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- 26.02.2002 -

 

Schleppnetze: Fischer ruinieren Korallen des Nord-Atlantik

Der industrielle Fischfang bedroht einige erst seit wenigen Jahren bekannte und bislang wenig erforschte Ökosys- teme: die Kaltwasser-Korallenriffe im Nord-Atlantik.

(jkm) - Seit rund 4500 Jahren gibt es im Nord-Atlantik Kaltwasserkorallen. Ihre Riffe liegen vor Norwegen, Schottland und Irland. Ihr Überleben wird allerdings durch die Fischerei stark gefährdet, warnt jetzt ein internationales Forscherteam. Demnach reißen Schleppnetze, die Fische vom Grund der See aufsammeln sollen, bis zu vier Kilometer lange Schneisen in die Korallenbänke.

Die Forscher unter der Leitung von Jason Hall-Spencer von der University of Glasgow berichten, dass immer wieder große Korallen- Stücke als so genannte "Beifänge" in den Netzen der Fischer landen. Dies konnten die Meeresbiologen erstmals durch eine systematische Untersuchung zweier Fischerboote nachweisen.

Die Fischer fahren mit ihren Schleppnetzen zunehmend in bisher unberührte Bereiche des nördlichen Atlantiks, weil die Küstenregionen nahezu leergefischt sind.

Die betroffenen Riffe liegen in Tiefen zwischen 200 und 1300 Metern, schreiben die Forscher in den "Proceedings of the Royal Society". Die Korallen wurden erst vor wenigen Jahren bekannt, als Geologen auf der Suche nach Nordsee-Öl mit Tauchbooten zum Meeresgrund abgetaucht waren.

Jetzt verglichen die Meeresforscher zwei Korallenriffe vor der norwegischen Küste, von denen eines befischt wird. Im Vergleich zum unbelasteten Riff wiesen die Korallen im befischten Gebiet schwere Schäden auf. Neben einem Friedhof abgebrochener Korallen entdeckten die Forscher fünf bis zehn Zentimeter tiefe Schneisen, die die Schleppnetze in den Riffen hinterlassen hatten.

Gegenüber BBC-Online sagte Hall-Spencer: "Die Fischer machen das nicht vorsätzlich, sie sind keine Vandalen. Aber selbst wenn die Schäden versehentlich angerichtet werden, so betreffen sie bei einem 15-tägigen Fischzug doch bis zu 33 Quadratkilo- meter." Die Norweger dürften auf diese Weise bereits die Hälfte ihrer Korallen zerstört haben, schätzt der Meeresforscher.


© University of Glasgow

Schleppnetze, mit denen Fische wie der Rotbarsch gefangen werden sollen, reißen bis zu vier Kilometer lange Schneisen in die Korallenbänke.

 

 Mehr Informationen:

Tiefwasser-Riffe

WWF International

The Atlantic Coral Ecosystem Study (ACES)

ACES, Universität Tübingen


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