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Schmetterlinge gegen Bulldozer: Kampf
um Öl-Pipeline in Ecuador
In den wenigen noch intakten
Bergnebelwäldern Ecuadors tobt seit Monaten ein ungleicher
Kampf um den Bau einer Öl-Pipeline.
Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa
Quito (dpa) - Schmetterlinge
gegen Bulldozer, auf diese Kurzformel ließe sich der Konflikt
bringen, bei dem sich ein Häufchen einheimischer Umweltschützer
nur mit Unterstützung einiger Gleichgesinnter vor allem aus
Deutschland gleich mit sechs multinationalen Konzernen und der
Regierung des Andenstaates angelegt hat.
«Wir werden bis zur letzten
Konsequenz kämpfen», sagt die Biochemikerin Alexandra
Almeida von der Umweltschutzgruppe «Accion Ecologista»
in der Hauptstadt Quito trotzig. Besonders umstritten ist ein
nur 3,6 Kilometer langes Teilstück durch das Schutzgebiet
Mindo- Nambillo. Die dichten Bergnebelwälder etwa 50 Kilometer
nordwestlich von Quito gehören zu den artenreichsten Regionen
der Welt.
Hunderte verschiedener Schmetterlinge,
450 Vogelarten, davon 30 nur dort lebende Vögel, und eine
noch gar nicht abschließend erforschte Fülle von Insekten,
Farnen und Lianen locken jedes Jahr mehr Öko-Touristen an.
Etwa 80 Prozent der dortigen Bevölkerung lebt inzwischen
von den Urlaubern aus aller Welt.
Immer wieder blockieren die Naturschützer
die Baustellen. Vor kurzem gelang es ihnen sogar mit Hilfe deutscher
Spendengelder, ein Grundstück für 120 000 Dollar zu
kaufen, das auf der geplanten Trasse liegt. Die Polizei hat sie
jedoch auf ihrem eigenen Grundstück festgenommen. Darunter
war auch der angehende deutsche Biologe Bernhard Vogt von der
Universität Leipzig.
Sonderlich beunruhigt wirkt Ecuadors
Energieminister Pablo Terán über die Aktionen der
Öko-Kämpfer allerdings nicht. Die Verlegung von insgesamt
503 Kilometern Röhren durch teilweise von Erdbeben und Vulkanausbrüchen
gefährdete Gebiete verläuft weitgehend nach Plan. Und
auch die Finanzierung steht Dank der Westdeutschen Landesbank
(WestLB) in Düsseldorf auf sicheren Füßen. Etwa
1,1 Milliarden Dollar werden in 25 Monaten verbaut.
Bereits 40 Prozent der Pipeline
sind nach Angaben des Ministers fertig. Mitte nächsten Jahres
könne dann das erste schwere Rohöl, durch Erhitzung
auf 80 Grad ausreichend flüssig gemacht, zur Verladestation
an der Küste gepumpt werden, ist sich Terán sicher.
Die Erdölexporte Ecuadors, die schon jetzt 45 Prozent des
Staatshaushaltes einbringen, würden sich dann auf einen Schlag
mehr als verdoppeln.
Die Warnungen vor der Zerstörung
einer der Schatzkammern der Evolution tut der Minister als völlig
übertrieben ab. «Es kommt nur Spitzentechnologie zum
Einsatz, und es gelten die strengsten internationalen Sicherheitsstandards»,
versichert der Ingenieur.
Aber der Teufel steckt im Detail.
Während Terán zu nächtlicher Stunde vom Sicherheitsgewinn
durch Glasfaserkabel, hochsensible Öldruck-Sensoren und Überwachungscomputer
erzählt, fällt im Energieministerium der Strom aus.
Zunächst betretenes Schweigen im Dunkeln. «Eine Kerze,
aber fix», ruft der Chef und schon steht die Sekretärin
mit einer brennenden Kerze bereit. Es ist offenbar nicht die erste
Havarie im High-Tech-Büro und vermutlich auch nicht die letzte.
Bei der alten Pipeline wurden seit der Fertigstellung 1972 insgesamt
49 schwere Öl-Unfälle bekannt.
Das wichtigste Argument der Regierung
für die Erhöhung der Exportkapazität ist die Bekämpfung
der bitteren Armut. Nach offiziellen Angaben sind davon 69 Prozent
der etwa 12 Millionen Ecuadorianer betroffen. Die Einführung
des Dollar als einzige offizielle Währung hat die Abhängigkeit
von Devisen noch erhöht.
Die Überwindung der schwersten
Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes und der Abbau der
drückenden Auslandsschulden von 13 Milliarden Dollar sei
der beste Beitrag zum Umweltschutz, sagt Terán. «Die
größte Bedrohung für die Umwelt ist die Armut»,
betont er.
In diesem Punkt würden ihm
die Umweltschützer von Accion Ecologista sogar grundsätzlich
zustimmen. Nur habe die Vergangenheit bewiesen, dass die Öl-Dollar
nicht bei den Armen ankämen, sagt Natalia Arias. Zudem würden
die Inspektionswege entlang der Pipelines oft von illegalen Holzfällern
und Siedlern genutzt.
«Mit jedem exportierten
Barrel Öl gibt es zwei Korrupte mehr», bringt ein Mann
bei einer Straßendiskussion die Kritik auf den Punkt. Sollten
die erhofften zusätzlichen Dollarmilliarden wieder im Sumpf
der Korruption versickern, sind massive soziale Proteste sicher.
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