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- 02.04.2002 -

 

 

 

 

 


 

Studie: Klimaerwärmung führt zu Veränderung der Ökosysteme

Einer internationalen Studie zufolge erhärten sich die Indizien für die Veränderung vieler Ökosysteme durch die Klimaerwärmung.

München (dpa) - Die vorhergesagte Temperaturerhöhung habe zwar erst ihren Anfang genommen, teilte die Technische Universität München (TUM) am Dienstag mit. Viele ökologische Veränderungen seien aber schon jetzt «stimmig und deutlich» abzulesen.

Das sei das Ergebnis einer Analyse des Wissenschaftszentrums für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Hochschule. Die Forscher haben ihre Auswertungen zahlreicher Langzeitbeobachtungen zusammen mit den Ergebnissen von Kollegen aus Hannover, Wilhelmshaven, Großbritannien, Frankreich und den USA in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachjournals «Nature» veröffentlicht.

In Flora und Fauna reagieren demnach verschiedene Ökosysteme vom polaren Eis bis zu tropischen Meeren auf den Klimawandel. Betroffen seien sowohl einzelne Arten als auch ganze Pflanzen- und Tiergesellschaften.

Der Austrieb und die Blüte von Pflanzen in Europa und Nordamerika hätten in den vergangenen 3 bis 5 Jahrzehnten je nach Pflanzenart um bis zu 3,8 Tage pro Jahrzehnt früher stattgefunden. Am stärksten mache sich dies bei früh austreibenden Pflanzen bemerkbar, erläuterte Annette Menzel von der TUM.

In Deutschland blühten beispielsweise die Forsythien inzwischen 16 Tage eher als 1951, das entspreche einer Vorverlagerung um durchschnittlich 3,2 Tage pro Jahrzehnt. Die Schneeglöckchen-Blüte habe sich seit 1951 deutschlandweit im Mittel etwa 12 bis 13 Tage vorverlagert.

In Großbritannien schlüpften bestimmte Schmetterlingsarten im Mittel etwa alle 3 Jahre einen Tag eher (bis zu 3,2 Tage pro Jahrzehnt). Zugvögel würden bis zu 4,4 Tage früher ankommen. Die Eiablage könne je nach Vogelart bis zu 4,8 Tage früher erfolgen.

Auch die Laubfärbung sei ein solcher «Bioindikator» für Temperaturänderungen: In Europa habe sich die Färbung in den vergangenen Jahren im Schnitt um bis zu 1,6 Tage pro Jahrzehnt verspätet. Dadurch habe sich beispielsweise die Vegetationsperiode der Eichen in Deutschland seit 1951 um knapp 12 Tage verlängert, erläuterte Menzel.

Nach den Worten des Erstautors der Studie, Gian-Reto Walther vom Institut für Geobotanik der Universität Hannover, hat sich das Klima innerhalb der vergangenen 100 Jahre um rund 0,6 Grad Celsius erwärmt.

Auch bisherige geographische Arealgrenzen für bestimmte Tier- und Pflanzenarten seien dadurch verschoben worden. So wüchsen etwa in den Alpen immer mehr Pflanzen in höheren Lagen, in den Tropen stürben dagegen Korallenriffe ab. «Die längerfristigen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt sind noch nicht absehbar», sagte Walther.

Auch der World Wide Fund for Nature (WWF) hatte kürzlich vor den Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt gewarnt. Die Erwärmung verändere die Lebensbedingungen so schnell, dass Tiere und Pflanzen nicht genug Zeit hätten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen, stellte eine im Februar veröffentlichte WWF-Studie fest. In vielen Gebieten sei mit einem massiven Artensterben zu rechnen.

 Mehr Informationen:

Institut für Geobotanik der Universität Hannover

Technische Universität München

vista verde: Klima

 

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