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1 Jahr «Pongoland»: Forschung
in der größten Menschenaffenanlage der Welt
Vor knapp einem Jahr wurde
die größte Menschenaffen- anlage der Welt im Leipziger
Zoo eröffnet. Nachdem sich die Tiere an ihre neue Umgebung
gewöhnt haben, hat nun der Forschungsalltag Einzug gehalten.
Von Sabine Fuchs, dpa
Leipzig (dpa) - Orang-Utan-Männchen
«Bimbo» hockt auf einem Baum und bearbeitet einen
großen Stock, während Affenbaby «Kila»
eifrig seine Artgenossen beäugt. Die Kleine will jetzt vor
allem herausfinden, wie sie am geschicktesten mit dem leckeren
Futter umgehen soll, das vor ihr liegt.
Vor knapp einem Jahr wurde die
größte Menschenaffenanlage der Welt im Leipziger Zoo
eröffnet. Nach der ersten Aufregung und dem Umzugstress haben
sich die Tiere nun an ihre neue Umgebung gewöhnt. Der Forschungsalltag
der Wissenschaftler von der Max-Planck-Gesellschaft hat Einzug
gehalten.
«Das Verhalten der Menschenaffen
gibt heute noch viele Rätsel auf. In einer 20-jährigen
Studie wollen wir herausfinden, was die Menschenaffen gemeinsam
haben und wie ähnlich die Menschen ihren tierischen Verwandten
sind», sagte der wissenschaftliche Koordinator Michael Seres
vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.
Er beobachtet seit fast einem Jahr die Menschenaffen im Leipziger
Zoo.
39 Schimpansen, Gorillas, Bonobos
und Orang-Utans leben heute in dem Tropenhaus, für das die
Max-Plack-Gesellschaft den größten Teil der fast 30
Millionen Mark (15,3 Millionen Euro) aufgebracht hat. Im «Pongoland»
finden die Primaten einen Lebensraum vor, der dem natürlichen
weitgehend nachempfunden ist. Statt der üblichen Gitterstäbe
und Kachelwände gibt es eine üppige Vegetation mit Kletterbäumen,
Wasserfällen und -gräben.
Täglich beobachten Seres
und seine 13 Kollegen aus Deutschland, England, Japan und den
USA die Affen, zwei Stunden morgens und eine Stunde am Nachmittag.
Seres, der auch schon in Großbritannien, Canada und den
USA wissenschaftlich tätig war, will zunächst das Lernverhalten
und das Erinnerungsvermögen untersuchen.
So dürfen Affen ihren Artgenossen
beim Lösen schwieriger Aufgaben zuschauen, ehe sie selbst
mit dem Problem konfrontiert werden. Zum Beispiel mit einem im
langen Rohr versteckten Leckerbissen. Auch die Kommunikation spielt
eine wichtige Rolle. Wie lernen Jungtiere die Gesten, mit denen
sie ihre Artgenossen zum Spielen auffordern oder die Mutter um
Nahrung bitten?
Die Forscher befassen sich auch
mit der Haltung und Pflege von Menschenaffen. Schimpansenkinder,
die von ihren Müttern verstoßen wurden und auf menschliche
Hilfe angewiesen sind, werden im so genannten Kindergarten aufgezogen.
Derzeit sind die jeweils zwei Jahre jungen Primaten «Alexandra»
und «Anet» in der Obhut von Mitarbeiterin Erika Seres.
Eigens für Forschungszwecke
sind die beiden im Juni vergangenen Jahres von Holland nach Leipzig
gebracht worden. Die «Flaschenkinder» sollen auf ein
Leben mit ihren Artgenossen vorbereitet werden.
Die Besucher können an der
wissenschaftlichen Arbeit Anteil nehmen. Durch einseitig durchsichtige
Scheiben in versteckten Beobachtungsnischen können sie den
Experten über die Schulter schauen und die Tiere bei einer
Variante des Hütchenspiels mit versteckten Trauben beobachten.
Bis zu 60 Primaten soll die Affenanlage künftig beherbergen.
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