|
Tierschmuggel: «Die Todesrate
liegt bei 90 Prozent»
Mehr als 14.000 artgeschützte
Tiere und Pflanzen wurden bei Zollkontrollen am Frankfurter Flughafen
im vergangenen Jahr sichergestellt. Der Rhein-Main-Flughafen gilt
als wichtige Drehscheibe im internationalen Tierschmuggel.
Von Christopher Kellner, dpa
Frankfurt/Main (dpa) - Eingelegte
Königs-Kobras, der Oberschenkelknochen eines Elefanten, der
Panzer einer Suppenschildkröte, zwei Koffer mit 1321 Vogelspinnen
- die Liste der bei Zollkontrollen am Frankfurter Flughafen beschlagnahmten
Tiere und Tierpräparate ist lang.
Über 14.000 Stück haben
die Ermittler 2001 den Schmugglern abgenommen - nach Darstellung
der Zollfahndung ein erneuter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.
«Aber die Zahl der
professionellen, organisierten Tierschmuggler steigt», sagte
der Frankfurter Zollfahnder Ralf Simon am Donnerstag. Der Rhein-Main-Flughafen
gilt als wichtige Drehscheibe im internationalen Tierschmuggel.
Todesrate liegt bei 90 Prozent
Simon kann Horrorgeschichten
von den Praktiken der Tierschmuggler erzählen: Schlangen
wurden in Videokassetten-Hüllen gestopft, Warane in Frachtkisten
gepfercht. Rund 8600 Tiere waren trotz der grausamen Behandlung
durch die Schmuggler noch am Leben. Aber die meisten der oft in
ihrer Heimat vom Aussterben bedrohten Tiere überstanden die
lange Reise nicht. «Die Todesrate liegt bei 90 Prozent»,
lautet die bittere Erkenntnis der Zollfahnder.
Ein spektakulärer Fall sorgte
im Mai 2001 für Aufregung am Frankfurter Flughafen: Im aufgebenen
Gepäck einer Nigerianerin wurden zunächst 52 Papageien
entdeckt, bis auf einen alle tot. Im Handgepäck der Schmugglerin
fanden die Zöllner aber noch eine weitaus beunruhigendere
Fracht: zehn Mona-Meerkatzen, mögliche Überträger
des Ebola-Virus und des Lassa-Fiebers. Erst nach umfangreichen
Untersuchungen der Tiere und Desinfizierung des Flughafengebäudes
konnte Entwarnung gegeben werden.
Sechs der Tiere überlebten
und fanden im Leipziger Zoo ein neues Heim. Nach Darstellung Simons
war das nicht der einzige Fall, in dem die Tierschmuggler Passagiere
und Personal gefährdeten. Giftige Schlangen und Spinnen bissen
und stachen schon öfter zu - «meistens trifft es aber
die Schmuggler selbst», erzählt Simon mit einem grimmigen
Lächeln.
Enorme Gewinnspannen
Das Gewinnspannen im Tierschmuggel-Geschäft
sind laut Zoll enorm. Die meiste «Ware» kommt Entwicklungsländern
mit extrem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen. Die Papageien im Gepäck
der Nigerianerin hätten beim Verkauf jeweils 250 Euro, die
Affen 2500 Euro eingebracht. Das Horn eines Nashorns, das die
Fahnder in einer Gipsstatue aus Südafrika entdeckten, hat
einen Marktwert von rund 250.000 Euro - zu Pulver zermahlen wird
es als Aphrodisiakum verkauft.
«Der Trend zu Naturprodukten
und das Interesse vieler Menschen in den Industrienationen an
fernöstlicher Heilkunst hat den Handel mit "Heilmitteln"
aus Tieren sprunghaft ansteigen lassen», berichtet Simon.
Die eingelegten Königskobras sollen beispielsweise angeblich
der Gesundheit förderlich sein. Die beschlagnahmten Präparate
vernichtet der Zoll oder gibt sie Forschern zur Untersuchung.
Die Zahl der Urlauber, die mit
ihren Souvenirs gegen die Artenschutzbestimmungen verstoßen,
sei in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Die Beamten stellten
aber eine wachsende Zahl organisierter Täter fest.
Fanatische Sammler, mittellose
Boten oder Profi-Schmuggler - die Täterprofile sind weit
gestreut. Wer in Deutschland erwischt wird, muss mit einer Haftstrafe
zwischen drei und fünf Jahren rechnen.
|