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- 24.04.2002 -

 

 

 

 

 

 

 


 

China: Schlimmste Sandstürme seit 40 Jahren

Die Hälfte der Volksrepublik und fast alle Provinzen nördlich des Jangtse-Stromes waren Ende März vom stärksten Sandsturm seit 40 Jahren betroffen. Ursache ist immer schnellere Wüstenbildung.

Von Andreas Landwehr, dpa

Peking (dpa) - Der Himmel verfärbt sich apokalyptisch gelb-grau. Es wird dunkel. Plötzlich kommt heftiger Wind auf, schüttelt die Bäume und fegt dann dichten Staub und Sand durch die Straßen Pekings. Die Glitzerfassaden der Hochhäuser sind kaum noch zu erkennen. Autos schalten die Lichter ein. Menschen halten sich Tücher vor Mund und Nase, eilen mit brennenden Augen nach Hause. «Shachenbao», sagen die Pekinger: Sandsturm. Nicht ungewöhnlich im Frühjahr in Nordchina, doch in diesem Jahr ist es besonders schlimm.

«Es ist nicht verkehrt zu sagen, dass es die schlimmsten Sandstürme seit 40 Jahren sind», sagt Dong Xuhui von der zuständigen Projektgruppe des Umweltamtes (SEPA). Die Hälfte der Volksrepublik und fast alle Provinzen nördlich des Jangtse-Stromes waren Ende März vom stärksten Sandsturm dieses Frühjahrs betroffen. Auch Südkorea und Japan klagen über den «Gelben Staub», der von China zu ihnen herüberweht und selbst die südkoreanische Hauptstadt Seoul einhüllte.

Ursache ist immer schnellere Wüstenbildung. Nach jüngsten Angaben verwandeln sich heute in China jedes Jahr 3436 Quadratkilometer Land in Wüste - mit stark wachsender Tendenz. So wurde diese Zahl seit Ende der 90er Jahre um 1000 Quadratkilometer nach oben korrigiert. In den 50er Jahren waren es erst 1560 Quadratkilometer, die jährlich verloren gingen. Selbst vor den Toren der chinesischen Hauptstadt bilden sich Sanddünen, die immer näher rücken.

Zwar beginnen Sandstürme oft in der Mongolei oder auch Kasachstan, bilden sich aber erst so richtig über den Wüsten und trockenen Regionen im Westen und Norden Chinas, vor allem in der Inneren Mongolei. Knapp ein Fünftel Chinas (18 Prozent) oder 1,74 Millionen Quadratkilometer sind heute schon Wüste.

Davon sind zwei Drittel natürliche Wüsten wie die Taklamakan oder Gobi, ein Drittel aber haben sich durch menschliche Aktivitäten gebildet. Das UN-Wüstensekretariat schätzt den wirtschaftlichen Verlust auf jährlich 6,5 Milliarden US-Dollar (7 Milliarden Euro).

«Die Zunahme der Bevölkerung und ihr Druck auf das Land sind direkte Ursachen der Wüstenbildung», stellt das Informationsnetzwerk für Wüstenbildung in China fest. Mit nur 7 Prozent der verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzflüche muss China immerhin 22 Prozent der Weltbevölkerung ernähren.

Der Boden gibt nicht genug her für die Menschen, die auf ihm leben. Viel zu viel Feuerholz wird geschlagen. Das Land wird überkultiviert. Viel zu steile Hänge werden noch bebaut. Überweidung lässt Weideland veröden und verwüsten. Am Ende frisst das Vieh selbst die Wurzeln weg.

Zusätzlich werden auch klimatische Gründe angeführt. Trockenheit, höheren Temperaturen und stärkere Winde deuten für einige Experten darauf hin, dass auch die globale Erwärmung ihren Teil beiträgt.

In der Mongolei wurden hohe Windgeschwindigkeiten von 40 Metern die Sekunde früher alle fünf bis sechs Jahre registriert. In den 90er Jahren war es schon ein Mal, heute bereits zwei- bis drei Mal im Jahr.


© dpa

Ein Sandsturm, der vorher schon den Norden Chinas traf, hüllt den größten Teil der südkoreanischen Hauptstadt Seoul in einen braun-gelben Dunst (Archivbild vom 21. März 2002).

 Mehr Informationen:

Desertification Information Network of China

vista verde: Desertifikation

 

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