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- 11.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Das Kamasutra der Blattschneiderbienen

Was ihre Sexualpartner anbelangt, sind weibliche Blattschneiderbienen wählerisch: Sie fliegen nur auf Männchen, die den passenden Geruch verströmen.

(jkm) - Um zum Zuge zu kommen, müssen die Bienenmänner ihren Duft den Weibchen regelrecht unter die Nase reiben, haben Bonner Zoologen festgestellt. Mit Duftdrüsen besetzte Schaufeln an den Vorderbeinen dienen ihnen dabei als "Duftdusche".

Beim Geschlechtsakt der Blattschneiderbienen (Megachilidae) scheint für Sinnlichkeit kein Platz: Hat das Männchen sich auf das Weibchen geworfen, packt es ihre Fühler mit seinen Kiefern. Gleichzeitig legt es sein vorderes Beinpaar auf ihre Augen, drückt ihr mit dem mittleren die Flügel an den Leib und zerrt mit dem hinteren ihren Hinterleib in die Höhe.

"Doch die Bienendame allein entscheidet, mit wem sie sich paaren möchte", erklärt Dieter Wittmann vom Institut für Landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde der Universität Bonn, "wenn sie den Bienenmann nicht will, bockt sie und wirft ihn ab - und verschafft sich manchmal sogar mit dem Stachel Respekt."

Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet vor allem ein Duftcocktail, den das Männchen in seinem Hinterleib produziert und über einen speziellen Rendezvous-Platz verteilt. "An diesem Duftcocktail kann das Weibchen vermutlich erkennen, ob es mit dem potenziellen Sexualpartner verwandt ist, und so Inzucht verhindern", erklärt Wittmann.

Zwar kontrollierten die Männchen alle 90 Sekunden, ob ein interessiertes Weibchen an ihrem Rendezvous-Platz wartet. Zwischenzeitlich könne ein Rivale aber versuchen, sich an ein angelocktes Weibchen heranzumachen. Hier kommen die Vorderbeine der Männchen ins Spiel.

Auf den Augen des Weibchens liegend, erzeugen sie nicht nur ein artspezifisches Licht- und Schattenmuster. Eines der Fußglieder ist zudem extrem vergrößert und trägt einen schaufelartigen Fortsatz. Wittmann und sein Team beobachteten, dass sich die Fühler des Weibchens kurz vor der Kopulation in diese Schaufelblätter legen.

Die elektronenmikroskopische Begutachtung zeigte, dass die Schaufeln von winzigen Löchern durchsiebt sind - den Ausgängen von Duftdrüsen. Wittmann: "Die gewölbte Schaufelstruktur dient dem Männchen als eine Art Handdusche, mit der es die Fühler seiner Partnerin - ihre Nase - mit seinem Sexualduft abduscht."

Der komplizierte Vorgang dient vermutlich als eine Art Passkontrolle: Per Duftdusche könnte das Weibchen nach Ansicht der Zoologen erkennen, ob ein ungestümer Liebhaber auch wirklich der Produzent des verlockenden Sexualduftes ist.

Ähnliche Paarungsmechanismen konnten die Forscher inzwischen auch bei anderen Bienen und Wespen nachweisen. "Da tut sich eine wahre Mikrowelt der Verführung auf, die man den kleinen Insekten gar nicht zutraut", begeistert sich Wittmann.

Bei manchen Arten bringe gar erst die Kombination von Duft, Licht und sanften Berührungen die Bienendame in Stimmung - einige Duftduschen seien mit Tausenden beweglicher Härchen ausgekleidet, die die Fühler der Weibchen sanft massieren können.


© AG Wittmann/Universität Bonn

Eines der Fußglieder des Blattschneiderbienen-Männchen ist extrem vergrößert und trägt einen schaufelartigen Fortsatz - die "Duftdusche".

 

 Mehr Informationen:

Universität Bonn, Institut für Landwirtschaftliche Zoologie und Bienenkunde

Die Welt der kleinen Krabbeltiere: Blattschneiderbienen

 

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