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Kohlendioxid: Regenwälder atmen
durch Flüsse aus
Die Wälder der Erde werden
den Klimawandel nicht so effektiv eindämmen wie erhofft:
Einer neuen Untersuchung zufolge schlucken sie weniger Kohlendioxid
als bislang angenommen.
(jkm) - Über Flüsse
und Überschwemmungsgebiete geben die Wälder des Amazonasbeckens
jährlich fast eine halbe Milliarden Tonnen Kohlenstoff in
Form von Kohlendioxid an die Atmosphäre ab. Das berichten
brasilianische und amerikanische Wissenschaftler im Magazin "Nature".
Das riesige Gebiet weist demnach eine nahezu ausgeglichene Kohlenstoffbilanz
auf und stellt keine Senke für das Treibhausgas Kohlendioxid
dar.
Das Amazonasbecken mit seinen
tropischen Regenwäldern spielt eine bedeutende Rolle im globalen
Kohlenstoffkreislauf. In der Vergangenheit hatten verschiedene
Methoden jedoch zu widersprüchlichen Aussagen über die
Kohlenstoffaufnahme und - abgabe des rund sechs Millionen Quadratkilometer
großen Gebiets geführt. Lokale Messungen ließen
vermuten, dass das Becken deutlich mehr Kohlendioxid bindet als
es abgibt. Globale Abschätzungen zufolge ist die Kohlenstoffbilanz
der tropischen Gebiete dagegen nahezu ausgeglichen.
Jeffrey Richey von der University
of Washington, Seattle, und seine Kollegen untersuchten nun die
Rolle der Flüsse und Überschwemmungsgebiete in einem
1,77 Millionen Quadratkilometer großen Ausschnitt des Amazonasbeckens.
Zunächst erstellten die Forscher anhand von Radarmessungen
eines japanischen Satelliten eine Karte der von Wasser bedeckten
Fläche zu verschiedenen Jahreszeiten. Anhand von rund 1.800
Messwerten über den Kohlendioxidgehalt des Wassers berechneten
sie dann, wie viel Kohlendioxid diese allein durch Gasdiffusion
an die Atmosphäre abgeben.
In der trockensten Zeit - dem
Monat Oktober - sind demnach vier Prozent des Gebietes von Wasser
bedeckt. Wenn die Flüsse in den Monaten April bis Juni ihren
Höchststand erreichen und große Waldflächen überschwemmen,
steigt der Anteil jedoch auf bis zu 16 Prozent. Dabei liegt die
Kohlendioxidkonzentration in den Gewässern stets so hoch,
dass ein Nettofluss in die Atmosphäre erfolgt.
Richey und seine Kollegen berechneten,
dass aus den Wasserflächen in dem betrachteten Gebiet jährlich
rund 0,2 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlenstoff als Kohlendioxid
in die Atmosphäre gelangen. Eine vorsichtige Schätzung
liefert einen Jahresfluss von 0,47 Gigatonnen für das gesamte
Amazonasbecken und von 0,9 Gigatonnen für alle tropischen
Regenwälder.
"Daraus schließen wir,
dass das Kohlenstoffbudget der Regenwälder, summiert über
terrestrische und aquatische Umgebungen, näher am Gleichgewicht
liegt, als Studien der höher gelegenen Landgebiete es vermuten
lassen", schreiben die Forscher.
Vermutlich stamme der Großteil
des Gases aus der Zersetzung organischen Materials, das direkt
in die Flüsse falle oder durch Regen oder das jährliche
Hochwasser ausgewaschen werde. Laut den Berechnungen schafft es
weniger als ein Zehntel dieses organischen Kohlenstoffs bis ins
Meer. Der Rest wird noch während der Reise in Kohlendioxid
umgewandelt und gelangt in die Atmosphäre.
"Falls dem wirklich so ist,
besteht zwischen Land und Wasser eine stärkere Verbindung
als üblicherweise angenommen", schreiben Richey und
seine Kollegen. Immer wieder äußern Wissenschaftler
und Politiker die Hoffnung, Wälder könnten zumindest
einen Teil des vom Menschen produzierten Kohlendioxids aufnehmen
und so den Treibhauseffekt mildern. Die Studie von Richey und
seinen Kollegen zeigt zumindest, dass die tropischen Wälder
nicht der Kohlendioxid-"Schwamm" sind, für den
sie mitunter gehalten werden.
Und auch die Wälder der gemäßigten
Zone werden kaum zur Abschwächung des Problems beitragen,
berichtet ein Team um William Schlesinger von der Duke University
in Durham, North Carolina, im Fachblatt "Oecologia".
Selbst unter Berücksichtigung des so genannten Düngeeffekts
- einer Steigerung der Photosyntheserate bei erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen
- werden die Wälder der gemäßigten Breiten im
Jahr 2050 maximal zehn Prozent der menschlichen Kohlendioxid-Emissionen
schlucken.
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