|
Studie: Klimaerwärmung führt
zu Veränderung der Ökosysteme
Einer internationalen Studie
zufolge erhärten sich die Indizien für die Veränderung
vieler Ökosysteme durch die Klimaerwärmung.
München (dpa) - Die vorhergesagte
Temperaturerhöhung habe zwar erst ihren Anfang genommen,
teilte die Technische Universität München (TUM) am Dienstag
mit. Viele ökologische Veränderungen seien aber schon
jetzt «stimmig und deutlich» abzulesen.
Das sei das Ergebnis einer Analyse
des Wissenschaftszentrums für Ernährung, Landnutzung
und Umwelt der Hochschule. Die Forscher haben ihre Auswertungen
zahlreicher Langzeitbeobachtungen zusammen mit den Ergebnissen
von Kollegen aus Hannover, Wilhelmshaven, Großbritannien,
Frankreich und den USA in der aktuellen Ausgabe des britischen
Fachjournals «Nature» veröffentlicht.
In Flora und Fauna reagieren demnach
verschiedene Ökosysteme vom polaren Eis bis zu tropischen
Meeren auf den Klimawandel. Betroffen seien sowohl einzelne Arten
als auch ganze Pflanzen- und Tiergesellschaften.
Der Austrieb und die Blüte
von Pflanzen in Europa und Nordamerika hätten in den vergangenen
3 bis 5 Jahrzehnten je nach Pflanzenart um bis zu 3,8 Tage pro
Jahrzehnt früher stattgefunden. Am stärksten mache sich
dies bei früh austreibenden Pflanzen bemerkbar, erläuterte
Annette Menzel von der TUM.
In Deutschland blühten beispielsweise
die Forsythien inzwischen 16 Tage eher als 1951, das entspreche
einer Vorverlagerung um durchschnittlich 3,2 Tage pro Jahrzehnt.
Die Schneeglöckchen-Blüte habe sich seit 1951 deutschlandweit
im Mittel etwa 12 bis 13 Tage vorverlagert.
In Großbritannien schlüpften
bestimmte Schmetterlingsarten im Mittel etwa alle 3 Jahre einen
Tag eher (bis zu 3,2 Tage pro Jahrzehnt). Zugvögel würden
bis zu 4,4 Tage früher ankommen. Die Eiablage könne
je nach Vogelart bis zu 4,8 Tage früher erfolgen.
Auch die Laubfärbung sei
ein solcher «Bioindikator» für Temperaturänderungen:
In Europa habe sich die Färbung in den vergangenen Jahren
im Schnitt um bis zu 1,6 Tage pro Jahrzehnt verspätet. Dadurch
habe sich beispielsweise die Vegetationsperiode der Eichen in
Deutschland seit 1951 um knapp 12 Tage verlängert, erläuterte
Menzel.
Nach den Worten des Erstautors
der Studie, Gian-Reto Walther vom Institut für Geobotanik
der Universität Hannover, hat sich das Klima innerhalb der
vergangenen 100 Jahre um rund 0,6 Grad Celsius erwärmt.
Auch bisherige geographische Arealgrenzen
für bestimmte Tier- und Pflanzenarten seien dadurch verschoben
worden. So wüchsen etwa in den Alpen immer mehr Pflanzen
in höheren Lagen, in den Tropen stürben dagegen Korallenriffe
ab. «Die längerfristigen Auswirkungen auf die Tier-
und Pflanzenwelt sind noch nicht absehbar», sagte Walther.
Auch der World Wide Fund for
Nature (WWF) hatte kürzlich vor den Auswirkungen des Klimawandels
auf die Artenvielfalt gewarnt. Die Erwärmung verändere
die Lebensbedingungen so schnell, dass Tiere und Pflanzen nicht
genug Zeit hätten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen,
stellte eine im Februar veröffentlichte WWF-Studie fest.
In vielen Gebieten sei mit einem massiven Artensterben zu rechnen.
|