht das öfter mal schief. Häufig werden die importierten Helfer selbst zum Problem.

(jkm) - Jüngstes Beispiel: ein europäischer Rüsselkäfer, der in die USA eingebürgert wurde, um die Ausbreitung einer ebenfalls aus Europa stammenden Distel zu begrenzen. Leider schmecken dem Einwanderer die amerikanischen Disteln so gut, dass der vermeintliche Helfer jetzt selbst zum Problem geworden ist.

Den fehlgeschlagenen Einsatz des Insekts dokumentieren Svata Louda von der University of Nebraska und Charles O'Brien von der Florida A & M University in der Juni-Ausgabe des Magazins "Conservation Biology".

Der Rüsselkäfer Larinus planus wurde vor zehn Jahren importiert, um die so genannte Kanadische Distel zu bekämpfen. Die Pflanze stammt - ihrem irreführenden Namen zum Trotz - ebenfalls aus Europa. Seit sie in den USA heimisch geworden ist, verbreitet sie sich als lästiges Unkraut über landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Der Rüsselkäfer schien eine ideale Biowaffe gegen die Distel zu sein: Erwachsene Käfer verspeisen ihre Blätter, die Larven machen sich über Blüten und Samen her.

Im Jahr 1990 waren US-Forscher nach Laborversuchen mit dem Käfer zu der Einschätzung gelangt, die Insekten seien geeignet, amerikanische Naturschutzgebiete von ortsfremden Disteln freizuhalten. In den Jahren 1992 und 1993 kam der Europäer erstmals im Gunnison National Forest, Colorado, zum Einsatz.

Rückblickend war der Käfer-Import eine Fehlentscheidung, sagen jetzt Louda und O'Brien. Sie ziehen nicht nur die zwölf Jahre alten Laborversuche in Zweifel, sie können auch auf die Misserfolge vor Ort verweisen: Hunderte von Distel-Proben zeigen, dass der Käfer die amerikanische Variante bevorzugt und die Kanadische Distel links liegen lässt.

Mittlerweile ist die natürliche US-Distel stark unter Druck geraten. Die Larven des Rüsselkäfers vernichten 98 Prozent der Distel-Samen, berichten die Forscher.

"Das ökologische Risiko wurde deutlich unterschätzt", so die nüchterne Bilanz von Svata Louda.


© N. Poritz / SCB

Larinus planus


 Mehr Informationen:

University of Nebraska

Society for Conservation Biology

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