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Schimpansen: Forscher graben «Nussknacker-
Werkstatt» aus
Ein deutsch-amerikanisches
Forscherteam hat in der westafrikanischen Republik Elfenbeinküste
eine mehr als 100 Jahre alte «Nussknacker-Werkstatt»
von Schimpansen ausgegraben.
Washington/Leipzig (dpa) - Im
Boden unter Panda-Nussbäumen des Tai Nationalparks fanden
sie 479 Steinstücke. Diese Splitter seien von den Schimpansen
unabsichtlich produziert worden, während sie mit großen
Steinen gegen Nüsse auf hölzernen Ambossen schlugen
- eine Methode, die nach Beobachtung der Forscher noch heute von
den Affen angewendet wird. Die Wissenschaftler aus Leipzig und
Washington präsentieren ihre Funde im US-Fachjournal «Science»
(Bd. 296, S. 1452) vom Freitag.
Ein faszinierender Aspekt ist
nach Angaben der Wissenschaftler, dass die Größe der
Steine und die Form der Splitter jenen Steinen ähneln, die
urzeitliche Mensch-Verwandte (Hominiden) in Ostafrika vor 2,5
bis 2 Millionen Jahren hinterlassen haben. Einige dieser Fundstellen
aus der so genannten Oldovan-Zeit könnten deshalb nach Ansicht
von Boesch «Nussknackerstellen» unserer Vorfahren
gewesen sein.
Beteiligt an dem Projekt waren
der Primatologe Christophe Boesch vom Max-Planck-Institut für
evolutionäre Anthropologie in Leipzig sowie der Archäologe
Julio Mercader und die Verhaltensforscherin Melissa Panger, beide
von der George Washington Universität in Washington DC.
Insgesamt gruben sie etwa 40
Kilogramm Nussschalen und 4,5 Kilogramm Steinstücke in bis
zu 21 Zentimetern Bodentiefe aus. Unter den Bäumen im Nationalpark
werden seit vielen Jahren immer wieder Schimpansen beim Knacken
von Nüssen mit Steinen und Ästen beobachtet.
Nach früheren Beobachtungen
des Leipziger Forscherehepaars Christophe Boesch und Hedwige Boesch-Achermann
kann ein einzelner Schimpanse bis zu 100 Nüsse pro Tag knacken.
Bis zu sieben Jahre benötige
ein Affe, um perfekt zu werden im Knacken von Panda-Nüssen.
Während der «Lernphase» teilten die Mütter
ihre Nüsse mit den Jungen. Weibchen knacken den Forschern
zufolge häufiger Nüsse als Männchen.
Während der vier Monate
dauernden Nussernte arbeite ein Affe täglich bis zu zwei
Stunden mit den schweren Steinwerkzeugen von 3 bis 15 Kilogramm.
Die Technik des Nussknackens,
so die Wissenschaftler, scheint nur unter den Schimpansen der
westlichen Elfenbeinküste, Liberias und des südlichen
Guinea verbreitet zu sein.
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