vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   N a t u r   &   T i e r e

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 23.05.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Schimpansen: Forscher graben «Nussknacker- Werkstatt» aus

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat in der westafrikanischen Republik Elfenbeinküste eine mehr als 100 Jahre alte «Nussknacker-Werkstatt» von Schimpansen ausgegraben.

Washington/Leipzig (dpa) - Im Boden unter Panda-Nussbäumen des Tai Nationalparks fanden sie 479 Steinstücke. Diese Splitter seien von den Schimpansen unabsichtlich produziert worden, während sie mit großen Steinen gegen Nüsse auf hölzernen Ambossen schlugen - eine Methode, die nach Beobachtung der Forscher noch heute von den Affen angewendet wird. Die Wissenschaftler aus Leipzig und Washington präsentieren ihre Funde im US-Fachjournal «Science» (Bd. 296, S. 1452) vom Freitag.

Ein faszinierender Aspekt ist nach Angaben der Wissenschaftler, dass die Größe der Steine und die Form der Splitter jenen Steinen ähneln, die urzeitliche Mensch-Verwandte (Hominiden) in Ostafrika vor 2,5 bis 2 Millionen Jahren hinterlassen haben. Einige dieser Fundstellen aus der so genannten Oldovan-Zeit könnten deshalb nach Ansicht von Boesch «Nussknackerstellen» unserer Vorfahren gewesen sein.

Beteiligt an dem Projekt waren der Primatologe Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sowie der Archäologe Julio Mercader und die Verhaltensforscherin Melissa Panger, beide von der George Washington Universität in Washington DC.

Insgesamt gruben sie etwa 40 Kilogramm Nussschalen und 4,5 Kilogramm Steinstücke in bis zu 21 Zentimetern Bodentiefe aus. Unter den Bäumen im Nationalpark werden seit vielen Jahren immer wieder Schimpansen beim Knacken von Nüssen mit Steinen und Ästen beobachtet.

Nach früheren Beobachtungen des Leipziger Forscherehepaars Christophe Boesch und Hedwige Boesch-Achermann kann ein einzelner Schimpanse bis zu 100 Nüsse pro Tag knacken.

Bis zu sieben Jahre benötige ein Affe, um perfekt zu werden im Knacken von Panda-Nüssen. Während der «Lernphase» teilten die Mütter ihre Nüsse mit den Jungen. Weibchen knacken den Forschern zufolge häufiger Nüsse als Männchen.

Während der vier Monate dauernden Nussernte arbeite ein Affe täglich bis zu zwei Stunden mit den schweren Steinwerkzeugen von 3 bis 15 Kilogramm.

Die Technik des Nussknackens, so die Wissenschaftler, scheint nur unter den Schimpansen der westlichen Elfenbeinküste, Liberias und des südlichen Guinea verbreitet zu sein.

 Mehr Informationen:

Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology, Department of Primatology

primatis.de: Schimpanse

 

 Lesen Sie auch:

Die Urmenschen stiegen nicht von den Bäumen herab

Affe und Mensch: Gene unterschiedlich aktiv

Schimpansen: Gelerntes über Generationen weitergegeben

1 Jahr «Pongoland»: Forschung in der größten Menschenaffenanlage der Welt

HIV: Immunschwächevirus in wilden Schimpansen

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung