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- 18.04.2002 -

 

 

 

 

 


 

Tierschmuggel: «Die Todesrate liegt bei 90 Prozent»

Mehr als 14.000 artgeschützte Tiere und Pflanzen wurden bei Zollkontrollen am Frankfurter Flughafen im vergangenen Jahr sichergestellt. Der Rhein-Main-Flughafen gilt als wichtige Drehscheibe im internationalen Tierschmuggel.

Von Christopher Kellner, dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Eingelegte Königs-Kobras, der Oberschenkelknochen eines Elefanten, der Panzer einer Suppenschildkröte, zwei Koffer mit 1321 Vogelspinnen - die Liste der bei Zollkontrollen am Frankfurter Flughafen beschlagnahmten Tiere und Tierpräparate ist lang.

Über 14.000 Stück haben die Ermittler 2001 den Schmugglern abgenommen - nach Darstellung der Zollfahndung ein erneuter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. «Aber die Zahl der professionellen, organisierten Tierschmuggler steigt», sagte der Frankfurter Zollfahnder Ralf Simon am Donnerstag. Der Rhein-Main-Flughafen gilt als wichtige Drehscheibe im internationalen Tierschmuggel.

Todesrate liegt bei 90 Prozent

Simon kann Horrorgeschichten von den Praktiken der Tierschmuggler erzählen: Schlangen wurden in Videokassetten-Hüllen gestopft, Warane in Frachtkisten gepfercht. Rund 8600 Tiere waren trotz der grausamen Behandlung durch die Schmuggler noch am Leben. Aber die meisten der oft in ihrer Heimat vom Aussterben bedrohten Tiere überstanden die lange Reise nicht. «Die Todesrate liegt bei 90 Prozent», lautet die bittere Erkenntnis der Zollfahnder.

Ein spektakulärer Fall sorgte im Mai 2001 für Aufregung am Frankfurter Flughafen: Im aufgebenen Gepäck einer Nigerianerin wurden zunächst 52 Papageien entdeckt, bis auf einen alle tot. Im Handgepäck der Schmugglerin fanden die Zöllner aber noch eine weitaus beunruhigendere Fracht: zehn Mona-Meerkatzen, mögliche Überträger des Ebola-Virus und des Lassa-Fiebers. Erst nach umfangreichen Untersuchungen der Tiere und Desinfizierung des Flughafengebäudes konnte Entwarnung gegeben werden.

Sechs der Tiere überlebten und fanden im Leipziger Zoo ein neues Heim. Nach Darstellung Simons war das nicht der einzige Fall, in dem die Tierschmuggler Passagiere und Personal gefährdeten. Giftige Schlangen und Spinnen bissen und stachen schon öfter zu - «meistens trifft es aber die Schmuggler selbst», erzählt Simon mit einem grimmigen Lächeln.

Enorme Gewinnspannen

Das Gewinnspannen im Tierschmuggel-Geschäft sind laut Zoll enorm. Die meiste «Ware» kommt Entwicklungsländern mit extrem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen. Die Papageien im Gepäck der Nigerianerin hätten beim Verkauf jeweils 250 Euro, die Affen 2500 Euro eingebracht. Das Horn eines Nashorns, das die Fahnder in einer Gipsstatue aus Südafrika entdeckten, hat einen Marktwert von rund 250.000 Euro - zu Pulver zermahlen wird es als Aphrodisiakum verkauft.

«Der Trend zu Naturprodukten und das Interesse vieler Menschen in den Industrienationen an fernöstlicher Heilkunst hat den Handel mit "Heilmitteln" aus Tieren sprunghaft ansteigen lassen», berichtet Simon. Die eingelegten Königskobras sollen beispielsweise angeblich der Gesundheit förderlich sein. Die beschlagnahmten Präparate vernichtet der Zoll oder gibt sie Forschern zur Untersuchung.

Die Zahl der Urlauber, die mit ihren Souvenirs gegen die Artenschutzbestimmungen verstoßen, sei in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Die Beamten stellten aber eine wachsende Zahl organisierter Täter fest.

Fanatische Sammler, mittellose Boten oder Profi-Schmuggler - die Täterprofile sind weit gestreut. Wer in Deutschland erwischt wird, muss mit einer Haftstrafe zwischen drei und fünf Jahren rechnen.


© dpa

Vom Zoll beschlagnahmt wurde auch diese aus einem Stoßzahn geschnitzte Elefantenfigur, die auf dem Schwarzmarkt einen Wert von mehreren zehntausend Euro besitzt.


 Mehr Informationen:

ZGAP

vista verde: Artenschutz

 

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