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- 05.03.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

1 Jahr «Pongoland»: Forschung in der größten Menschenaffenanlage der Welt

Vor knapp einem Jahr wurde die größte Menschenaffen- anlage der Welt im Leipziger Zoo eröffnet. Nachdem sich die Tiere an ihre neue Umgebung gewöhnt haben, hat nun der Forschungsalltag Einzug gehalten.

Von Sabine Fuchs, dpa

Leipzig (dpa) - Orang-Utan-Männchen «Bimbo» hockt auf einem Baum und bearbeitet einen großen Stock, während Affenbaby «Kila» eifrig seine Artgenossen beäugt. Die Kleine will jetzt vor allem herausfinden, wie sie am geschicktesten mit dem leckeren Futter umgehen soll, das vor ihr liegt.

Vor knapp einem Jahr wurde die größte Menschenaffenanlage der Welt im Leipziger Zoo eröffnet. Nach der ersten Aufregung und dem Umzugstress haben sich die Tiere nun an ihre neue Umgebung gewöhnt. Der Forschungsalltag der Wissenschaftler von der Max-Planck-Gesellschaft hat Einzug gehalten.

«Das Verhalten der Menschenaffen gibt heute noch viele Rätsel auf. In einer 20-jährigen Studie wollen wir herausfinden, was die Menschenaffen gemeinsam haben und wie ähnlich die Menschen ihren tierischen Verwandten sind», sagte der wissenschaftliche Koordinator Michael Seres vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Er beobachtet seit fast einem Jahr die Menschenaffen im Leipziger Zoo.

39 Schimpansen, Gorillas, Bonobos und Orang-Utans leben heute in dem Tropenhaus, für das die Max-Plack-Gesellschaft den größten Teil der fast 30 Millionen Mark (15,3 Millionen Euro) aufgebracht hat. Im «Pongoland» finden die Primaten einen Lebensraum vor, der dem natürlichen weitgehend nachempfunden ist. Statt der üblichen Gitterstäbe und Kachelwände gibt es eine üppige Vegetation mit Kletterbäumen, Wasserfällen und -gräben.

Täglich beobachten Seres und seine 13 Kollegen aus Deutschland, England, Japan und den USA die Affen, zwei Stunden morgens und eine Stunde am Nachmittag. Seres, der auch schon in Großbritannien, Canada und den USA wissenschaftlich tätig war, will zunächst das Lernverhalten und das Erinnerungsvermögen untersuchen.

So dürfen Affen ihren Artgenossen beim Lösen schwieriger Aufgaben zuschauen, ehe sie selbst mit dem Problem konfrontiert werden. Zum Beispiel mit einem im langen Rohr versteckten Leckerbissen. Auch die Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Wie lernen Jungtiere die Gesten, mit denen sie ihre Artgenossen zum Spielen auffordern oder die Mutter um Nahrung bitten?

Die Forscher befassen sich auch mit der Haltung und Pflege von Menschenaffen. Schimpansenkinder, die von ihren Müttern verstoßen wurden und auf menschliche Hilfe angewiesen sind, werden im so genannten Kindergarten aufgezogen. Derzeit sind die jeweils zwei Jahre jungen Primaten «Alexandra» und «Anet» in der Obhut von Mitarbeiterin Erika Seres.

Eigens für Forschungszwecke sind die beiden im Juni vergangenen Jahres von Holland nach Leipzig gebracht worden. Die «Flaschenkinder» sollen auf ein Leben mit ihren Artgenossen vorbereitet werden.

Die Besucher können an der wissenschaftlichen Arbeit Anteil nehmen. Durch einseitig durchsichtige Scheiben in versteckten Beobachtungsnischen können sie den Experten über die Schulter schauen und die Tiere bei einer Variante des Hütchenspiels mit versteckten Trauben beobachten. Bis zu 60 Primaten soll die Affenanlage künftig beherbergen.


© dpa

Aktiv übt das neun Monate alte Orang-Utan-Baby Kila die Verständigung mit den älteren Affen.

 Mehr Informationen:

Zoo Leipzig

Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie

 

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