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- 08.02.2002 -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Bärenklau und Robinie: Verdrängung einheimischer Pflanzen

Imposant ragt der vier Meter hohe Riesen-Bärenklau über manchen deutschen Gartenzaun. Gartenbesitzer schätzen ihn wegen der vielen Insekten und Falter, die er anzieht. Botaniker sind jedoch weniger begeistert von dem agressiven Eindringling.

Von Karin Ridegh-Hamburg, dpa

Clenze (dpa) - Auch als Herkules-Staude bekannt säumt der Riesen-Bärenklau dekorativ Flussufer, Wiesen und Äcker. Doch die aus dem Kaukasus stammende Augenweide ist aggressiv. Sie gehört zu den wenigen eingewanderten Pflanzenarten, die von Botanikern seit längerem bekämpft werden, weil sie einheimische Arten verdrängen und giftig sind.

Geobotaniker Heinz-Walter Kallen aus Clenze im Landkreis Lüchow-Dannenberg beobachtet diese Neubürger. «Naturliebhaber pflanzen Bärenklau wegen der vielen Insekten und Falter, die von den großen Dolden angezogen werden», sagt Kallen. «Aber die vielen tausend Samen einer einzigen Dolde halten sich über 100 Jahre im Boden. Deshalb ist die Pflanze nicht wieder weg zu kriegen.»

Explosionsartig breite sie sich in Bachtälern aus und bringe durch die Verdrängung anderer Pflanzen die Ufer zum Einstürzen. Ihr Gift könne beim Menschen eine Lichtallergie auslösen. «Wenn man den Bärenklau im Sonnenlicht berührt, verursacht er Verbrennungen auf der Haut», warnt der Botaniker.

Kallen ist Leiter der Regionalstelle für floristische Kartierung im Landkreis Lüchow-Dannenberg und untersucht seit fünfzehn Jahren die Veränderung der Pflanzenwelt zwischen Lüneburg und Wittenberge in Brandenburg. Seine Erkenntnisse sind in der Datenbank «Blütenpflanzen» des Bundesamtes für Naturschutz nachzulesen.

Neophyten heißen die Pflanzen im Fachjargon, die seit etwa 500 Jahren eingewandert sind. Von den bundesweit 385 erfassten Arten wirken sich laut Kallen nur etwa fünf Prozent vernichtend auf die heimische Flora aus.

Dazu gehören die Robinie und die Silberblättrige Goldnessel. Wertvolle Trockenrasenarten wie Küchenschelle und Sandstrohblume leiden unter der starken Verbreitung der Robinie. Nur sehr wenige Stickstoff liebende Pflanzen können in dem von der Scheinakazie vergifteten Boden existieren, sagt Kallen. Seit 100 Jahren bevorzugten vor allem Imker diese nordamerikanische Art, um Akazienhonig zu gewinnen.

Über den Handel war die Einwanderung neuer Pflanzenarten im 19. Jahrhundert besonders groß. Dreißig Prozent der jetzt vorhandenen Neophyten kamen laut Dannen allein in dieser Zeit. «Dreizehn Prozent wanderten später ein, und alle anderen kamen vorher.» Die weitere Zuwanderung halte sich jetzt in Grenzen.

«Die Bedrohung der natürlichen Pflanzenvielfalt ist kein nationales Problem», meint Hans-Helmut Poppendiek vom Institut für Allgemeine Botanik in Hamburg. Frachtschiffe sorgten mit ihrem Ballastwasser für die weltweite Verschleppung von Algen und Wassertieren.

Auf dem umgekehrten Weg bedrohten auch mitteleuropäische Pflanzen Flora und Fauna in den Tropen. So wirke sich das nach Nord- und Südamerika transportierte Johanniskraut zum Beispiel schädlich auf die dort weidenden Tiere aus, weil es deren Lichtschutz verringere, sagt der Wissenschaftler.


© ArtToday

Seit 100 Jahren bevorzugen vor allem Imker die aus Nordamerika stammende Robinie oder Scheinakazie, um Akazienhonig zu gewinnen.

 

 Mehr Informationen:

vista verde: Neozoen/Neophyten


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