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Lachs: Tote Fische für den Nährstoffkreislauf
Wenn in Oregon tote Lachse
vom Himmel regnen, ist das nur bedingt ein böses Omen. Vielmehr
soll auf diese drastisch anmutende Weise der durch menschliche
Eingriffe arg gebeutelte Nährstoffkreislauf der örtlichen
Gewässer wieder in Schwung gebracht werden.
(jkm) - Alljährlich verlassen
geschlechtsreife Lachse das Meer und steigen in Flüssen und
Bächen auf, um für Nachwuchs zu sorgen. Nach dem Ablaichen
sterben die meisten Tiere. Ihre Kadaver bilden dann ein gefundenes
Fressen für große Raubtiere, Insekten, Weichtiere oder
für frisch geschlüpfte Lachse.
Sportfischerei, Staudämme
und Wehre sowie aus Aquakulturen entwichene Zuchtlachse stören
die jährliche Prozession jedoch empfindlich - und damit den
Nährstofftransport in landeinwärts gelegene Ökosysteme.
Um diesen Effekt zumindest teilweise
zu kompensieren, hat das Oregon Department of Fish and Wildlife
(ODFW) das "Carcass Placement Program" ins Leben gerufen.
Dabei wird jener Teil der Überschussproduktion von Lachszuchten,
der sich nicht für wohltätige Zwecke eignet, über
verarmten Bächen und Flüssen der Naturparks ausgestreut.
"Die eingebrachten Lachs-Kadaver
reichern die aquatische Nahrungskette an und dienen als Futter
für junge Lachse und andere Tiere", so der Fischbiologe
Alan Ritchey vom Oregon Plan for Salmon and Watersheds, Salem.
Er und seine Kollegen hatten überhaupt erst gezeigt, welche
bedeutende Rolle toter Lachs für die Tier- und Pflanzenwelt
spielt.
Beispielsweise fanden sie in und
an Gewässern mit reichlich Kadavern mehr Insektenarten und
besser genährte Jungfische. Insgesamt profitieren mindestens
138 Tierarten direkt oder indirekt von den toten Lachsen, so die
Forscher. Und erst kürzlich haben US-Ökologen entdeckt,
dass auch die Ufervegetation ihren Nutzen aus der Nährstoffschwemme
zieht - was wiederum den Lachsen nützt.
Während die Biologen bei
ihren Versuchen noch einige wenige Kadaver per Hand ausgelegt
hatten, geht die Behörde im größeren Stil vor,
bevorzugt mit Helikoptern: Einem Bericht der "Los Angeles
Times" zufolge sind allein bei einer zweitägigen Abwurfaktion
im letzten November rund 70.000 Pfund Coho- oder Silberlachs (Oncorhynchus
kisutch) über dem Mount Hood National Forest niedergegangen.
Solche Aktionen nützen nicht
nur der Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch den Forschern, denen
sich damit eine einmalige Gelegenheit zum Studium des Nährstoffkreislaufs
bietet. Dennoch wäre es ihnen auf lange Sicht lieber, wenn
einige Dämme abgerissen würden und die Lachse selbst
wieder für Nachschub sorgen könnten.
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