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China: Schlimmste Sandstürme seit
40 Jahren
Die Hälfte der Volksrepublik
und fast alle Provinzen nördlich des Jangtse-Stromes waren
Ende März vom stärksten Sandsturm seit 40 Jahren betroffen.
Ursache ist immer schnellere Wüstenbildung.
Von Andreas Landwehr, dpa
Peking (dpa) - Der Himmel verfärbt
sich apokalyptisch gelb-grau. Es wird dunkel. Plötzlich kommt
heftiger Wind auf, schüttelt die Bäume und fegt dann
dichten Staub und Sand durch die Straßen Pekings. Die Glitzerfassaden
der Hochhäuser sind kaum noch zu erkennen. Autos schalten
die Lichter ein. Menschen halten sich Tücher vor Mund und
Nase, eilen mit brennenden Augen nach Hause. «Shachenbao»,
sagen die Pekinger: Sandsturm. Nicht ungewöhnlich im Frühjahr
in Nordchina, doch in diesem Jahr ist es besonders schlimm.
«Es ist nicht verkehrt
zu sagen, dass es die schlimmsten Sandstürme seit 40 Jahren
sind», sagt Dong Xuhui von der zuständigen Projektgruppe
des Umweltamtes (SEPA). Die Hälfte der Volksrepublik und
fast alle Provinzen nördlich des Jangtse-Stromes waren Ende
März vom stärksten Sandsturm dieses Frühjahrs betroffen.
Auch Südkorea und Japan klagen über den «Gelben
Staub», der von China zu ihnen herüberweht und selbst
die südkoreanische Hauptstadt Seoul einhüllte.
Ursache ist immer schnellere
Wüstenbildung. Nach jüngsten Angaben verwandeln sich
heute in China jedes Jahr 3436 Quadratkilometer Land in Wüste
- mit stark wachsender Tendenz. So wurde diese Zahl seit Ende
der 90er Jahre um 1000 Quadratkilometer nach oben korrigiert.
In den 50er Jahren waren es erst 1560 Quadratkilometer, die jährlich
verloren gingen. Selbst vor den Toren der chinesischen Hauptstadt
bilden sich Sanddünen, die immer näher rücken.
Zwar beginnen Sandstürme
oft in der Mongolei oder auch Kasachstan, bilden sich aber erst
so richtig über den Wüsten und trockenen Regionen im
Westen und Norden Chinas, vor allem in der Inneren Mongolei. Knapp
ein Fünftel Chinas (18 Prozent) oder 1,74 Millionen Quadratkilometer
sind heute schon Wüste.
Davon sind zwei Drittel natürliche
Wüsten wie die Taklamakan oder Gobi, ein Drittel aber haben
sich durch menschliche Aktivitäten gebildet. Das UN-Wüstensekretariat
schätzt den wirtschaftlichen Verlust auf jährlich 6,5
Milliarden US-Dollar (7 Milliarden Euro).
«Die Zunahme der Bevölkerung
und ihr Druck auf das Land sind direkte Ursachen der Wüstenbildung»,
stellt das Informationsnetzwerk für Wüstenbildung in
China fest. Mit nur 7 Prozent der verfügbaren landwirtschaftlichen
Nutzflüche muss China immerhin 22 Prozent der Weltbevölkerung
ernähren.
Der Boden gibt nicht genug her
für die Menschen, die auf ihm leben. Viel zu viel Feuerholz
wird geschlagen. Das Land wird überkultiviert. Viel zu steile
Hänge werden noch bebaut. Überweidung lässt Weideland
veröden und verwüsten. Am Ende frisst das Vieh selbst
die Wurzeln weg.
Zusätzlich werden auch klimatische
Gründe angeführt. Trockenheit, höheren Temperaturen
und stärkere Winde deuten für einige Experten darauf
hin, dass auch die globale Erwärmung ihren Teil beiträgt.
In der Mongolei wurden hohe Windgeschwindigkeiten
von 40 Metern die Sekunde früher alle fünf bis sechs
Jahre registriert. In den 90er Jahren war es schon ein Mal, heute
bereits zwei- bis drei Mal im Jahr.
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