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- 23.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Bangladesch und Indien wollen Sunderban-Mangroven gemeinsam schützen

Die Sunderbans an der Bucht von Bengalen sind der größte Mangrovenwald der Welt. Dieses einzigartige Biotop wollen Bangladesch und Indien nun mithilfe der Vereinten Nationen gemeinsam schützen.

Von Ahmed Fazl, dpa

Dhaka (dpa) - Wenn die Sonne scheint und das Meer ruhig ist, fährt Robi Das mit seinem kleinen Boot zum Fischen in das Labyrinth aus Wasserarmen. Die Sunderbans («der schöne Wald») an der Bucht von Bengalen sind ein einzigartiges Biotop, der größte Mangrovenwald der Welt, durchzogen von einem Gemisch aus Salz- und Süßwasser.

Aber die Sunderbans sind bedroht. Robi Das (35) und andere Männer aus seinem Dorf Chandpei klagen, dass die Menge der Fische von Jahr zu Jahr kleiner wird. Umweltschützer warnen, dass Holzfäller, die die heimischen Sunderi-Bäume stehlen, und Wilderer dem Waldgebiet schweren Schaden zufügen.

Nun wollen die Vereinten Nationen helfen. Das Entwicklungsprogramm UNDP ist bereit, bei der Finanzierung eines Projekts zum Schutz der Sunderbans einzuspringen - wenn Indien und Bangladesch gemeinsam eine Strategie entwickeln.

Als die Briten Indien 1947 teilten, zerschnitten sie auch Bengalen. Der Westen der Region kam als Bundesstaat zu Indien, der Osten zu Pakistan. Der pakistanische Teil machte sich 1971 als Bangladesch unabhängig.

Etwa 60 Prozent der Sunderbans gehören heute zu Bangladesch, 40 Prozent zu Indien. Die Grenze dazwischen begünstigt Holzfäller und Wilderer, die auf der einen Seite stehlen und sich auf die andere Seite zurückziehen können.

«Eine effektive Methode, Wilderer von beiden Seiten zu bekämpfen, wäre ein einheitliches Management», sagt der indische Umweltschützer A. K. Raha. Sein Kollege aus Bangladesch sieht noch andere Felder der Zusammenarbeit - eine Zählung der Tiere, des seltenen bengalischen Tigers zum Beispiel.

Die Tiger sind berüchtigt, weil sie immer wieder Menschen in ihren Booten überfallen, Fischer und Honigsammler. Bedroht sind die Tiger durch Wilderer, weil Pulver aus Tigerknochen in Ostasien als angebliches Potenzmittel teuer verkauft wird.

Aber nicht nur Tiere und Pflanzen der Sunderbans sind in Gefahr, sondern auch die 30.000 Menschen, die in und von den Wäldern leben. Das Volk der Bawalis lebt in winzigen Lehm- und Strohhütten und nutzt die Vielzahl von essbaren Blättern, Gräsern, Samen, Fischen und Honig.

«Aber die übermäßige Ausbeutung der Sunderbans, sowohl die legale wie die illegale, haben die zerbrechliche Ökologie ruiniert», meint der Umweltexperte Ali Reza Khan von der Universität Dhaka.

Das Schutzprogramm Indiens, Bangladeschs und der Vereinten Nationen soll jedoch nicht gegen die Sunderban-Bewohner durchgesetzt werden. Experten streben Projekte an, die den Bawalis alternative Methoden für ihren Lebensunterhalt eröffnen, Landwirtschaft mit Bewässerung durch gespeicherten Regen zum Beispiel.

«Ziel sollte es sein, ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz des Naturerbes und dem Lebensunterhalt der Menschen am Rand der Sunderbans zu finden», fordert Shahjahan Siraj, der Umweltminister von Bangladesch.


© ArtToday

Der seltene bengalische Tiger wird vor allem durch Wildererei bedroht. (Archivbild)

 Mehr Informationen:

UNEP World Conservation Monitoring Centre:
Sundarbans National Park

 

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