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- 16.05.2002 -

 

 

 

 

 

 


 

Rätsel: Bienen füttern gefangene Parasiten

Der Stockkäfer fällt in Bienenstöcke ein und plündert dort die Vorräte. Die Bienen wehren sich indem sie den Parasiten einsperren - den Hungertod braucht der Eindringling jedoch nicht zu fürchten.

(jkm) - Nordamerikas Bienen haben es schwer. Anfang der 90er Jahre wanderte der südafrikanische kleine Stockkäfer ein, der sich seitdem zur wahren Plage auf dem ganzen Kontinent entwickelt hat. Der Stockkäfer (Aethina tumida) fällt in Bienenstöcke ein und plündert die Vorräte an Pollen und Honig. Selbst über die Larven macht sich der Allesfresser her.

Die Bienen können die Käfer weder töten noch vertreiben, doch mit vereinten Kräften gelingt es den Arbeiterinnen wenigstens, die ungebetenen Besucher in spezielle Gefängnis-Waben einzusperren. Wächter wachen rund um die Uhr, damit die Käfer ihre Zellen nicht wieder verlassen.

Doch warum übersteht der Parasit monatelange Haft, ohne zu verhungern? Insektenforscher der Rhodes University im südafrikanischen Grahamstown haben jetzt zusammen mit amerikanischen Kollegen die Antwort gefunden.

Wie sie im Magazin "Naturwissenschaften" berichten, lassen sich die Parasiten von ihren Wächtern füttern. Sie kitzeln die Wächter mit ihren Antennen, ganz so, wie es die Bienen untereinander auch tun. Der Fütterungsreiz veranlasst die Bienen, kleine Tropfen Honig zu erbrechen.

Die Forscher konnten den Vorgang beweisen, indem sie die betroffenen Gefängniszellen mit Videokameras beobachteten. Gleichzeitig gaben sie ihren Laborbienen Farbstoffe ins Futter. Innerhalb eines Tages war der Farbstoff auch in den Käfern nachweisbar - ein Beleg, dass die Parasiten von ihren Wächtern Futter erhalten hatten.

Jetzt rätseln die Forscher, ob ihnen ein möglicher Zweck der Fütterung entgangensein könnte. Sie spekulieren, die Versorgung der Gefangenen müsse den Bienen einen Nutzen bringen. Denn bisher sind kaum Fälle bekannt, in denen Tiere so selbstlos sind, Vertreter einer fremden Art ohne Hintergedanken zu versorgen.

Zumindest für den Käfer kann es sich auszahlen, geduldig in der Zelle zu warten, denn Bienen wechseln öfters ihren Stammsitz. Verlassen sie den Stock zugunsten eines Neubaus, sind die zurückgelassenen Gefangenen die ersten Insekten, die sich über die Reste hermachen können.

 Mehr Informationen:

nature science update

Zum Stockkäfer

hive beetle

vista verde: Insekten

 

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