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- 27.05.2002 -


 

Schmetterlinge gegen Bulldozer: Kampf um Öl-Pipeline in Ecuador

In den wenigen noch intakten Bergnebelwäldern Ecuadors tobt seit Monaten ein ungleicher Kampf um den Bau einer Öl-Pipeline.

Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Quito (dpa) - Schmetterlinge gegen Bulldozer, auf diese Kurzformel ließe sich der Konflikt bringen, bei dem sich ein Häufchen einheimischer Umweltschützer nur mit Unterstützung einiger Gleichgesinnter vor allem aus Deutschland gleich mit sechs multinationalen Konzernen und der Regierung des Andenstaates angelegt hat.

«Wir werden bis zur letzten Konsequenz kämpfen», sagt die Biochemikerin Alexandra Almeida von der Umweltschutzgruppe «Accion Ecologista» in der Hauptstadt Quito trotzig. Besonders umstritten ist ein nur 3,6 Kilometer langes Teilstück durch das Schutzgebiet Mindo- Nambillo. Die dichten Bergnebelwälder etwa 50 Kilometer nordwestlich von Quito gehören zu den artenreichsten Regionen der Welt.

Hunderte verschiedener Schmetterlinge, 450 Vogelarten, davon 30 nur dort lebende Vögel, und eine noch gar nicht abschließend erforschte Fülle von Insekten, Farnen und Lianen locken jedes Jahr mehr Öko-Touristen an. Etwa 80 Prozent der dortigen Bevölkerung lebt inzwischen von den Urlaubern aus aller Welt.

Immer wieder blockieren die Naturschützer die Baustellen. Vor kurzem gelang es ihnen sogar mit Hilfe deutscher Spendengelder, ein Grundstück für 120 000 Dollar zu kaufen, das auf der geplanten Trasse liegt. Die Polizei hat sie jedoch auf ihrem eigenen Grundstück festgenommen. Darunter war auch der angehende deutsche Biologe Bernhard Vogt von der Universität Leipzig.

Sonderlich beunruhigt wirkt Ecuadors Energieminister Pablo Terán über die Aktionen der Öko-Kämpfer allerdings nicht. Die Verlegung von insgesamt 503 Kilometern Röhren durch teilweise von Erdbeben und Vulkanausbrüchen gefährdete Gebiete verläuft weitgehend nach Plan. Und auch die Finanzierung steht Dank der Westdeutschen Landesbank (WestLB) in Düsseldorf auf sicheren Füßen. Etwa 1,1 Milliarden Dollar werden in 25 Monaten verbaut.

Bereits 40 Prozent der Pipeline sind nach Angaben des Ministers fertig. Mitte nächsten Jahres könne dann das erste schwere Rohöl, durch Erhitzung auf 80 Grad ausreichend flüssig gemacht, zur Verladestation an der Küste gepumpt werden, ist sich Terán sicher. Die Erdölexporte Ecuadors, die schon jetzt 45 Prozent des Staatshaushaltes einbringen, würden sich dann auf einen Schlag mehr als verdoppeln.

Die Warnungen vor der Zerstörung einer der Schatzkammern der Evolution tut der Minister als völlig übertrieben ab. «Es kommt nur Spitzentechnologie zum Einsatz, und es gelten die strengsten internationalen Sicherheitsstandards», versichert der Ingenieur.

Aber der Teufel steckt im Detail. Während Terán zu nächtlicher Stunde vom Sicherheitsgewinn durch Glasfaserkabel, hochsensible Öldruck-Sensoren und Überwachungscomputer erzählt, fällt im Energieministerium der Strom aus. Zunächst betretenes Schweigen im Dunkeln. «Eine Kerze, aber fix», ruft der Chef und schon steht die Sekretärin mit einer brennenden Kerze bereit. Es ist offenbar nicht die erste Havarie im High-Tech-Büro und vermutlich auch nicht die letzte. Bei der alten Pipeline wurden seit der Fertigstellung 1972 insgesamt 49 schwere Öl-Unfälle bekannt.

Das wichtigste Argument der Regierung für die Erhöhung der Exportkapazität ist die Bekämpfung der bitteren Armut. Nach offiziellen Angaben sind davon 69 Prozent der etwa 12 Millionen Ecuadorianer betroffen. Die Einführung des Dollar als einzige offizielle Währung hat die Abhängigkeit von Devisen noch erhöht.

Die Überwindung der schwersten Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes und der Abbau der drückenden Auslandsschulden von 13 Milliarden Dollar sei der beste Beitrag zum Umweltschutz, sagt Terán. «Die größte Bedrohung für die Umwelt ist die Armut», betont er.

In diesem Punkt würden ihm die Umweltschützer von Accion Ecologista sogar grundsätzlich zustimmen. Nur habe die Vergangenheit bewiesen, dass die Öl-Dollar nicht bei den Armen ankämen, sagt Natalia Arias. Zudem würden die Inspektionswege entlang der Pipelines oft von illegalen Holzfällern und Siedlern genutzt.

«Mit jedem exportierten Barrel Öl gibt es zwei Korrupte mehr», bringt ein Mann bei einer Straßendiskussion die Kritik auf den Punkt. Sollten die erhofften zusätzlichen Dollarmilliarden wieder im Sumpf der Korruption versickern, sind massive soziale Proteste sicher.

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