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Schleppnetze: Fischer ruinieren Korallen
des Nord-Atlantik
Der industrielle Fischfang
bedroht einige erst seit wenigen Jahren bekannte und bislang wenig
erforschte Ökosys- teme: die Kaltwasser-Korallenriffe im
Nord-Atlantik.
(jkm) - Seit rund 4500 Jahren
gibt es im Nord-Atlantik Kaltwasserkorallen. Ihre Riffe liegen
vor Norwegen, Schottland und Irland. Ihr Überleben wird allerdings
durch die Fischerei stark gefährdet, warnt jetzt ein internationales
Forscherteam. Demnach reißen Schleppnetze, die Fische vom
Grund der See aufsammeln sollen, bis zu vier Kilometer lange Schneisen
in die Korallenbänke.
Die Forscher unter der Leitung
von Jason Hall-Spencer von der University of Glasgow berichten,
dass immer wieder große Korallen- Stücke als so genannte
"Beifänge" in den Netzen der Fischer landen. Dies
konnten die Meeresbiologen erstmals durch eine systematische Untersuchung
zweier Fischerboote nachweisen.
Die Fischer fahren mit ihren Schleppnetzen
zunehmend in bisher unberührte Bereiche des nördlichen
Atlantiks, weil die Küstenregionen nahezu leergefischt sind.
Die betroffenen Riffe liegen in
Tiefen zwischen 200 und 1300 Metern, schreiben die Forscher in
den "Proceedings of the Royal Society". Die Korallen
wurden erst vor wenigen Jahren bekannt, als Geologen auf der Suche
nach Nordsee-Öl mit Tauchbooten zum Meeresgrund abgetaucht
waren.
Jetzt verglichen die Meeresforscher
zwei Korallenriffe vor der norwegischen Küste, von denen
eines befischt wird. Im Vergleich zum unbelasteten Riff wiesen
die Korallen im befischten Gebiet schwere Schäden auf. Neben
einem Friedhof abgebrochener Korallen entdeckten die Forscher
fünf bis zehn Zentimeter tiefe Schneisen, die die Schleppnetze
in den Riffen hinterlassen hatten.
Gegenüber BBC-Online sagte
Hall-Spencer: "Die Fischer machen das nicht vorsätzlich,
sie sind keine Vandalen. Aber selbst wenn die Schäden versehentlich
angerichtet werden, so betreffen sie bei einem 15-tägigen
Fischzug doch bis zu 33 Quadratkilo- meter." Die Norweger
dürften auf diese Weise bereits die Hälfte ihrer Korallen
zerstört haben, schätzt der Meeresforscher.
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