|
Nach 500 Jahren: Lotos-Samen treiben
aus
Amerikanischen Forschern ist
es gelungen, den bis zu 500 Jahre alten Samen von Lotosblumen
zum Keimen zu bringen.
(jkm) - Die Samen stammen aus
einem seit langer Zeit ausgetrockneten See in der Provinz Liaoning
im Nordosten Chinas. Die Biologin Jane Shen-Miller und ihr Team
von der University of California waren schon im Jahr 1996 bei
einer Reise durch die Region auf die Samen gestoßen.
Von ihrer Expedition brachten
die Forscher zwanzig getrocknete Samen der Indischen Lotosblume
(Nelumbo nucifera) sowie Erdproben mit, die auf ein Alter von
200 bis 500 Jahren datiert werden konnten. Vier der Samen wurden
auf ihre Keimfähigkeit getestet, und alle vier trieben zur
Überraschung der Forscher aus.
Die Stängel und Blätter
blieben allerdings kümmerlich und schwach, die zu kurzen
Wurzeln hätten in der freien Natur nicht genügend Nahrung
aufnehmen können. In den Erdproben fanden die Forscher Spuren
starker natürlicher Radioaktivität.
Die Strahlung sei niedrig, aber
immerhin stark genug, um langfristig Schäden auszulösen,
schreibt Shen-Miller im "American Journal of Botany".
Um so überraschender sei, dass die Samen überhaupt noch
keimfähig waren. Offenbar besitze die Lotosblume kraftvolle
Gene, die Langzeitschäden ausgleichen könnten.
"Die Lotosblume ist so robust,
dass ihr Samen Jahrhunderte lang niedrig dosierte Gammastrahlung
übersteht", sagt Shen-Miller. "Der Reparatur-Mechanismus
der Lotosgene könnte sehr hilfreich für die Entwicklung
gentechnischer Nutzpflanzen wie Reis, Mais und Weizen sein. Deren
Saaten sind nur wenige Jahre lang keimfähig."
Lotospflanzen gibt es seit 135
Millionen Jahren. Weil ihre bohnengroßen Samen essbar sind,
wurden sie bereits vor 4.000 Jahren in China gezüchtet. Heute
ist die Indische Lotosblume, die in Ost- und Südasien heimisch
ist, bis zum Kaspischen Meer vorgedrungen, und fühlt sich
auch im südeuropäischen Klima wohl.
|