|
Rätsel: Bienen füttern gefangene
Parasiten
Der Stockkäfer fällt
in Bienenstöcke ein und plündert dort die Vorräte.
Die Bienen wehren sich indem sie den Parasiten einsperren - den
Hungertod braucht der Eindringling jedoch nicht zu fürchten.
(jkm) - Nordamerikas Bienen haben
es schwer. Anfang der 90er Jahre wanderte der südafrikanische
kleine Stockkäfer ein, der sich seitdem zur wahren Plage
auf dem ganzen Kontinent entwickelt hat. Der Stockkäfer (Aethina
tumida) fällt in Bienenstöcke ein und plündert
die Vorräte an Pollen und Honig. Selbst über die Larven
macht sich der Allesfresser her.
Die Bienen können die Käfer
weder töten noch vertreiben, doch mit vereinten Kräften
gelingt es den Arbeiterinnen wenigstens, die ungebetenen Besucher
in spezielle Gefängnis-Waben einzusperren. Wächter wachen
rund um die Uhr, damit die Käfer ihre Zellen nicht wieder
verlassen.
Doch warum übersteht der
Parasit monatelange Haft, ohne zu verhungern? Insektenforscher
der Rhodes University im südafrikanischen Grahamstown haben
jetzt zusammen mit amerikanischen Kollegen die Antwort gefunden.
Wie sie im Magazin "Naturwissenschaften"
berichten, lassen sich die Parasiten von ihren Wächtern füttern.
Sie kitzeln die Wächter mit ihren Antennen, ganz so, wie
es die Bienen untereinander auch tun. Der Fütterungsreiz
veranlasst die Bienen, kleine Tropfen Honig zu erbrechen.
Die Forscher konnten den Vorgang
beweisen, indem sie die betroffenen Gefängniszellen mit Videokameras
beobachteten. Gleichzeitig gaben sie ihren Laborbienen Farbstoffe
ins Futter. Innerhalb eines Tages war der Farbstoff auch in den
Käfern nachweisbar - ein Beleg, dass die Parasiten von ihren
Wächtern Futter erhalten hatten.
Jetzt rätseln die Forscher,
ob ihnen ein möglicher Zweck der Fütterung entgangensein
könnte. Sie spekulieren, die Versorgung der Gefangenen müsse
den Bienen einen Nutzen bringen. Denn bisher sind kaum Fälle
bekannt, in denen Tiere so selbstlos sind, Vertreter einer fremden
Art ohne Hintergedanken zu versorgen.
Zumindest für den Käfer
kann es sich auszahlen, geduldig in der Zelle zu warten, denn
Bienen wechseln öfters ihren Stammsitz. Verlassen sie den
Stock zugunsten eines Neubaus, sind die zurückgelassenen
Gefangenen die ersten Insekten, die sich über die Reste hermachen
können.
|