|
Tierisches Liebesleben: Valentinstag
im Zoo
Bei der traditionellen «Valentine's
Sex-Tour» im Zoo von San Francisco geht es nur um das Eine.
Von Barbara Munker, dpa
San Francisco (dpa) - Zum Valentinstag
in den Zoo: Das «ist viel anregender und romantischer als
Schokolade und Blumen», sagt Pinguin-Pflegerin Jane Tollini
(55). Davon sind die Teilnehmer der traditionellen «Valentine's
Sex-Tour» im Zoo von San Francisco schnell überzeugt,
wenn die Tierpflegerin über die intimsten Details ihrer Zöglinge
plaudert.
«Bei den Pinguinen dauert
das Vorspiel einen ganzen Monat lang», erklärt Tollini.
Löwen täten es bis zu 50 Mal am Tag, Koalabären
dagegen hätten nur drei Mal im Jahr für jeweils 40 Sekunden
«rauen Sex».
700 Zoobesucher - Mindestalter
21 Jahre - erfahren bei den ausgebuchten Touren rund um den Valentinstag
alles über Vorlieben, Stellungen und Geschlechtsorgane, von
Zweibeinern bis Tausendfüßlern.
«Wer Sex will, der geht
besser nach Hause und tut es selbst», warnt Tollini gleich
zu Beginn. Die Tiere täten es nicht auf Bestellung. Doch
bei diesem Zoobesuch geht es wirklich nur um das Eine. Ein Stopp
am Gehege des südamerikanischen Tapirs ist ein Muss, denn
er hat das «unglaublichste Anhängsel im ganzen Zoo»,
wie Tollini berichtet.
Den längsten Sex hätten
Rhinozerosse, erfährt der Besucher. «Erst schlagen
sie wild aufeinander ein. Dann stecken sie über eine Stunde
lang zusammen. Dabei trabt das Weibchen herum und er hängt
hinten fest.»
Vor 13 Jahren, als die Pinguine
um den Valentinstag herum plötzlich ganz liebestoll wurden,
sei ihr die Idee zur Sex-Tour gekommen, erzählt die Pflegerin.
Nach anfänglicher Skepsis ist die Zooleitung inzwischen ebenso
begeistert wie die Besucher.
Bis jetzt habe noch keiner mit
rotem Kopf die Rundfahrt abgebrochen, versichert die Kalifornierin.
Viele bedankten sich für die «Tipps», wobei sie
die Schaukelkünste der Orang Utans oder die Liebes-Häufigkeit
der Löwen nicht zur Nachahmung empfiehlt.
Tatsächlich lerne man bei
der Tour viel Wissenswertes über die Fortpflanzung der Tiere,
verspricht die Zoo-Broschüre. Zum Beispiel, dass Pinguine
lebenslänglich einem Partner treu sind. Dass einige weibliche
Affen als Verhütungsmittel täglich die Pille schlucken,
und dass es unter Wildgänsen lesbische Partnerinnen gibt,
die zusammen unbefruchtete Eier legen.
Die Rundfahrt beginnt im Insektenhaus
mit einem Tausendfüßler, der seine 250 Beine und zwei
Penisse um das Weibchen schlingt. Dabei saugt er sich an ihrem
Kopf fest. «Sie schauen sich beim Sex in die Augen»,
eine Seltenheit im Tierreich, erklärt Tollini.
Weiter geht es zu den Reptilien
und Säugetieren, bis hin zu den nächsten Verwandten
des Menschen. «Die Schimpansen sind uns am ähnlichsten»,
lernen die Besucher. «Die Männchen winken mit Ästen,
um größer zu erscheinen. Dann gehen sie direkt auf
das Weibchen ihrer Wahl los. Nach intensiven Flitterwochen wechseln
sie zum nächsten Partner über.»
Nach der Erotik-Reise durch die
Tierwelt können sich die Besucher mit traditionellen Valentinsgenüssen
- Schokolade und Sekt - stärken, während Jane Tollini
nur noch einen Wunsch hat: «Sie glauben gar nicht, wie ich
mich auf die Zigarette danach freue.»
|