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- 11.04.2002 -


 

Kohlendioxid: Regenwälder atmen durch Flüsse aus

Die Wälder der Erde werden den Klimawandel nicht so effektiv eindämmen wie erhofft: Einer neuen Untersuchung zufolge schlucken sie weniger Kohlendioxid als bislang angenommen.

(jkm) - Über Flüsse und Überschwemmungsgebiete geben die Wälder des Amazonasbeckens jährlich fast eine halbe Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid an die Atmosphäre ab. Das berichten brasilianische und amerikanische Wissenschaftler im Magazin "Nature". Das riesige Gebiet weist demnach eine nahezu ausgeglichene Kohlenstoffbilanz auf und stellt keine Senke für das Treibhausgas Kohlendioxid dar.

Das Amazonasbecken mit seinen tropischen Regenwäldern spielt eine bedeutende Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. In der Vergangenheit hatten verschiedene Methoden jedoch zu widersprüchlichen Aussagen über die Kohlenstoffaufnahme und - abgabe des rund sechs Millionen Quadratkilometer großen Gebiets geführt. Lokale Messungen ließen vermuten, dass das Becken deutlich mehr Kohlendioxid bindet als es abgibt. Globale Abschätzungen zufolge ist die Kohlenstoffbilanz der tropischen Gebiete dagegen nahezu ausgeglichen.

Jeffrey Richey von der University of Washington, Seattle, und seine Kollegen untersuchten nun die Rolle der Flüsse und Überschwemmungsgebiete in einem 1,77 Millionen Quadratkilometer großen Ausschnitt des Amazonasbeckens. Zunächst erstellten die Forscher anhand von Radarmessungen eines japanischen Satelliten eine Karte der von Wasser bedeckten Fläche zu verschiedenen Jahreszeiten. Anhand von rund 1.800 Messwerten über den Kohlendioxidgehalt des Wassers berechneten sie dann, wie viel Kohlendioxid diese allein durch Gasdiffusion an die Atmosphäre abgeben.

In der trockensten Zeit - dem Monat Oktober - sind demnach vier Prozent des Gebietes von Wasser bedeckt. Wenn die Flüsse in den Monaten April bis Juni ihren Höchststand erreichen und große Waldflächen überschwemmen, steigt der Anteil jedoch auf bis zu 16 Prozent. Dabei liegt die Kohlendioxidkonzentration in den Gewässern stets so hoch, dass ein Nettofluss in die Atmosphäre erfolgt.

Richey und seine Kollegen berechneten, dass aus den Wasserflächen in dem betrachteten Gebiet jährlich rund 0,2 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlenstoff als Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Eine vorsichtige Schätzung liefert einen Jahresfluss von 0,47 Gigatonnen für das gesamte Amazonasbecken und von 0,9 Gigatonnen für alle tropischen Regenwälder.

"Daraus schließen wir, dass das Kohlenstoffbudget der Regenwälder, summiert über terrestrische und aquatische Umgebungen, näher am Gleichgewicht liegt, als Studien der höher gelegenen Landgebiete es vermuten lassen", schreiben die Forscher.

Vermutlich stamme der Großteil des Gases aus der Zersetzung organischen Materials, das direkt in die Flüsse falle oder durch Regen oder das jährliche Hochwasser ausgewaschen werde. Laut den Berechnungen schafft es weniger als ein Zehntel dieses organischen Kohlenstoffs bis ins Meer. Der Rest wird noch während der Reise in Kohlendioxid umgewandelt und gelangt in die Atmosphäre.

"Falls dem wirklich so ist, besteht zwischen Land und Wasser eine stärkere Verbindung als üblicherweise angenommen", schreiben Richey und seine Kollegen. Immer wieder äußern Wissenschaftler und Politiker die Hoffnung, Wälder könnten zumindest einen Teil des vom Menschen produzierten Kohlendioxids aufnehmen und so den Treibhauseffekt mildern. Die Studie von Richey und seinen Kollegen zeigt zumindest, dass die tropischen Wälder nicht der Kohlendioxid-"Schwamm" sind, für den sie mitunter gehalten werden.

Und auch die Wälder der gemäßigten Zone werden kaum zur Abschwächung des Problems beitragen, berichtet ein Team um William Schlesinger von der Duke University in Durham, North Carolina, im Fachblatt "Oecologia". Selbst unter Berücksichtigung des so genannten Düngeeffekts - einer Steigerung der Photosyntheserate bei erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen - werden die Wälder der gemäßigten Breiten im Jahr 2050 maximal zehn Prozent der menschlichen Kohlendioxid-Emissionen schlucken.


© ArtToday

Regenwald am Amazonas: Das riesige Gebiet weist eine nahezu ausgeglichene Kohlenstoffbilanz auf und stellt keine Senke für das Treibhausgas Kohlendioxid dar.

 Mehr Informationen:

nature science update

University of Washington, River Systems Research Group

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