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Tiefsee: Rätselraten um Rekord-Krake
Ein ungewöhnlicher Tintenfisch
ist Meeresforschern ins Netz gegangen. Bei dem riesigen Kopffüßer
handelt es sich nicht etwa um einen Kalmar, sondern um einen Kraken.
Inklusive der Fangarme muss er rund vier Meter Gesamtlänge
erreicht haben.
(jkm) - Immer wieder werden metergroße
Kalmare an Land gespült oder als Beifang aus dem Meer gezogen.
Daher sah Steve O'Shea vom neuseeländischen National Institute
of Water and Atmospheric Research in Wellington nicht allzu genau
hin, als seine Institutskollegen ihm im letzten Oktober einen
großen Tintenfisch präsentierten.
Das Tier war ihnen in 920 Metern
Tiefe südöstlich von Neuseeland ins Netz gegangen und
dabei übel zugerichtet worden. Bis auf weiteres verstaute
der Forscher den vermeintlichen Kalmar in einer Tiefkühltruhe.
Die Überraschung kam einige
Wochen später beim Aufräumen der Kühltruhen. Bei
dem gefrorenen Klumpen handelte es sich nicht etwa um die Überreste
einen torpedoförmigen, zehnarmigen Kalmars.
Vielmehr entpuppte sich das Tier
als achtarmiger Krake von 61 Kilogramm Gewicht und - trotz stark
beschädigter Greifarme - fast drei Metern Gesamtlänge.
O'Shea schätzt, dass dieser größte jemals gefangene
Krake es zu Lebzeiten auf bis zu vier Meter brachte. Allein sein
"Kopf" ist 69 Zentimeter lang.
Der Meeresbiologe ordnet das weibliche
Tier vorläufig der Art Haliphron atlanticus zu. Bislang kannte
man maximal zwei Meter große Vertreter dieser Spezies, meist
von den Kontinentalrändern des Atlantiks und Nordpazifiks.
Zwischen den Tentakeln der Tiere
spannt sich eine schleimige Haut auf. Unter diesem Schirm und
nahe des Mauls werden die Eier ausgebrütet. Damit erschöpft
sich das Detailwissen um die Art jedoch, da sie nur selten in
ihrem Lebensraum beobachtet wird und die meisten bekannten Exemplare
noch Jungtiere sind.
Das neue Exemplar zeichnet sich
neben seiner enormen Größe schon allein dadurch aus,
dass es fast ausgewachsen ist. Auch ist die Art niemals zuvor
in neuseeländischen Gewässern entdeckt worden - und
das, obwohl das jetzige Fundgebiet nahe der Chatham-Inseln seit
Jahrzehnten befischt wird.
"Es ist schwer zu glauben,
dass eine derart große Tierart auf dem Deck eines Fischkutters
nicht aufgefallen wäre, wenn man sie früher schon einmal
gefangen hätte", erläutert O'Shea.
Mit dem neuen Exemplar kenne man
allein um Neuseeland herum 42 Arten von Kraken, so der Forscher.
Allein seit der letzten Revision der Krakenfauna im Jahr 1999
seien zwei neue Arten entdeckt worden. Mit einem Gewicht von etwa
einem Kilogramm wirkten diese neben Haliphron atlanticus allerdings
sehr bescheiden.
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