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- 06.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Frankreich kämpft gegen den Hundeschmuggel aus Osteuropa

Zehntausende von Hunden kommen jedes Jahr in Zuchtbatterien in Polen, Ungarn oder Tschechien zur Welt und werden im Alter von wenigen Wochen nach Westeuropa gebracht. Ein Milliardenmarkt, der viele Betrüger anzieht.

Von Sebastian Esser, dpa

Paris (dpa) - Der wenige Wochen alte Spaniel in dem Kleintransporter ist durch Bisswunden an Augen und Ohren verletzt - nur Stunden später ist er tot. Er gehört zu einer Ladung von 80 illegal importierten Hundewelpen aus Tschechien, die in einem Brüsseler Industriegebiet hinter einem riesigen Hunde-Supermarkt abgeladen worden war.

Pro Woche werden dort 500 Welpen aller Rassen verkauft - auch für den Export etwa nach Frankreich. Zynisch wird für Sonderangebote geworben: «Dackel heute besonders billig.» Jetzt wollen Ermittlungsbehörden, Veterinäre und Tierschützer in Frankreich gegen diese Machenschaften vorgehen.

Die Welpen waren tagelang unterwegs, ruhig gestellt mit Medikamenten. Weil sie viel zu früh von ihrer Mutter getrennt wurden, sind die meisten verhaltensgestört - aggressiv oder hyperaktiv, lebenslang auf Beruhigungsmittel angewiesen. Manchen sieht man die qualvolle Reise auf den ersten Blick an - Bisswunden, verklebte Augen, Unterernährung. Legal importiert werden dürfen nur ältere Hunde, deshalb hat sich jetzt in Frankreich das Parlament eingeschaltet.

«Es handelt sich hier um organisierte Kriminalität von internationalen Dimensionen», sagt Anne Vosgien, Staatsanwältin in Paris. Doch der Gewinn ist zu hoch, die Strafen zu gering. Selbst wenn bis zu 30 Prozent der Tiere im Lastwagen sterben - das Geschäft mit den Tieren blüht und bringt hohe Profite. Ein Hund, der für 160 Euro in Osteuropa gekauft wurde, verkauft sich in Frankreich leicht für 1000 Euro.

Zehntausende dieser Hunde kommen jedes Jahr in Zuchtbatterien in Polen, Ungarn oder Tschechien zur Welt und werden nach Westeuropa gebracht. Um die ständig steigende Nachfrage bedienen zu können, wurden seit Mitte der neunziger Jahre diese industriellen Zuchtanlagen aufgebaut, nach dem Vorbild der Massenzucht von Hühnern und Schweinen.

Auftraggeber sind große Gruppen aus den Benelux- Ländern, die die Zahl der Export-Tiere in Kilogramm angeben lassen. Doch bei ihrem Geschäft wird nach Erkenntnissen der Ermittler betrogen: Alter und Herkunft der Hunde sind gefälscht.

Junge Hunde unter vier Monaten kann man noch nicht gegen Tollwut impfen - sie sind durch die Antikörper ihrer Mutter immunisiert. Aber gewissenlose Veterinäre stellen den Welpen Impfbestätigungen aus, sie sorgen auch für ein neues Geburtsdatum, einen Stammbaum und eine Tätowierung im Ohr.

Als Drehscheibe in Westeuropa dient Belgien, wo Welpen schon im Alter von sechs Wochen importiert werden dürfen. In Frankreich sind beim Verkauf vier Monate Mindestalter vorgeschrieben, nur: «In diesem Alter lassen sich die Hunde nicht mehr im Zoo- Geschäft verkaufen. Die Kunden wollen nur die ganz Kleinen», erklärt Henri Barbe, Präsident einer Initiative gegen den Schmuggel von Haustieren.

Eine Million Hunde werden jedes Jahr in Frankreich gekauft, ein Markt von einer guten Milliarde Euro. Geneviève Perrin-Gaillard, eine resolute Tierärztin, die für die Sozialisten in der französischen Nationalversammlung sitzt, sagt: «Ein solcher Markt zieht viele Betrüger an.»

Nach monatelangen Untersuchungen hat ihre Parlamentskommission nun Gegenmaßnahmen vorgeschlagen: Die Züchter besser Kontrollieren, eine Zentralstelle für Haustiere einrichten und besser mit anderen europäischen Staaten zusammenarbeiten.

 Mehr Informationen:

vista verde: Tierschutz

 

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