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Frankreich kämpft gegen den Hundeschmuggel
aus Osteuropa
Zehntausende von Hunden kommen
jedes Jahr in Zuchtbatterien in Polen, Ungarn oder Tschechien
zur Welt und werden im Alter von wenigen Wochen nach Westeuropa
gebracht. Ein Milliardenmarkt, der viele Betrüger anzieht.
Von Sebastian Esser, dpa
Paris (dpa) - Der wenige Wochen
alte Spaniel in dem Kleintransporter ist durch Bisswunden an Augen
und Ohren verletzt - nur Stunden später ist er tot. Er gehört
zu einer Ladung von 80 illegal importierten Hundewelpen aus Tschechien,
die in einem Brüsseler Industriegebiet hinter einem riesigen
Hunde-Supermarkt abgeladen worden war.
Pro Woche werden dort 500 Welpen
aller Rassen verkauft - auch für den Export etwa nach Frankreich.
Zynisch wird für Sonderangebote geworben: «Dackel heute
besonders billig.» Jetzt wollen Ermittlungsbehörden,
Veterinäre und Tierschützer in Frankreich gegen diese
Machenschaften vorgehen.
Die Welpen waren tagelang unterwegs,
ruhig gestellt mit Medikamenten. Weil sie viel zu früh von
ihrer Mutter getrennt wurden, sind die meisten verhaltensgestört
- aggressiv oder hyperaktiv, lebenslang auf Beruhigungsmittel
angewiesen. Manchen sieht man die qualvolle Reise auf den ersten
Blick an - Bisswunden, verklebte Augen, Unterernährung. Legal
importiert werden dürfen nur ältere Hunde, deshalb hat
sich jetzt in Frankreich das Parlament eingeschaltet.
«Es handelt sich hier um
organisierte Kriminalität von internationalen Dimensionen»,
sagt Anne Vosgien, Staatsanwältin in Paris. Doch der Gewinn
ist zu hoch, die Strafen zu gering. Selbst wenn bis zu 30 Prozent
der Tiere im Lastwagen sterben - das Geschäft mit den Tieren
blüht und bringt hohe Profite. Ein Hund, der für 160
Euro in Osteuropa gekauft wurde, verkauft sich in Frankreich leicht
für 1000 Euro.
Zehntausende dieser Hunde kommen
jedes Jahr in Zuchtbatterien in Polen, Ungarn oder Tschechien
zur Welt und werden nach Westeuropa gebracht. Um die ständig
steigende Nachfrage bedienen zu können, wurden seit Mitte
der neunziger Jahre diese industriellen Zuchtanlagen aufgebaut,
nach dem Vorbild der Massenzucht von Hühnern und Schweinen.
Auftraggeber sind große
Gruppen aus den Benelux- Ländern, die die Zahl der Export-Tiere
in Kilogramm angeben lassen. Doch bei ihrem Geschäft wird
nach Erkenntnissen der Ermittler betrogen: Alter und Herkunft
der Hunde sind gefälscht.
Junge Hunde unter vier Monaten
kann man noch nicht gegen Tollwut impfen - sie sind durch die
Antikörper ihrer Mutter immunisiert. Aber gewissenlose Veterinäre
stellen den Welpen Impfbestätigungen aus, sie sorgen auch
für ein neues Geburtsdatum, einen Stammbaum und eine Tätowierung
im Ohr.
Als Drehscheibe in Westeuropa
dient Belgien, wo Welpen schon im Alter von sechs Wochen importiert
werden dürfen. In Frankreich sind beim Verkauf vier Monate
Mindestalter vorgeschrieben, nur: «In diesem Alter lassen
sich die Hunde nicht mehr im Zoo- Geschäft verkaufen. Die
Kunden wollen nur die ganz Kleinen», erklärt Henri
Barbe, Präsident einer Initiative gegen den Schmuggel von
Haustieren.
Eine Million Hunde werden jedes
Jahr in Frankreich gekauft, ein Markt von einer guten Milliarde
Euro. Geneviève Perrin-Gaillard, eine resolute Tierärztin,
die für die Sozialisten in der französischen Nationalversammlung
sitzt, sagt: «Ein solcher Markt zieht viele Betrüger
an.»
Nach monatelangen Untersuchungen
hat ihre Parlamentskommission nun Gegenmaßnahmen vorgeschlagen:
Die Züchter besser Kontrollieren, eine Zentralstelle für
Haustiere einrichten und besser mit anderen europäischen
Staaten zusammenarbeiten.
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