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- 14.05.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Jagd auf Babys im Bambus:
Wilderer töteten zwei Berggorillas

Auf ihrer Jagd nach Jungtieren haben Wilderer in Ruanda zwei Berggorillas getötet. Sie sollen einem kriminellen Ring angehören, deren Ziel es sei, Baby-Gorillas zu fangen und zu verkaufen.

Von Antje Passenheim, dpa

Nairobi (dpa) - Die Killer kamen kurz vor Anbruch der Nacht. Auf ihrer Jagd nach Gorilla-Babys im Dickicht der ruandischen Bergwälder töteten sie skrupellos. Um mit einem Jungen zu entkommen, metzelten die Wilderer zwei weibliche Tiere der vom Aussterben bedrohten Spezies nieder. Nach dem ersten Fall von kommerzieller Gorilla-Wilderei in Ruanda seit 1985 sind die Behörden des ostafrikanischen Landes alarmiert.

«Wir gehen davon aus, dass es sich um einen ganzen Wildererring handelt», sagte ein Sprecher der Tourismusbehörde am Dienstag in der Hauptstadt Kigali. Die Polizei verhöre derzeit zwei Männer. «Bei der kleinen Population von Berggorillas, die uns noch erhalten ist, ist der Verlust von zwei Tieren beträchtlich.»

In den Regenwäldern der Virunga-Vulkanberge zwischen Ruanda, Uganda und Kongo lebt nach Informationen des Dian Fossey Gorilla Fonds rund die Hälfte der weltweit 650 Berggorillas. Etwa 300 weitere gibt es im ugandischen Bwindi-Nationalpark.

Mithilfe des 1967 von der Primatenforscherin Fossey gegründeten Karisoke Research Centres in der ruandischen Ortschaft Ruhengeri und der strikten Regierung Ruandas konnte die Wilderei dort in den letzten 17 Jahren eingedämmt werden. Während der Verzehr von Primatenfleisch von Gabun bis Kongo noch immer verbreitet ist, ist er in Ostafrika ein Tabu, ebenso wie der Handel mit lebenden Gorillas oder Jagdtrophäen wie Händen oder Füßen.

Gut ausgebildete, bewaffnete Ranger sind zum Schutz der Wälder abgestellt. «Die Ruander sind stolz auf den Bestand ihrer Giganten», sagt der Vertreter der Tourismusbehörde. Tausende Besucher aus aller Welt strömen jährlich in die Virunga-Berge, um sie in Begleitung strenger Ranger einmal aus der Nähe zu betrachten. Für eine Stunde bei den Gorillas zahlen sie umgerechnet rund 250 Euro.

Doch die Bürgerkriege der Region der großen Seen ließen nicht nur den Tourismus einknicken, sondern stellen zusätzliche Gefahren für den bedrohten Gorilla-Bestand dar. Während Milizkämpfer die Wälder verunsichern, bedrohen die Bodenschatz-Plünderer des Ostkongo den Gorillabestand mit ihren Koltan- und Kupferminen.

Tausende Hutu-Milizkämpfer, die 1994 als Völkermörder aus Ruanda nach Kongo geflüchtet waren, sind zudem in die ruandischen Wälder zurückgekehrt. Durch ihre Ansiedlung im Lebensraum der Primaten richteten sie bereits viel Zerstörung an.

Im vergangenen Jahr töteten ausgehungerte Rebellen in den Virunga-Bergen zwei ausgewachsene männliche Gorillas, um ihr Fleisch zu verzehren. Ein Kampfgefährte war derart schockiert, dass er zur ruandischen Regierungsarmee überlief. «Wie kann man nur einen alten Herren verspeisen?» fragte Innocent Kaganga verstört. Er fürchtete, seine Kumpanen könnten sich das nächste Mal ebenso über ihn hermachen.

Ein anderer Gorilla wiederum verlor sein Leben, weil er zur falschen Minute am falschen Ort saß. Der Schütze hatte den Gorilla fälschlicherweise für einen Guerilla gehalten.


© ArtToday

Weltweit gibt es nur noch rund 650 Berggorillas (Archivbild).

 Mehr Informationen:

The Dian Fossey Gorilla Fund

Markus Kappeler: Gorillas

Berggorilla & Regenwald Direkthilfe

Bushmeat-Kampagne

 

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