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Meere: Müll als Transportmittel
für tierische Invasoren
Im Meer treibender Zivilisationsmüll
wird von zahlreichen Arten als Transportmittel benutzt, berichtet
ein irischer Zoologe. Besonders für die empfindlichen Ökosysteme
der Polargebiete könnten die eingeschleppten Arten eine Gefahr
darstellen.
(jkm) - Vor allem Moostierchen
und Entenmuscheln siedeln sich demnach bereitwillig auf Plastikabfällen
an und treiben darauf neuen Lebensräumen entgegen. Vor allem
für die Polargebiete könnte die Ankunft der fremden
Arten verheerend sein.
David Barnes von der Cork College
University und vom British Antarctic Survey untersuchte Treibgut,
das an den Küsten von 30 Inseln angespült worden war.
Das geographische Gebiet reichte von Spitzbergen im Nordpolarmeer
über die Azoren bis zu Signey Island vor der antarktischen
Halbinsel.
Menschliche Abfälle, vor
allem Plastikmüll aus der Fischerei, machten 20 bis 80 Prozent
des Treibguts aus. Zwar wird in südlichen Breiten mit ihrer
spärlichen menschlichen Besiedlung insgesamt nur wenig Treibgut
menschlichen Ursprungs angespült, berichtet der Forscher
im Magazin "Nature". Da es dort aber auch nur wenige
Wälder und damit natürliches Treibgut gibt, fällt
der relative menschliche Beitrag in dieser Zone besonders hoch
aus.
Vor allem zwischen 60 Grad nördlicher
und südlicher Breite dient das Treibgut als Siedlungsgrundlage
für Vertreter aus zahlreichen Tiergruppen, berichtet Barnes.
Darunter waren Moostierchen, Krebse aus der Gruppe der Entenmuscheln
und Seepocken, Polypen sowie Schnecken und Muscheln nutzen die
Mitfahrgelegenheiten. Und vor allem bei Arten ohne spezielle Verbreitungsstadien
oder mit nur kurzlebigen Larven könnten die Treibgutstücke
entscheidend zur Ausbreitung beitragen, glaubt der Forscher.
Seinen Berechnungen zufolge hat
der Zivilisationsmüll das Ausbreitungspotenzial insgesamt
mehr als verdoppelt, in arktischen und antarktischen Breiten sogar
verdreifacht. Gerade für die alten und empfindlichen Lebensgemeinschaften
der Antarktis könnten die auf den künstlichen Flößen
eingeschleppten Arten eine Gefahr darstellen.
Noch werde ihr Eindringen durch
niedrige Temperaturen und Seeeis behindert. Klimamodelle sagen
jedoch voraus, dass die Temperaturen im südlichen Ozean in
den nächsten einhundert Jahren um zwei Grad Celsius ansteigen
werden.
"Manche der in der Antarktis
einheimischen Meeresbewohner scheinen selbst auf kleine Temperaturänderungen
sehr empfindlich zu reagieren", erläutert Barnes. "Wenn
fremde Arten in die Region gelangen, können sie diese Ökosysteme
drastisch und unwiderruflich verändern."
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