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- 16.04.2002 -


 

Argentinische Ameisen erobern Europa

Entlang der Mittelmeerküste haben Forscher eine riesige Kolonie argentinischer Ameisen entdeckt - auf einer Fläche von rund 6.000 Kilometern. Die ursprünglich dort vorkommenden Arten sind inzwischen fast vollkommen verschwunden.

(jkm) - Einigkeit macht stark. Diese Erkenntnis gilt besonders für Insektenvölker. Bei argentinischen Ameisen zeigt sich die Einigkeit darin, dass sie auf Artgenossen verwandter Kolonien äußerst friedfertig reagieren. Mit dieser Taktik haben sie sich die Mittelmeer-Region auf rund 6.000 Kilometern Fläche erobert. Schweizer Biologen sprechen jetzt von einer einzigen großen "Superkolonie".

Die Biologen um Laurent Keller von der Universität Lausanne hatten im gesamten Mittelmeerraum argentinische Ameisen (Linepithema humile) eingesammelt. In ihrem Labor ließen sie dann Tiere aus dem Nordwesten Italiens, der französischen Südküste, der iberischen Halbinsel und dem Nordwesten Spaniens auf einander los. Doch was bei den Ameisen in Argentinien zu tödlichen Auseinandersetzungen führt, ließ die friedlichen europäischen Verwandten nicht aus der Ruhe kommen.

Damit bestätigten die Forscher für Europa, was vor zwei Jahren schon US-Biologen für Nordamerika ermittelt hatten: Die argentinischen Einwanderer verstehen sich als eine große Familie, angegriffen werden nur andere Arten. Mit diesem Vorgehen sind die Insekten so erfolgreich, dass die ursprünglich im Mittelmeerraum vorkommenden Arten inzwischen fast vollkommen verschwunden sind.

Die Biologen vermuten, dass sich die argentinischen Ameisen genetisch stärker ähneln als dies bei anderen Arten der Fall ist. Treffen sie auf eine Kolonie von Artgenossen, nehmen sie deren Geruch offenbar als den eigenen wahr. Wie den Invasoren, die wohl in den letzten 20er Jahren zufällig per Schiff einreisten, begegnet werden könnte, ist unklar.

Vor zwei Jahren hatte Neil Tsutsui von der University of California mit Blick auf vergleichbare US-Verhältnisse vorgeschlagen, "frische" Ameisenstämme aus Argentinien zu importieren. Dort ist die genetische Verwandtschaft weniger stark ausgeprägt; einzelne Völker kämpfen um jeden Meter Boden und halten sich so gegenseitig in Schach.

 Mehr Informationen:

Nature Science Update

Linepithema humile: Kurzinfo - Verbreitung

vista verde: Neozoen / Invasive Arten

 

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