vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   N a t u r   &   T i e r e

News - Seite 1Politik
Natur und Tiere
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 03.05.2002 -


 

Naturschutz: Populationen statt Arten zählen

Das Ausmaß des globalen Artensterbens ist sehr viel verheerender, als es Auflistungen verloren gegangener Arten vermuten lassen. In der Vergangenheit haben 173 Säugerarten mehr als zwei Drittel ihrer Populationen eingebüßt - vorsichtig geschätzt.

(jkm) - Die Auslöschung von Populationen sei ein besserer Maßstab für den Verlust an biologischem Kapital als der Verlust von Arten, schreiben die Biologen Gerardo Ceballos von der Universidad Autonoma de Mexico und Paul Ehrlich von der Stanford University im Magazin "Science". "Denn viele der Arten, die einen bedeutenden Teil ihrer Populationen verloren haben [...], werden auf globaler Ebene nicht aussterben und daher auch nicht in den entsprechenden Statistiken auftauchen."

Die Forscher sammelten historische und neuere Daten über die Verbreitungsgebiete von Landsäugetieren, die derzeit einen Rückgang erleiden. Mit 173 Arten von allen Kontinenten außer der Antarktis umfasst die Liste etwa vier Prozent der circa 4.650 bekannten Säugerarten. Nach der Digitalisierung der Daten berechneten die Biologen dann die Fläche der modernen und historischen Verbreitungsgebiete sowie den relativen Flächenverlust seit dem 19. Jahrhundert.

Wie Ceballos und Ehrlich schreiben, haben die untersuchten Arten im Schnitt 68 Prozent ihrer einstigen Verbreitungsfläche verloren. Die Zahlen reichen von 3 bis 100 Prozent. Beispielsweise komme der südostasiatische Davidhirsch oder Milu (Elaphurus davidianus) heute nur noch in Gefangenschaft vor, während Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) die menschlichen Eingriffe in ihren Lebensraum relativ gut tolerierten und etwa 14 Prozent ihrer einstigen Fläche verloren hätten.

Die meisten Populationen sind in dicht besiedelten oder intensiv bewirtschafteten Regionen wie dem Osten der Vereinigten Staaten oder der argentinischen Pampa verloren gegangen. Auch in dünn besiedelten Gebieten wie der Sahara haben die Säuger jedoch Verluste erlitten. Schuld sind hier die Jagd - sei es zur Ernährung oder als Sport - und die Konkurrenz mit Vieh um die ohnehin kargen Ressourcen.

In Europa scheint die Lage zunächst weniger klar. Vermutlich sind die meisten Säuger hier aber so früh ausgerottet worden, dass sie in den Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert nicht mehr auftauchen - wie beispielsweise Wolf oder Braunbär.

Ceballos und Ehrlich schätzen, dass sämtliche Säugerarten mindestens zwei Prozent ihrer Populationen verloren haben - der Anteil der weltweit ausgestorbenen Säugerarten wird auf rund 1,8 Prozent geschätzt. Die Biologen betonen jedoch, dass der wahre Populationsverlust vermutlich bis zu fünfmal höher liegt.

Selbst bei einer "Prestige"-Art wie dem Tiger sei die Verbreitungsfläche nicht genau bekannt, und trotz starker Fragmentierung würden die Lebensräume vieler Arten in offiziellen Dokumenten immer noch als zusammenhängende Gebiete aufgeführt.

"Zu Recht hat der Verlust der Artenvielfalt in der Öffentlichkeit und bei Politikern viel Beachtung gefunden ", schreiben die Forscher. "Jetzt ist es an Umweltwissenschaftlern, auch dem Verlust an Populations-Vielfalt zu Aufmerksamkeit zu verhelfen."


© ArtToday

Selbst bei einer "Prestige"-Art wie dem Tiger ist die Verbreitungsfläche nicht genau bekannt.

 Mehr Informationen:

Stanford University

Stanford University, Center for Conservation Biology

Instituto de Ecología, U.N.A.M.

Kampagne "Leben braucht Vielfalt"

vista verde: Biodiversität

 

 Lesen Sie auch:

Insekten: Weniger Arten als gedacht

Artensterben: Sympathieträger leben länger

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung