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Bangladesch und Indien wollen Sunderban-Mangroven
gemeinsam schützen
Die Sunderbans an der Bucht
von Bengalen sind der größte Mangrovenwald der Welt.
Dieses einzigartige Biotop wollen Bangladesch und Indien nun mithilfe
der Vereinten Nationen gemeinsam schützen.
Von Ahmed Fazl, dpa
Dhaka (dpa) - Wenn die Sonne
scheint und das Meer ruhig ist, fährt Robi Das mit seinem
kleinen Boot zum Fischen in das Labyrinth aus Wasserarmen. Die
Sunderbans («der schöne Wald») an der Bucht von
Bengalen sind ein einzigartiges Biotop, der größte
Mangrovenwald der Welt, durchzogen von einem Gemisch aus Salz-
und Süßwasser.
Aber die Sunderbans sind bedroht.
Robi Das (35) und andere Männer aus seinem Dorf Chandpei
klagen, dass die Menge der Fische von Jahr zu Jahr kleiner wird.
Umweltschützer warnen, dass Holzfäller, die die heimischen
Sunderi-Bäume stehlen, und Wilderer dem Waldgebiet schweren
Schaden zufügen.
Nun wollen die Vereinten Nationen
helfen. Das Entwicklungsprogramm UNDP ist bereit, bei der Finanzierung
eines Projekts zum Schutz der Sunderbans einzuspringen - wenn
Indien und Bangladesch gemeinsam eine Strategie entwickeln.
Als die Briten Indien 1947 teilten,
zerschnitten sie auch Bengalen. Der Westen der Region kam als
Bundesstaat zu Indien, der Osten zu Pakistan. Der pakistanische
Teil machte sich 1971 als Bangladesch unabhängig.
Etwa 60 Prozent der Sunderbans
gehören heute zu Bangladesch, 40 Prozent zu Indien. Die Grenze
dazwischen begünstigt Holzfäller und Wilderer, die auf
der einen Seite stehlen und sich auf die andere Seite zurückziehen
können.
«Eine effektive Methode,
Wilderer von beiden Seiten zu bekämpfen, wäre ein einheitliches
Management», sagt der indische Umweltschützer A. K.
Raha. Sein Kollege aus Bangladesch sieht noch andere Felder der
Zusammenarbeit - eine Zählung der Tiere, des seltenen bengalischen
Tigers zum Beispiel.
Die Tiger sind berüchtigt,
weil sie immer wieder Menschen in ihren Booten überfallen,
Fischer und Honigsammler. Bedroht sind die Tiger durch Wilderer,
weil Pulver aus Tigerknochen in Ostasien als angebliches Potenzmittel
teuer verkauft wird.
Aber nicht nur Tiere und Pflanzen
der Sunderbans sind in Gefahr, sondern auch die 30.000 Menschen,
die in und von den Wäldern leben. Das Volk der Bawalis lebt
in winzigen Lehm- und Strohhütten und nutzt die Vielzahl
von essbaren Blättern, Gräsern, Samen, Fischen und Honig.
«Aber die übermäßige
Ausbeutung der Sunderbans, sowohl die legale wie die illegale,
haben die zerbrechliche Ökologie ruiniert», meint der
Umweltexperte Ali Reza Khan von der Universität Dhaka.
Das Schutzprogramm Indiens, Bangladeschs
und der Vereinten Nationen soll jedoch nicht gegen die Sunderban-Bewohner
durchgesetzt werden. Experten streben Projekte an, die den Bawalis
alternative Methoden für ihren Lebensunterhalt eröffnen,
Landwirtschaft mit Bewässerung durch gespeicherten Regen
zum Beispiel.
«Ziel sollte es sein, ein
Gleichgewicht zwischen dem Schutz des Naturerbes und dem Lebensunterhalt
der Menschen am Rand der Sunderbans zu finden», fordert
Shahjahan Siraj, der Umweltminister von Bangladesch.
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